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August 14, 2018

Kampagnen-Check: die Stadt der Unversicherten

Quelle: Nürnberger Versicherung

Als 1848 die Nürnberger Versicherung gegründet wird, wollen auch die Einwohner vom benachbarten Nürnburg eine Versicherung haben. Leider geht das schief. Und so ist bis heute Nürnburg die Stadt ohne Versicherung. Während die benachbarten Nürnberger auf ihren Schutz vertrauten, wurden die Nürnburger immer vorsichtiger… Wie kann man sich so ein Leben vorstellen?

Genau dieses Gedankenspiel macht die Nürnberger Versicherung in ihrer aktuellen Kampagne. In einer dystopischen Momentaufnahme im Wes-Anderson-Look werden wir nach Nürnburg entführt – eine Stadt, in der Kaffee nicht warm, sondern gefährlich heiß ist, die Menschen im Alltag einen Helm tragen und die Männer einen Bart, weil auch das Rasieren mit großen Gefahren verbunden ist.

Die Nürnberger Versicherung versucht mit der neuen Kampagne, die Marke auch außerhalb der fränkischen Heimat zu stärken. Stand in den letzten Jahren vor allem die regionale Kommunikation im Vordergrund, soll nun die gesamte Bundesrepublik angesprochen werden. Die Spots laufen dabei nicht nur im Fernsehen – auch eine eigens eingerichtete Kampagnen-Webseite lädt dazu ein, Nürnburg zu besuchen, Hier gibt es nicht nur verschiedene Personenstorys über die Einwohner, sondern auch einen Onlineshop mit sicheren Produkten. Auf geht’s auf eine Reise in die Stadt der Unversicherten – es gibt viel zu entdecken!

Was wir gut finden:

  • Die skurrile, überspitze Darstellung der Nürnburger und ihrer Lebenssituation sorgt für den einen oder anderen Schmunzler.
  • Vor allem die Kampagnenseite bietet viele Details: Ein Onlineshop mit garantiert ungefährlichen Gebrauchsgegenständen, weitere kurze Videos und News aus der Stadt, Dabei gelingt der Link zur eigentlichen Homepage der Versicherung. Die Warnung: „Achtung, Sie verlassen Nürnburg“ kündigt den Wechsel zum eigentlichen Informationsportal der Nürnberger Versicherung an.
  • Der aufgeräumte, farblich und stilistisch klare Look der Videos erinnert an den Stil Wes Andersons. Statische Kameraperspektiven, Cremefarben und verliebte Details machen die Kurzfilme zu kleinen Kunstwerken.
  • Obwohl die Kampagne ganz Deutschland ansprechen will, verliert die Versicherung ihren regionalen Bezug nicht aus den Augen und geht spielerisch mit ihrer Nürnberger Verwurzelung
  • Die Story ist klar, die Geschichte konsequent erzählt. Jeder Spot spielt mit dem „Schicksal“ der Stadt und gibt immer wieder neue Perspektiven auf ein Problem, das immer gleich bleibt. Wahrscheinlich gäbe es noch Stoff für viele, viele weitere Geschichten und Situationen, in denen eine Versicherung viel wert sein könnte. Dies regt die Kreativität der Zuschauer an – unverweigerlich müssen wir an unser eigenes Leben denken und darüber reflektieren, wie gefährlich unser Alltag eigentlich ist.
Ein garantiert sicherer Onlineshop mit ungefährlichen Produkten.

Wo besteht noch Potenzial?

  • Die Geschichte ist einheitlich und zusammenhängend. Hierbei balanciert sie jedoch auf einem schmalen Grad, einerseits beim Thema zu bleiben, andererseits nicht allzu repetitiv zu werden. Die einzelnen kurzen Storys ähneln sich sehr und schnell denkt sich der Zuschauer: „Kenne ich einen Film, kenne ich alle.“
  • In den einzelnen Spots hätte man die Brücke zu verschiedenen Angeboten der Versicherung schlagen können. Dies würde gleichzeitig Abwechslung in die Story bringen.
  • Auch Social Media bietet sich an, um die Geschichte von Nürnburg zu erzählen. Dieses Potenzial bleibt leider ungenutzt. Facebook wird als reiner Weiterverbereitungskanal der Spots genutzt, auf Instagram hat die Story bislang keinen Platz gefunden. Das ist schade, vor allem hier hätte sich ein eigener Account für die Stadt angeboten – mit eigenem Content, um die Bewohner näher zu portraitieren, aktuellen Storys aus der Stadt oder weiteren Gimmicks.
  • Die Geschichte hätte man mit einer Perspektive auf die versicherten Nachbarn aus Nürnberg weiterdenken können. Führt die ungleiche Lebenssituation nicht auch zu Konflikten? Was denken die Nürnberger über ihre schrägen Nachbarn? Warum ziehen die Nürnburger nicht um? Mit dem Verhältnis der beiden Städte zueinander hätte man die Geschichte um einen spannenden Aspekt erweitert.

Fazit – Nürnburg hat es trotz einiger Kritikpunkte auf unsere Reiseliste geschafft

Mit Sicherheit – dieses Wortspiel sei gestattet – ist die Kampagne gelungen und sticht dank des Looks aus dem optischen Einheitsbrei der Fernsehwerbung heraus. Zusammen mit der Kampagnenseite hat die Nürnberger Versicherung ein kleines Kunstwerk geschaffen. Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt das ungenutzte Potenzial auf Social Media. Hier hätte man aus dem vorhandenen Material noch mehr herausholen können. Aber trotzdem: Wir halten unsere Reisepässe gezückt, um Nürnburg selbst einmal einen Besuch abzustatten. Unseren Erste-Hilfe-Kasten haben wir immer dabei und als Begrüßungsgeschenk bieten wir – natürlich – einen garantiert pollenfreien Plastikblumenstrauß.

Workshop

Storytelling Workshop Berlin

Beratung

Liam Kreutschmann
Das Nordlicht befindet sich bei den Mashies auf seiner Abenteuerreise durch die Welt der PR und des Storytellings. Volle Kraft voraus heißt es mit Tatendrang, Humor und einem Sinn für die kleinen Geschichten und Skurrilitäten des Alltags.