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September 13, 2017

Social-Media-Check zur Bundestagswahl 2017

So schlagen sich die Parteien auf Facebook, Twitter, Instagram & Co.

Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren! Doch nicht nur Angela Merkel und Martin Schulz werben um die Wählergunst, auch die kleineren Parteien und deren Kandidaten sehnen sich nach wichtigen Prozentpunkten. Seit knapp 40 Jahren sinkt die Wahlbeteiligung, Zeit für die Parteien ihre Wähler abseits der traditionellen Wege abzuholen. Während kleine Parteien, wie die Piratenpartei, das Medium Internet längst für sich entdeckt haben, zögerten die Etablierten diesen Weg einzuschlagen. Speziell die sozialen Netzwerke haben sich als Anlaufstelle für Wähler und die, die es werden könnten, entwickelt. Aus diesem Grund werfen wir anlässlich der Bundestagswahl 2017 einen Blick auf die Social-Media-Kanäle einzelner Parteien.

SPD

Mit über 150.000 Facebook-Fans ist die SPD im Vergleich zu den weiter aufgelisteten Parteien im Mittelfeld zu finden. Täglich werden im Durchschnitt ein bis vier Posts veröffentlicht. Dabei erscheinen die Inhalte durchaus unterschiedlich: Angefangen bei Text-Beiträgen über Fotos samt Botschaft an die Wähler bis hin zu dauerhaft veröffentlichten Live-Videos ist alles dabei. Inhaltlich fokussiert sich der Facebook-Kanal eher auf Martin Schulz und den Wahlkampf. Merkel-Schulz-Vergleiche anstelle von detaillierten parteipolitischen Aussagen.

Auf Twitter ist die SPD deutlich aktiver und kann über 300.000 Follower vorweisen, mit denen die Partei stark interagiert. Instagram nutzt die Partei vorrangig um sich menschennah zu zeigen, Impressionen von Wahlveranstaltungen oder auch Bilder und kurze Videos zum Parteiprogramm stehen dort zum Abruf bereit. Allerdings mangelt es an einer einheitlichen Bildsprache. Die hochgeladenen Motive wirken sehr durcheinander und es lässt sich keine klare Linie erkennen.

CDU

Die CDU legt den Fokus bei Facebook weniger auf deren Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Hier steht mehr das Parteiprogramm im Fokus als die aktuelle Regierungsvorsitzende. Täglich gibt es drei bis sieben multimediale Beiträge zu aktuellen Entwicklungen oder auch beispielhaften Medienauftritten der Partei. Die Facebook-Plattform ist zudem sehr detailliert aufbereitet: Nutzer können direkt an die Partei spenden, CDU-Mitglied werden oder einen Einblick in die CDU Netiquette erhalten. Die Interaktion könnte besser sein, die Community reagiert meist selbstständig auf Kommentare. Dennoch schert sich die CDU nicht davor, auch mal ein Giphy als auflockerndes Stilmittel zur Interaktion verwendet.

Auf Twitter zeigt sich ein ähnliches Bild, eher parteipolitische Informationen statt Zentrierung auf die derzeitige Bundeskanzlerin. Über den ganzen Tag verteilt streut die CDU ihre Tweets und ermöglicht so eine große Interaktion zwischen den Followern. Der Instagram-Kanal hingegen ist deutlich auf die Kanzlerin ausgerichtet. Die Bilder sind meist hochwertig, dennoch ist der Stil bzw. die Bildsprache verbesserungswürdig. Klare Vorgaben bezüglich Farbgebung, Kontrasten oder stilistischen Merkmalen scheint es nicht zu geben.

Bündnis 90 / Die Grünen

Die Grünen arbeiten auf ihrer Facebook-Seite sehr viel mit Grafiken und integrierten Statements, was den Leser schnell einen Eindruck von deren Zielen und der Philosophie erhalten lässt. Die Tonalität ist von unterhaltend bis provozierend. So wurde Jens Spahn beispielsweise im Rahmen eines süffisanten Posts „Jens, we looked like Hipsters long before you knew you’d hate them“ aufs Horn genommen. Des Weiteren erscheinen auch regelmäßig Bilder mit Statements von Cem Özdemir, dem Bundesvorsitzenden der Partei, der die Ausrichtung der Partei offensiv bewirbt. Mit Fallbeispielen dokumentiert die Partei Probleme und Herausforderungen der derzeitigen Situation und präsentiert sich so als bevölkerungsnah.

Auf Twitter ist die Partei sehr aktiv und zählt dementsprechend viele Follower. Der Instagram-Kanal besticht vorrangig durch Bilder mit eingefügten Wahlbotschaften. Auch auf Videos setzen die Grünen und treffen so speziell die Anforderungen der jüngeren Zielgruppe, die sich mehr durch visuellen Content mit Themen beschäftigen.

