Image
Top
Navigation
Juni 14, 2018

Kampagnen-Check: Die kleine Fußballzeitreise mit Otto

Vierundfünzig, vierundsiebzig, neunzig, zweitausendundvierzehn…. Diese Jahreszahlen lassen bei so manchem Fan das Fußballherz höher schlagen. Pünktlich zur Fußball-WM nimmt uns Otto.de mit auf eine kleine Zeitreise zu den Fußballhelden von gestern, die damals noch die Fußballhelden von morgen waren. Klingt kompliziert? Zwischen den Jahren 54, 74 und 90 kann man aber auch schonmal ganz schön durcheinander kommen. Die Hamburger Werbeschmiede Jung von Matt/Saga hat zusammen mit dem Versandhaus eine Zeitmaschine entwickelt, die uns in die Kindheit von Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann und Lukas Podolski bringt. Wie wurden diese drei späteren Fußballweltmeister von den Weltmeisterschaften ihrer Kindheit geprägt? Hat möglicherweise ein von zwei zeitreisenden Lieferanten herbeigebrachter Fernseher die nötige Begeisterung geweckt, um das Runde mit der nötigen Motivation ins Eckige zu befördern? Für den heutigen Kampagnen-Check steigen wir in die Zeitmaschine und schnallen uns gut an, um unseren Fußballhelden einen Besuch in ihrer Kindheit abzustatten.

Was wir gut finden:

  • Die Kampagne zeigt auf unterhaltsame und subtile Weise, wie lange es das Unternehmen schon gibt, und präsentiert sich somit als eine Marke, die so traditionsreich wie der deutsche Fußball ist.
  • Der Fernseher als Produkt passt sehr gut. Ist vor dem Fernseher nicht auch der Ort, an dem ein großer Teil der Deutschen die WM-Spiele verfolgen? Wie viele Träume von einer Fußballkarriere haben hier schon begonnen (und sind letztendlich an einem Übermaß an Fußballsnacks auch gescheitert)?
  • Die vielen verspielten und liebevollen Details geben einen Einblick in das frühere Leben der heutigen Fußballgrößen. Jürgen Klinsmann kommt aus der Nähe von Stuttgart und seine Eltern waren Bäcker – wer weiß, ob uns dieses „nutzlose Wissen“ nicht eines Tages bei „Wer wird Millionär“ helfen wird?
  • Fußballfans freuen sich über Zitate der Spieler und kleine Anspielungen auf Anekdoten der Fußballgeschichte.

Wo besteht noch Potenzial?

  • Für die Zukunftsperspektive im Jahre 2026 wurde der Bogen dann leider etwas überspannt und scheint einem Sci-Fi-Film der 90er entsprungen.
  • Wenn man schon einen Blick in die Zukunft wagen möchte, dann wäre auch eine Referenz auf den WM-Sieg von 2014 schön gewesen.
  • Leider beschränkt sich die Kampagne auf einige wenige Videos und wird nicht in den Social-Media-Kanälen gespielt. Hier hätte sich eine Verlängerung angeboten, beispielsweise mit einem Call-to-Action à la „Wo warst du damals…?“
  • Die schauspielerische Leistung ist in manchen Momenten nicht unbedingt weltmeisterlich.
  • Die Kampagne ist insgesamt sehr repetitiv. Auch wenn sie drei verschiedene Fußballspieler „besucht“, ist der Grundaufbau der einzelnen Kurzvideos immer gleich.
  • Es fehlt ein griffiger Claim, der der Kampagne einen roten Faden verleiht.

Fazit – Gut gezielt, aber nicht perfekt versenkt

Ein sportliches Großevent wie eine Fußball-WM ist stets eine gute Gelegenheit für  Marken, auch ihre Kampagnen unter wehende Fußballflaggen zu stellen. Auch Otto schließt sich der Euphorie an und versucht, auf der WM-Welle mitzuschwimmen. Die kleine Zeitreise in die weltmeisterlichen Jahre 1954, 1974 und 1990 ist dabei eine sehr schöne Idee und die Produktintegrationen funktionieren gut. Die einzelnen Spots sind sehr liebevoll und detailreich umgesetzt und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler. Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen, die mit der Kampagne wenig anfangen können: Zu wenige Pointen, zu viele Wiederholungen und keine Verlängerung in weitere Kanäle. Das Traumtor vom Elfmeterpunkt ist Otto mit der Zeitreise somit nicht geglückt – aber ein respektabler Spielzug in einem spannenden Match um die kreativsten Fußballkampagnen allemal.

Workshop

Storytelling Workshop Berlin

Beratung

Liam Kreutschmann