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November 2, 2016

Ruhe! Und bitte! – Tipps für das erste TV-Interview

So machen Unternehmer im Fernsehen eine gute Figur

Im TV-Interview an der Kamera vorbei schauen

Machen wir uns nichts vor: Ein TV-Interview kann für Entrepreneure Fluch und Segen sein. Kaum ein anderes Medium hat so eine starke Reichweite wie das Fernsehen. Als TV-Journalistin stand ich jahrelang auf der „anderen Seite“ – kenne sowohl das Miteinander und Gegeneinander zwischen Presse und Unternehmen. Die Redakteure möchten unabhängig bleiben. Der Vertreter der Marke möchte seine Botschaft verbreiten. Das ist nicht immer gut unter einen Hut zu bringen. Zudem ist in einer TV-Interviewsituation nicht alles kontrollierbar. Aber eine gute Vorbereitung und ein Medientraining minimieren mögliche Fehler, die hinterher über den Äther geschickt werden.

Tief durchatmen

Der Besuch eines Fernsehteams ist zumeist keine alltägliche Situation, zumindest für ein Unternehmen. Dass die Anspannung und Nervosität steigt, ist also völlig normal. Meistens wird das Interview auch nur aufgezeichnet und nicht live gesendet. Also kann vorab abgesprochen werden, dass bei einem Versprecher die Frage wiederholt werden kann. Ein kurzes Warmup-Gespräch mit dem Journalisten hilft zusätzlich, ein Gefühl für den Menschen zu bekommen. Das habe ich als Journalistin übrigens auch gerne getan. Der Standardspruch vor dem Interview war von mir dann immer: „Die Kamera ist gar nicht da – schauen Sie einfach nur mich an!“

Sei mal nicht so kleinkariert

Unabhängig davon, dass es hier nicht um die inhaltliche Kleinkariertheit geht, sondern die Äußerlichkeiten. Weder kleine Karos noch schmale Streifen auf der Kleidung sind für ein TV-Interview geeignet, da das Muster hinterher flimmert. Der sogenannte Moiré-Effekt sieht nicht nur nicht schön aus, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf sich – weg von der eigentlichen Botschaft. Findet das Interview in einem Fernsehstudio statt, lohnt sich die Frage, ob es vor einem Green- oder Bluescreen stattfindet. In dem Fall würden alle grün oder blau gefilmten Teile des Bildes hinterher durch ein anderes Bild ersetzt werden – so auch das grüne Kleid oder das blaue Hemd.

Also den Allrounder das weiße Hemd anziehen? Mit einem Jackett und einer Krawatte ist das kein Problem. Allerdings können weiße Hemden je nach der Belichtungswahl des Kameramanns hinterher grau wirken oder überstrahlen.

Spot on

Läuft die Kamera und wurde vorab nicht abgesprochen, wie, wo und wohin man sich stellen und hinschauen soll, wirkt es hinterher in dem Beitrag gegebenenfalls unsicher. Das wiederum verbindet der Zuschauer unterbewusst mit der Marke oder dem Unternehmen. Deswegen ist es ratsam, vorab mit dem Kamerateam zu besprechen, wie und wo das Interview geführt wird. Allgemein gilt aber: Solange nicht für ein bestimmtes Format gedreht wird, nie IN die Kamera schauen, sondern knapp an der Kamera vorbei den Redakteur ansehen.

Bei der Einrichtung der Kameraeinstellung wäre es gut, sich vorab den Bildausschnitt zeigen zu lassen. Kameramänner sind zwar Profis und wissen, was sie tun. Aber ist die Kamera etwas zu hoch aufgebaut, schaut sie auf den Interviewpartner hinab (Vogelperspektive), und umgekehrt schaut die Kamera auf (Froschperspektive). Beides hat eine unterbewusste Wirkung, die nicht erwünscht ist. Am schönsten ist es auf Augenhöhe zu sein – eben auch mit der Kamera, die mit dem Blickwinkel des Zuschauers gleichzusetzen ist.

