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Mai 23, 2016

Wie Laurie Penny und die Re:publica mir halfen meine Identität zu finden

9:03 Uhr. Station Berlin. Re:publica Ten kurz vor dem ersten Vortrag auf Stage 1. Ich bin mal wieder viel zu früh dran und vertreibe mir meine Zeit zwischen all den geschäftig wirkenden Re:publica-Helfern mit einem Artikel auf Edition F. „10 Dinge, die uns glücklich machen“. „Gern, immer her damit“, denke ich, während um mich herum noch die letzten Kabel mit Gaffa-Tape gesichert werden. Neben den üblichen Tipps, wie dankbar und freundlich sein, seinen Mitmenschen helfen etc., sticht mir etwas besonders ins Auge: selbstbewusst sein! Sich selbst bewusst sein, was man kann. Doch was kann ich eigentlich wirklich? In diesem Moment, in dem ich grübelnd und etwas geknickt feststelle, dass mir nichts einfällt, beginnt Laurie Pennys Vortrag „Change the Story, Change the World“ und während sie sprach, wurde mir plötzlich alles klar.

Laury Penny auf der Re:publica

Bild: Katharina Braun / Mashup Communications

Mit dem Ende fängt es erst richtig an – Geschichten über Geschichten

Laurie Penny, Autorin, Journalistin, Feministin und Nerd, legt los mit ihrer unvergleichlichen Art über Fan Fiction der 70er Jahre zu fachsimpeln. In diesem Genre sind Geschichten keine Grenzen gesetzt – die eigentliche Welt wird um Charaktere ergänzt, Beziehungen weitergesponnen und ein Eigenleben entwickelt sich. Die Fans der Original-Stories lassen alles parallel im gleichen Universum geschehen. Aufgrund dieser Fan Fiction sind so manche Sequels oder eigenständige Filme entstanden. Die Fans haben die Fortsetzungen beeinflusst und damit auch grundlegend bestimmt, was als nächstes in einer offiziellen Version passiert.

Klassische Geschichten, aber andere Helden – Storytelling wächst mit

Storytelling wurde schon immer benutzt, um etwas weiterzugeben. Sei es eine Warnung, vergangene Geschehnisse, Ideale einer Kultur oder Religion – verpackt in eine Geschichte, wird all das leichter verinnerlicht. Dabei folgen alle Erzählungen einem bestimmten Muster. Das beste und klassischste Beispiel dafür ist „The Hero’s Journey“ von Joseph Campbell.

Die meisten Filme, Serien und Bücher folgen diesem Aufbau. Dass sich nur die Helden der heutigen Zeit anpassen, veranschaulicht Laurie Penny anhand von Star Wars. Episode 7 ist von der Geschichte her eine genaue Kopie der anderen Star Wars Filme. Jedoch ist der Hauptdarsteller farbig und die Heldin eine Frau. Menschen brauchen klassische Geschichten, doch sie müssen auch mit der Gesellschaft wachsen, denn die Welt verändert sich. An dieser Stelle beginne ich langsam zu verstehen: Geschichten bestimmen die Welt. Alles sind Geschichten. Wer erzählt diese Geschichten und bestimmt damit nicht nur den Lauf von Erfundenem, sondern auch Realem?

Die kleinen Mädchen von damals sind die Helden von heute – Change the Story, Change the World

Laurie Pennys großes Talent, so sagt sie selbst, ist Fernsehen. Sie kennt alle Serien, sind sie noch so schlecht, jeden Film und kann zu allen Sequels ihren Senf dazugeben. Sie hat sich selbst mittels Fan Fiction in Harry Potters Welt geschrieben und kann viel über die sexuellen Vorlieben der verschiedenen Völker von Star Trek erzählen. Schon als kleines Mädchen ging es ihr so, sagt sie. Und plötzlich macht es klick bei mir! Das ist es! Die kleinen Geschichten erzählenden Mädchen von damals sind die Bestimmer von heute. Wir sind es, die die Welt mit unseren Variationen der ursprünglichen Geschichte verändern können. Unsere Visionen sorgen dafür, die Welt zu gestalten und alte Strukturen zu formen. Das ist mein Talent, denke ich: Geschichten erzählen. Dabei ist es egal, ob man der Oma versucht weiszumachen, dass vor dem Haus eine Kuh gelandet sei, man eine App mit Storytelling an den Mann bringt oder im Bewerbungsgespräch die Stimmung durch gezielte Geschichten aufgelockert wird – Change the story, change the world! Unsere Ideen sind es, die die Welt formen, Protagonisten bestimmen und damit den Lauf der Geschichte ändern.

Katharina Braun
Senior-Beraterin bei Mashup Communications

Ihr Motto ist: „Immer erst mal machen“, um dann mit einer gut durchdachten Strategie zum Ziel zu kommen. Mit Ehrlichkeit und Herz navigiert sie so Team, Kunden und Hund Mio durch den stürmischen Agenturalltag.


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Backstage, Culture