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September 14, 2017

Demokratie in Bewegung – Startup-Mentalität trifft auf Politik-Apparat

Was bewegt Dr. Alexander Plitsch eine neue Partei zu gründen?

Demokratie in Bewegung - Dr. Alexander Plitsch

Eigentlich fand er Politik unkreativ, rigide und starr. Trotzdem wird Dr. Alexander Plitsch am 24. September mit seiner Partei „Demokratie in Bewegung“ bei der Bundestagswahl 2017 antreten. Auf die Idee kam er im vergangenen Jahr – vor sechs Monaten gründete er mit rund 50 Menschen aus ganz Deutschland die Partei. Doch warum überhaupt eine Partei, wenn kaum noch einer wählen geht? In einer Zeit, wo junge Menschen ihre politische Identität in dem Kauf einer Bio-Banane oder bei der Flüchtlingsarbeit in ihrem Kiez ausleben? Die Reise von Dr. Alexander Plitsch und „Demokratie in Bewegung“ zeigt: Es gibt sie noch, die Menschen, die Utopien und Visionen haben und diese in der Politik wahr machen wollen.

Unter der Urlaubssonne in die graue Parteienlandschaft

Genau vor einem Jahr reifte die Idee, im Urlaub unter einer Palme. „Das war der Moment, an dem ich mich dazu entschieden habe es durchzuziehen“, erläutert der Bundesvorsitzende von Demokratie in Bewegung. Der Weg dorthin klingt eigentlich klassisch. Beim gemeinsamen Essen mit Freunden und der Familie diskutierte er viel über das politische System. Dabei fielen Sätze wie „Es wäre Zeit für eine neue Partei“ oder „Eigentlich müsste man Politik ganz anders machen“. Floskeln, die jeder vermutlich schon einmal bei einem gemütlichen Weinabend mit Freunden oder der Familie ausgesprochen hat. Doch Alexander Plitsch ließ es nicht los. Während andere sich am nächsten Tag neuen Dingen widmeten und darüber grübelten, was sie abends kochen sollten oder welche Serie sie schauen werden, reifte bei Plitsch die Idee eine Partei zu gründen. „Vielleicht muss ich mich einbringen, damit sich die Gesellschaft so entwickelt, wie ich das für mich, meine Kinder und unsere Zukunft möchte“, erläutert der Vater von zwei Töchtern seine Motivation.

Ein alter Freund erlebt sein Revival – Die Demokratie

Plitsch beschreibt sich selbst als Gründernatur. Ihm macht es Spaß, Dinge aufzubauen und zu kreieren.Dass er heute Vollzeit Politik macht, hätte sein Studenten-Ich vermutlich nicht gedacht. „Das Unternehmerische-Kreative war für mich einfach viel spannender, weil ich wirklich das Gefühl hatte, dass Politik hoch unkreativ ist“, erläutert der Startup-Berater. Damals interessierte er sich für Marketing und Produktentwicklung. All das angereicherte Wissen fließt nun in Demokratie in Bewegung.

Gründungsparteitag von Demokratie in Bewegung„Junge Menschen gehen nicht mehr in eine Partei, wo sie diese typische Ochsentour vor Augen haben und erstmal auf Ortsvereinsebene Plakate für den Bezirksbürgermeisterkandidaten kleben. Da geht man eben lieber zur NGO, wo man direkt an Kampagnen mitwirken kann und sofort vor Ort sieht, was man damit bewirkt“, fasst Plitsch die Entfremdung des politischen Ablaufs zusammen. Die Ungeduld ist unser Zeitgeist. Mit einer Generation, die schnelle Resultate sehen möchte, funktioniert der schneckenhafte politische Alltag einfach nicht. Bürger brauchen Instant-Politik. So seine These, und die Idee wurde klar: Plitsch wollte eine radikal basisdemokratische Partei ins Leben rufen. Radikal bedeutet dabei, ein Revival für die Demokratie. Alle sollen sich beteiligen können. Alexander Plitsch wollte dafür eine Plattform schaffen. Wie die Piraten, nur besser.

