Interview mit Miriam Rupp: Professionelle Pressearbeit für Start-ups

Noch viel mehr als etablierte Unternehmen kommt es für Start-ups auf professionelle Pressearbeit an. Doch was macht professionelle Pressearbeit aus? Wie bekommt sie die notwendige Aufmerksamkeit? Wie lässt sich Public-Relations-Erfolg messen? Und wie können Social-Media-Kanäle die PR wirksam unterstützen?

Dies und noch viel mehr verriet Miriam Rupp, Mitinhaberin der Berliner Public-Relations-Agentur Mashup Communications, im Gespräch mit marketingfish.de.

Pressearbeit ist ja insbesondere für junge Unternehmen sehr wichtig. Was gehört Ihrer Ansicht nach unbedingt dazu?

Miriam Rupp: „Gerade für junge Unternehmen ist es wichtig, bei der Pressearbeit Ideenreichtum, Beharrlichkeit und einen möglichst neutralen Blick auf das eigene Produkt zu entwickeln. Für Journalisten ist es riskant, über Produkte zu berichten, die sich noch am Markt bewähren müssen. Umso wichtiger ist es, bei der Entwicklung von Pressethemen und der Kontaktaufnahme zu Medienvertretern journalistisch zu denken, Themen mit einer breiten Relevanz zu schaffen und transparent zu kommunizieren.“

Um den Erfolg von Unternehmenskommunikation zu messen, sind Zahlen nur bedingt geeignet. Wie aber lässt sich – online und offline – der Erfolg einer Kommunikationsstrategie messen?

„Quantitativ kann der Erfolg einer Kommunikationsstrategie anhand von erzielten Pressereichweiten, von Fans und Followern in Social-Media-Kanälen sowie anhand der Entwicklung der eigenen Webseiten-Visits bzw. App-Downloads gemessen werden. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die Wertigkeit der Mediennennungen im Hinblick auf Prominenz und Beurteilung des Unternehmens, dessen klare Positionierung als Expertise-Referenz sowie eine glaubhafte Bindung zu Partnern, Kunden und Mitarbeitern sind wesentliche qualitative Faktoren.

Branding- und Reputationswerte lassen sich meist nur mit ausführlichen Meinungsumfragen ermitteln, die für Start-ups aus finanziellen Gründen in der Regel nicht in Frage kommen. Dennoch lassen sich hierfür auch indirekte Tendenzen ableiten, wenn man den Medienmarkt genau beobachtet und Branchenmeinungen einholt.“

Worin sehen Sie heutzutage die Kernaufgaben von Public Relations bzw. Öffentlichkeitsarbeit?

„Aufmerksamkeit und Vertrauen herzustellen und sich als transparenten, fairen Dialogpartner zu etablieren, sind die wichtigsten Aufgaben der PR. Bereits bei der Produktentwicklung sollten diese Ziele im Auge behalten werden, um vor allem im Zeitalter von Social Media glaubhaft kommunizieren zu können.“

Was sind denn Ihrer Meinung nach absolute „No gos“ in der Öffentlichkeitsarbeit?

„Davon gibt es viele: Lügen bzw. maßlos übertreiben, seine Gesprächspartner unterschätzen, im Krisenfall auf stumm schalten, Pressemitteilungen als Werbetexte verstehen. Dies sind nur einige der fundamentalen No-gos.“

Gerade junge Unternehmen ohne PR-Erfahrung unterliegen oftmals Fehleinschätzungen und Missverständnissen. Welche sind die häufigsten? Und welche Auswirkungen haben sie auf den Unternehmenserfolg?

„Zu den häufigsten Fehleinschätzungen gehören der Zeitfaktor – eine nachhaltige und glaubhafte Kommunikationsstrategie lässt sich nicht auf Knopfdruck umsetzen – und die Beurteilung des eigenen Produktes, welche aus Sicht des Journalisten weniger euphorisch sein wird als aus Sicht des Unternehmers. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wir beobachten vor allem bei Start-ups, dass sie sich dennoch häufig an diesen seltenen Ausnahmen orientieren, viel unnötige Energie auf einen kurzfristigen Hype setzen und die langfristige Präsenz in den Medien dafür aufs Spiel setzen.“

Und welche Bedeutung hat der Bereich Social Media für die Öffentlichkeitsarbeit heute?

„Social Media hat die Öffentlichkeitsarbeit grundlegend verändert und gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer ganzheitlichen Unternehmenskommunikation. Transparenz und Dialog erleben durch Social Media eine Renaissance in der PR. Unternehmen müssen lernen, über Social-Media-Kanäle zuzuhören, zu diskutieren und mit relevanten Inhalten Kunden, Mitarbeiter, Partner und Journalisten zu begeistern.“

Über welche Fähigkeiten sollte aus Ihrer Sicht eine PR-Agentur verfügen, um in den Bereichen PR und Kommunikation erfolgreich zu sein?

„PR-Agenturen müssen gute Diplomaten und Mittler zwischen Journalisten und Unternehmen sein. Dazu gehört es, auf textlicher Ebene meist Sales-getriebene Argumente mit neutralen, journalistischen Ansprüchen zu vereinen und auf persönlicher Ebene den direkten Austausch zwischen Unternehmen und Medien zu ermöglichen. Aus Unternehmenssicht sollte bei der Wahl der passenden PR-Agentur darauf geachtet werden, ob diese zuhört, Verständnis und Begeisterung für das Produkt mitbringt, klare Handlungsempfehlungen geben kann und die Ansprüche der jeweiligen Zielmedien kennt.“

Wie schätzt Ihre Agentur die Erfolgsaussichten für neue junge Start-ups in der Online- und Mobile- Branche ein?

„Die Bedingungen für Start-ups könnten derzeit nicht besser sein. Online- und Mobile-Produkte sind im Mainstream angekommen. Auch steigt die Bereitschaft, für überzeugende Lösungen zu bezahlen. Eine rege Bereitschaft von Venture-Capital-Unternehmen und Business-Angels, in Start-ups mit neuen Ideen zu investieren, bietet immer mehr Gründern die Chance, sich am Markt zu beweisen.“

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