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März 24, 2017

Eine Reise durch das Wunderland CeBIT

Graue Wolken umsäumen die große Messehalle in Hannover. Ich bin auf dem direkten Weg ins Techie-Paradies: Der CeBIT. Eine Sphäre, in der Einhörner in Anzügen herumlaufen, Roboter darum bitten, auf dem Kopf gekitzelt zu werden und jeder Besucher die Möglichkeit erhält zu fliegen. Ich wage mich über den langen, roten Teppich, begleitet von zwei selbstfahrenden Bussen, hinein in den Kosmos der Technologie-Neuheiten.

Sprechende Roboter: Mit Pepper im Wunderland

„I like your glasses!“ sagt ein circa 1,20 Meter großer Roboter. „Hi, I am Pepper,“ erklärt er mir, langsam gestikulierend, und kichert daraufhin. Mit seinen großen Augen fixiert er mein Gesicht und lässt mich nicht mehr aus dem Blick. In dieser bunten Messewelt fühle ich mich wie Alice im Wunderland und Pepper ist die Grinsekatze. Während ich mit der Mitarbeiterin von SoftBank Robotics spreche, unterbricht Pepper uns und fordert mich dazu auf, ihn auf dem Kopf zu kitzeln. Meine Gesprächspartnerin ermuntert mich und streift sanft mit ihren Fingern über seinen runden, kleinen Plastikkopf. Daraufhin kichert Pepper erneut und wiegt seinen weißen Roboterkörper hin und her. Seine hohe Stimme und sein Äußeres erinnern an ein Kind – was auch das Ziel dieses „humanoid robot“ ist. Aktuell ist Pepper nur in Japan bei der Bestellung im Restraunt oder an der Rezeption behilflich, um die Mitarbeiter im Kundenkontakt zu unterstützten. Fasziniert wende ich mich von diesem technologischen Wesen, mit seinem kindlichen Kopf und seinen überproportionalen großen Augen, ab. Als ich aus seiner Reichweite verschwinde, sucht er sich eine neue Person aus der Menge und sagt zu einem großen Mann mit einer kleinen runden Brille: „Tickle my head!“ Ich höre wieder sein fröhliches Kichern und die Menge prustet begeistert los. Statt wie die Grinsekatze bei Alice im Wunderland, verschwinde ich anstelle von Pepper.

 

Virtual-Reality: Der virtuelle Höhenflug

Kichernde Roboter und fliegende Menschen - Eine Reise durch das Wunderland der CeBIT Doch immer wieder begegnet mir Pepper an vielen unterschiedlichen Ständen. Mal spricht er Englisch, mal Japanisch, insgesamt soll er über sechzehn Sprachen beherrschen. Zwischen dem Treiben stolziert ein Mann mit einer Einhorn-Maske in einem schwarzen Anzug umher. Die Visionen und Ideen aller Aussteller leuchten mir lebhaft entgegen. Wörter wie „easy“, „connected“, „fast“ oder „secure“ fassen im Prinzip die wesentlichen Ziele der neuesten technologischen Pläne aus China, Japan und der ganzen Welt zusammen. Der wohl beliebteste Bereich der Messe befindet sich in Halle 17. Junge Menschen mit dicken, breiten Brillen bewegen sich ziellos durch die Gegend: Der Raum zeigt die neusten Trends aus dem Virtual- und Augmented-Reality Bereich. In der Mitte der Halle sammelt sich eine Menschentraube, die wie von einem Magnet angezogen den Stand von Icaro umsäumt. Dort befinden sich zwei Geräte, in die sich die Besucher hineinlegen können und mithilfe der VR-Brille können sie etwas ganz Besonderes tun: Sie fliegen über eine Berglandschaft. „Die Technologie war ursprünglich als Sportgerät vorgesehen,“ erläutert die Mitarbeiterin, die lächelnd neben der Vorrichtung steht. Das erklärt auch, weshalb der junge, drahtige Mann direkt vor mir mit einem knallroten Kopf versucht, sich auf dem Gerät auszubalancieren. Er schwebt liegend in anderen Sphären und lacht verzückt über diese schöne, neue Welt.

Aus dem Traum erwacht: Eine schöne neue Utopie

In der aktuellen Ausgabe der Psychologie Heute heißt es, dass unserer Generation die Utopien ausgegangen seien. Die einzige Industrie, die wirklich große Visionen hege, sei die IT- und Technologiebranche. Ein Schritt durch die Messe zeigt: Auf der CeBIT gibt es keine negative Zukunftsbilder wie in Alex Huxleys „Schöne neue Welt“. Hier gibt es quirlige Ansätze zur künstlichen Intelligenz oder die Entwicklung eines technologischen Bewusstseins, das zum ewigen Leben führen könnte. Aber auch weniger ausgefallene Konzepte, wie mithilfe von Technologien die direkte Demokratie wiederzubeleben. Das Bundesland Niedersachsen hat es bereits vorgemacht, indem sie die Bürger in ihren Kommunen mittels CMS-Tools an Abstimmungen teilhaben ließen. Als ich auf dem Weg zum Ausgang bin, begleiten mich wieder die selbstfahrenden Busse. Sie schlängeln sich langsam auf dem frisch polierten, glänzenden Boden entlang. Draußen angekommen und weit weg von den futuristischen Visionen der CeBIT, muss ich alles in Ruhe verdauen. Die Füße schmerzen, die Sonne scheint und die frische Luft gibt mir das Gefühl, als würde ich wie Alice nun aus dem Traum erwachen. Was für eine seltsame schöne neue Welt.

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