Huffington Post Artikel Alexander Plitsch

„Ich wünsche mir eine Partei, die attraktive, einfache und direkte Möglichkeiten zur Mitgestaltung für all die Menschen bietet, die wie ich durch die Entwicklungen der vergangenen Monate den Wunsch verspüren, nicht mehr nur zuzuschauen, sondern etwas zu bewegen.“ – Auszug aus Plitschs Aufruf in der Huffington Post

Die Geburt der Startup-Partei

Zwei Tage vor Weihnachten war es soweit. Nach den Entwicklungen der AfD Ende 2016 und der Situation in Frankreich mit Le Pens Front National wollte Plitsch gegen den politischen Rechtsruck vorgehen und veröffentlichte in der Huffington Post den Beitrag „Wir können es uns nicht mehr leisten, zuzusehen und unpolitisch zu bleiben – deshalb will ich eine Partei gründen“. Er suchte nach Gleichgesinnten und Unterstützern. „Das Feedback war für mich überraschend positiv. Natürlich hielten viele es auch für verrückt. Doch die Mehrheit konnte damit was anfangen, auch Menschen, die unpolitisch sind“, fasst Plitsch den ersten Meilenstein zusammen.

Doch dann ging die Arbeit so richtig los. Selbst beim Start hat DiB gezeigt, dass sie das Konzept Partei neu anpacken möchten. Statt eines Produkttestes führten sie einen Parteitest durch. Mithilfe einer Petition auf Change.org wollten sie im Januar 2017 schauen, ob es überhaupt einen „Markt“ gibt und trafen auf Anklang. „Wir sagten uns, wenn 100.000 Menschen mitmachen, gründen wir eine Partei, ziehen es durch und versuchen uns zur Bundestagswahl aufzustellen. Ganz oder gar nicht“, sagt der frische Politiker.

Parteiprogramm per Crowdfunding

Innerhalb von zwei Monaten hatten sie ihre Zielsetzung geknackt. Ihr Pitch: Digitale Partizipation für alle, auch für diejenigen, die nicht Parteimitglieder sind. Jeder kann mit abstimmen und eigene Ideen einbringen, solange sie die vordefinierten Grundwerte – Demokratie, Transparenz, Gerechtigkeit, Weltoffenheit, Vielfalt und Zukunftsorientierung – nicht verletzen. Ihr Mitmach-Anreiz: Mitbestimmung. Und das meinen sie ernst. Das Team sammelte die Inhalte ihres Parteiprogramms quasi per Crowdfunding. „Wir haben uns dazu entschlossen, Methoden zu entwickeln, mit denen man zukunftsorientierte Politik machen kann“, erklärt Plitsch das Konzept. Wenn jemand eine Idee hat, beschreibt er sie kurz und stellt sie auf der DiB-Plattform online. Die „Kampagne“ läuft dann drei Wochen. Wenn genug Leute zustimmen, ist die Idee mit im Programm. Wenn nicht, ist sie halt raus. Demokratie pur. Da gibt es kein links, rechts oder Mitte. Es gibt nur den gemeinsamen Wert. Und das ist Partizipation. Ist das die Politik von morgen?

Der Countdown läuft – die Bundestagswahl steht bevor

„Eine Partei zu gründen, ist schon eine Mammutaufgabe. Es sind hunderte Menschen in kurzer Zeit zusammengekommen. Ganz viele unterschiedliche Persönlichkeiten, die gemeinsam unsere Gesellschaft mitgestalten möchten. Das ist schon eine tolle Erfahrung“, beantwortet Plitsch lachend die Frage, wie es denn sei eine Partei zu gründen. Zwar hat er mit DiB gezeigt, dass sie einen guten Sprint hinlegen konnten. Doch nun kommt der Endspurt – die Bundestagswahlen 2017. Und nun geht die große Arbeit nochmal so richtig los. Ein Termin jagt den nächsten.

Immerhin ist es doch spannend, mal eine neue Art von Politikmacherei zu sehen. Kraft gibt ihm vor allem seine Familie in Aachen, die wohl sein größter Antrieb ist. Doch unabhängig von der Wahl, wo wird Alexander Plitsch in zehn Jahren sitzen? „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich in zehn Jahren tatsächlich Politiker bin oder beides mache. Unternehmerisch tätig sein und im politischen Alltag arbeiten“, schließt er das Gespräch. Wer weiß, vielleicht wächst Alexander Plitsch doch noch in den politischen Apparat hinein?

Ciani-Sophia Hoeder

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Politik