Der Journalist im mobilen Zeitalter – 5 Aspekte zum Wandel eines Berufsbildes
- iJournalismus auch auf der medienwoche@IFA: Twitter, tvype und Co. als neue Chance für den unabhängigen Journalismus
- Prozessjournalismus auf dem Vormarsch: die neue Nähe zwischen Leser und Redaktionen
- Qualität statt Quantität – der Journalist als Moderator von Informationen
Berlin 24. August 2010 – Die Debatte um die Zukunft des Journalismus im mobilen Zeitalter bringt sehr unterschiedliche Meinungen hervor. Während die einen die neuen Technologien für Kündigungen in Redaktionen und die vermeintlich sinkenden Auflagen verantwortlich machen, sehen andere genau dort ihr Potenzial. Denn richtig genutzt, liegt in der Vielzahl der Kommunikationskanäle eine große Chance für den unabhängigen Journalismus. Die Herausforderung liegt vor allem in der Aufbereitung der unzähligen Informationen. Plattformen wie wikileaks.org oder tvype (http://www.tvype.com/) , Deutschlands erster Online Marktplatz für Nachrichten-Fotos und -Videos, greifen dieses Thema auf und strukturieren den Zugang zu bürgerjournalistischen Informationen. Diese Angebote beeinflussen auch das Aufgabengebiet von Journalisten – 5 Thesen zum Wandel eines Berufsbildes.
Jeder hat einen Informationskanal!
Mit fortschreitender Digitalisierung verlieren Journalisten zunehmend das Monopol, Informationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenige Klicks genügen, um sich mit Blogs oder Social Media Plattformen ein Sprachrohr zu verschaffen – eine Entwicklung, die durch die zunehmende Verbesserung der mobilen Endgeräte weiterhin vorangetrieben wird. Nachrichten, Augenzeugenberichte und Bildmaterialien finden den Weg an die Öffentlichkeit schneller denn je. Um langfristig und nachhaltig die Öffentlichkeit zu informieren, müssen Journalisten die Herausforderung des digitalen Zeitalters annehmen und ihre Arbeitsweise den Anforderungen des Web 2.0 anpassen und weiterentwickeln. So gilt es, auch twitter, facebook und weitere Social Media-Kanäle in die Arbeit einzubinden.
Der Druck auf Journalisten und Redaktionen wird immer größer!
Obwohl der Zeit- und Konkurrenzdruck auf Redaktionen immer größer wird, nimmt die Zahl der festen Stellen für Journalisten ab. Rund die Hälfte aller Journalisten arbeitet freiberuflich auf Honorarbasis. Besonders der Qualitätsjournalismus sieht sich aufgrund des Einbruchs im Anzeigengeschäft mit erheblichen Finanzierungsproblemen konfrontiert. Gleichzeitig ist Qualitätsjournalismus aber mit immensen Kosten und hohem Zeitaufwand verbunden. Deshalb sind Journalisten langfristig auf kosten- und zeitsparendere Alternativen angewiesen. Plattformen wie wikileaks.org oder tvype.com können den Journalismus zwar niemals ersetzen, allerdings ergänzen. Dienste wie tvype.com bieten Bürgerreportern wie auch Journalisten, vor allem aus den Bereichen Foto und Video, außerdem die Möglichkeit, die Plattform des Internets als Zweitverwertungskanal zu nutzen und ihre Materialen auf diese Art zusätzlich zu monetarisieren
Prozessjournalismus ist auf dem Vormarsch!
Die Grenze zwischen Leser als Informationskonsument und Redaktionen als Informationsquelle wird unschärfer. Das Netz fördert Interaktivität und lässt Informationsströme komplexer werden. So fließen Informationen von Lesern in Redaktionen – direkt vom Mobiltelefon, über Twitter oder die Kommentarfunktion der Webseite. Der klassische Produktjournalismus wird um eine höchst dynamische Komponente bereichert und verändert sich zunehmend in Richtung Prozessjournalismus. Charaktereigenschaften wie Kritik- und Kommunikationsfähigkeit, sowie die Bereitschaft, sich mit den Reaktionen der Leser auseinanderzusetzen, sind so für einen Journalisten wichtiger denn je.
Nachrichten sind überall-
- doch professionelle Fotografen- und Kamerateams sind es nicht. Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland besitzt digitalen Kameras, internetfähige Handys oder Digicams. Es ist die Unvorhersehbarkeit, die Ereignisse zu Nachrichten macht; und es sind die ersten visuellen Zeugnisse eines Geschehnisses, die für eine authentische Berichterstattung entscheidend sind. Im Netz umherschwirrende Bildmaterialien können meist aufgrund der ungeklärten Urheberrechte oder fehlender Kontaktmöglichkeit nicht verwendet werden. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Redaktionen einen professionalisierten Zugang zu Bürgerreportervideos und -fotos zu verschaffen“, so Daniel Holle, Gründer und Geschäftsführer der tvype GmbH. „Die Videos und Fotos werden vor Veröffentlichung nach bestem Wissen und Gewissen auf ethische und rechtliche Gesichtspunkte überprüft.“, so Holle weiter. „Das phänomenale Bildmaterial, das auf Handys schlummert, soll verfügbar gemacht und die Urheber entsprechend entlohnt werden.“
Gutes Informationsmanagement sichert das Überleben des unabhängigen Journalismus!
Mobile Technologien und das Internet sind per se keine Bedrohung sondern eine Chance für den unabhängigen Journalismus. Zwar werden durch digitale Technologien und Kanäle die Informationsquellen unzählbar, doch nicht jede Nachricht ist wichtig, nicht jedes Sprachrohr glänzt durch journalistische Expertise. Die Datenmassen fordern kompetente Fachleute, die wichtige Nachrichten aggregieren, aufbereiten und gefiltert zur Verfügung stellen. Der Journalist wird mehr und mehr zum Informationsmanager, der für Qualität garantiert. Genau darin liegt die Chance für Verlagshäuser. Ob als Print-, Online- oder Mobilversion – für Qualität und Service bezahlen die meisten Menschen gerne.
Daniel Holle, Gründer und Geschäftsführer der tvype GmbH wird über diese und weitere Aspekte des modernen Journalismus am 07.09.2010 14:00-15:30 Uhr auf der medienwoche@IFA referieren und diskutieren.