Eindruck machen

Was zählt, ist hinterher das Gesamtbild. Das fängt bei der Stimmlage und Sprechgeschwindigkeit an. Was sympathisch wirkt, ist eine normale bis eher tiefe Stimmlage. Kompetent wirkt es, wenn die Antworten in einer normalen bis eher langsamen Geschwindigkeit gegeben werden. Das gilt auch für das Auftreten. Vor der Kamera wirken Bewegungen schneller, deswegen sollten hektische und zu viele Bewegungen vermieden werden.

Aber auch der Hintergrund im Bild ist wichtig. Journalisten werden immer versuchen, gebrandete Poster und Banner zu vermeiden. Was nicht heißt, dass man nicht sein Firmenlogo im Bild unterbringen kann. Unschärfe und Tiefe sehen immer toll aus. So kann man ein Schild oder das Firmen-Logo in dieser tiefen Unschärfe einbauen. Und falls der Journalist auf einen komplett neutralen Hintergrund besteht, sollte aber zumindest nicht nur der Name und die Funktion in der Insertierung (Schrifteinbledung) stehen, sondern auch der Firmenname.

Aber nicht nur das Logo im Hintergrund bedarf einer besonderen Überlegung, sondern sollte überhaupt darauf geachtet werden, was sich sonst noch so im Raum befindet. Und wenn es nur die Palme ist, die hinterher im Bild hinten aus dem Kopf heraus wächst – kein Witz, alles schon gehabt.

In der Kürze liegt die Würze

Ich bin als TV-Redakteurin im Schnitt so manches Mal schier verzweifelt, weil mein Interviewpartner einfach ohne Punkt und Komma geredet hat, trotz meiner Belehrung, dass ich kurze und knappe „O-Töne“ (Originaltöne) brauche. Was folgt ist eine Schnippelei des Materials, sodass der Interviewteil hinterher auf eine Länge zwischen zwölf und zwanzig Sekunden kommt. Um ein Gefühl für die Länge zu bekommen, hilft es sich im Vorfeld Antworten zu formulieren und die Zeit mit der Stoppuhr zu kontrollieren. Ein Interview wird ganz selten in der ganzen Länge genommen. Meist sucht der Redakteur die besten Antworten heraus. Und schon im Interview kann es sein, dass eine Frage doppelt, oder etwas anders gestellt wird, weil der Journalist nochmal eine andere Variante hören möchte. Da ist es gut auf Floskeln wie „wie ich eben schon sagte“ zu verzichten, die erschweren im Zweifel hinterher nur den Schnitt und die Aussage wird wieder gestückelt.

Vorsicht (und Vorbereitung) in der TV-Kiste

Vertrauen ist gut, Vorbereitung ist besser. Auch wenn Fragen vor einem Interview vorab abgesprochen wurden, heißt das nicht, dass der Journalist nicht doch noch investigative Nachfragen stellen wird. Deshalb gilt es sich vorher auch darauf vorzubereiten und kritische Fragen, die auftauchen könnten, durchzuspielen.

Generell gilt: In der Beantwortung der Fragen, die Kernbotschaften des Unternehmens im Hinterkopf haben und kurz und knackig zu antworten. Dabei ist es ratsam sich mit der Zielgruppe des Mediums zu beschäftigen, sodass die Antworten die zielgruppenrelevanten Aspekte beinhalten.

Manchmal ist es einfach die Frage des Journalisten mit in die Antwort mit aufzunehmen, allerdings ist es ratsam auf die Formulierung zu achten. Ein Schalk der böses denkt, aber es soll Journalisten geben, die extra provozierende, polarisierende oder extreme Wörter in die Frage mit einbauen, damit diese mit in die Antwort aufgenommen werden. So kann eine Aussage mit einem extremen Wort verneint werden, das Wort ist aber trotzdem zu hören und bleibt beim Zuschauer hängen.

Türlich, türlich…

Es gibt augenscheinlich viel zu beachten, wenn sich ein Fernsehteam für ein Interview angemeldet hat. Was aber unterm Strich immer souverän, sympathisch und authentisch wirkt, ist Natürlichkeit. ☺

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