Die Linke

Die Linke hat eine starke Präsenz bei Facebook und zählt über 200.000 Facebook-Likes. Dort sind vor allem Video und Foto-Inhalte zu entdecken, reine Text-Beiträge sind die Ausnahme. Bei 1-3 Posts pro Tag mangelt es jedoch etwas an der Regelmäßigkeit. Dennoch ist die Interaktion mit den kommentierenden Nutzern von großer Bedeutung, kaum eine Frage bleibt unbeantwortet.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Twitter – multimediale Inhalte statt starren Text-Tweets. Diese multimedialen-Inhalte finden sich auch auf Instagram wieder – Videos und Bilder-Serien gehören dort zum Standard. Mangels einheitlicher Bildsprache fehlt es dem Kanal aber an Kontinuität und wirkt etwas unaufgeräumt.

FDP

Die FDP setzt auf ein Video-Facebook-Titelbild. Doch dient es eher dafür, die eigenen Pläne vorzustellen anstelle der einzelnen wichtigsten Parteimitglieder. Die Veröffentlichung der Beiträge ist sehr unregelmäßig, dabei kann es an einem Tag auch mal keinen Post geben, an einem anderen jedoch auch gern fünf bis sieben. Die Beiträge sind sehr unterschiedlich angefangen bei reinen Textbeiträgen, werden auch gerne (Live-)Videos geteilt oder Updates von Parteichef Christian Lindner. Ein besonderes Bonbon: Der FDP-Podcast, der über Soundcloud und iTunes angehört werden kann. Es gibt sogar einen eigens eingeführten Hashtag #FDPod, dabei fällt auf, dass die Partei – als eine der wenigen – Gebrauch von dieser Methode macht, um Beiträge bestimmter Inhalte und Themen zu bündeln.

Bei Twitter finden sich überwiegend textliche Beiträge wieder, hin und wieder gesellen sich Bilder unter die Tweets, der Fokus liegt aber augenscheinlich auf kurze knappe Informationen und parteibezogene Aussagen. Auf Instagram machen die Freien Demokraten einen guten Eindruck. Mitsamt der knalligen Parteifarben schaffen sie es am besten eine einheitliche Bildsprache anzuwenden. Kurze Erklärvideos und Bilder mit Text-Botschaften kommen zum Einsatz und bringen den Followern das Parteiprogramm auf einfache Art und Weise näher.

 

AfD

Auch hier gibt es auf Facebook für die Besucher anstelle eines Fotos oder Grafik ein Video, das die Parteimitglieder vorstellt. Die Partei setzt sehr auf Konfrontation: Bei mindestens fünf Beiträgen (meist visuell unterlegt) pro Tag häufen sich Verweise auf Donald Trump, Hetze gegen Kanzlerin Merkel oder die Aufforderung die Beiträge zu teilen („+++Teilen!!+++“, „Nicht vergessen: Teilen Sie diesen Beitrag!“). Die hochgeladenen Videos sind zumeist bearbeitet und beinhalten AfD-Botschaften, die andere Parteien und deren Ansätze stark in Frage stellen. Ähnlich harsch ist aber auch das Feedback parteifremder Nutzer, die unter die Beiträge kommentieren.

Im Vergleich zu anderen Parteien, spart die AfD deutlich an ausführlichen Themenbeschreibungen des eigenen Programms. Auffallend ist: Wenn Nutzer auf den Reiter „Mitglied werden“ klicken, verlassen sie automatisch Facebook und werden direkt auf die AfD-Webseite weitergeleitet. Auf Twitter finden sich deutlich weniger Follower wieder als bei den anderen Parteien. Auch hier liegt der Fokus auf Bildern inklusive Statements zur aktuellen Politik. Die Instagram-Präsenz sieht aus wie eine Plakatlandschaft. Das hat zur Folge, dass die Bildsprache relativ einheitlich ist. Vorrangig gibt es hier Bilder mit Zitaten und polemischen Kommentaren. Die AfD setzt diesen Kanal durchaus zielorientiert ein, um Mitglieder über bildlichen Content und den integrierten textlichen Botschaften zu werben.

Die Parteien haben Social Media entdeckt, speziell Facebook – wird von über 19 Millionen Deutschen täglich genutzt – ist der Kanal, der am meisten eingesetzt wird, um das Parteiprogramm zu bewerben und Wähler zu gewinnen. Dennoch gibt es einiges an Verbesserungspotenzial: regelmäßige Posts, multimediale Inhalte, eine ständige Kuration der Beiträge oder eine einheitliche Bildsprache gehören zu den wichtigsten Richtlinien für einen optimal gepflegten Social-Media-Kanal.

Teaserbild: Dennis Skley CC BY-ND 2.0

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Tommy Dobs
Senior-Berater bei Mashup Communications
Tommy hat ein Herz für Nerds, denn er ist selbst einer! Mit seiner IT-Expertise sind bei ihm Techie-Themen bestens aufgehoben. Ob Cloud-Service oder Messenger – bei ihm ist alles verschlüsselt.