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Juni 11, 2019

„Geld ist für die Menschen da!“

Wie aus einer Schule eine nachhaltige Bank entstand

„Eine neue Waldorfschule muss her!“ Das dachte sich eine Gruppe von Eltern Ende der 60er-Jahre im Ruhrgebiet. Es fand sich jedoch keine Bank, welche die Finanzierung der Bildungsstätte übernehmen wollte. Aus dem Grund entschieden die Mütter und Väter kurzerhand, selbst für die Zahlung aufzukommen. Was als Einzelinitiative zum Wohl der eigenen Kinder galt, stellte sich als Anfang einer Entwicklung heraus, aus der die erste sozial-ökologische Bank der Welt entstehen sollte. Eine Reise, bei der die Skepsis gegenüber nachhaltiger Effizienz und der Balance zum wirtschaftlichen Erfolg, zu Höhen und Tiefen geführt hat. Doch immer mit der Vision im Blick: „Das Geld ist für die Menschen da, nicht umgekehrt!“

Villa in Langendreer, Rudolf Steiner Schule Bochum

Mann vor Windrad und Traktor

Die Kraft der Gemeinschaft – Von Nachbarn zu Gründern

Als erstes wurde ein Bürgschaftskredit für den Kauf einer Villa in Bochum aufgenommen, die noch heute Teil der Schule ist. Die Eltern bildeten daraufhin eine Leih- und Schenkgemeinschaft, bei der Bildung weiterhin im Fokus stand. Aus diesem Grund bauten sie nach einer gemeinnützigen Treuhandstelle zusätzlich einen Studienfonds auf. 1974 war es dann soweit: Es wurde das weltweit erste Geldhaus gegründet, das sozial ökologisch agiert – die GLS Bank. Sie versteht sich als Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken. Daher finanziert sie nachhaltige Unternehmer und bietet die Möglichkeit, Geld zu verschenken.

Gemeinschaft schreibt die GLS Bank groß. Das zeigt die Aussage einer der Gründer: „Kredite müssten auf der Parkbank vergeben werden.“ Denn das Verleihen von Geld stellt immer eine Form des Vertrauens dar, welches zwischen Menschen aufgebaut werden muss. So dürfe die Pflicht, das Geld zurückzuzahlen, nicht die menschliche Beziehung belasten oder zerrütten. Das ist auch heute noch das Ziel des Geldinstituts, weshalb es seinen Kunden immer aufzeigt, wo ihr Geld eingesetzt wird und wirkt.

Geld als soziales Gestaltungsmittel positionieren – Challenge accepted

Dass die Finanzbranche jedoch nicht den besten Ruf hat und auch Nachhaltigkeit in dem Bereich nicht immer sexy ist, dem würde so ziemlich jeder zustimmen. Die Vergabe von Krediten oder das Verschenken von Geld ist mit hohem Risiko verbunden und birgt auch für Öko-Finanzhäuser Grenzen. Nach zahlreichen Versuchen, die Mitglieder von Nachhaltigkeitsansätzen zu überzeugen, stießen sie immer wieder auf Skepsis und die Frage: „Wo ist da der Spaßfaktor?“ Daraus lernte die GLS Bank, einfache Nachrichten zu kommunizieren, die auf Anhieb den Mehrwert für die Kunden aufzeigen. So hat die Gemeinschaftsbank den Anspruch, den Klienten die Scheu zu nehmen und das Thema möglichst simpel darzustellen. Zum Beispiel durch den CO2 -Rechner: Jeder kann seine Klimabilanz berechnen und gleichzeitig ein Szenario erstellen, mit dem die Bilanz optimiert wird. Denn nur durch leicht umsetzbare Wege fühlt sich die Masse angesprochen und setzt diese auch um.

Futopo was? Mit innovativen Zukunftsbildern zum Erfolg!

Die Kunden möchten wissen, wo ihr Geld eingesetzt wird. Und die Zufriedenheit der Klienten hat oberste Priorität. Um dies zu erreichen, arbeitet das Kreditinstitut gemeinsam mit den Abnehmern Zukunftsbilder aus. Sie dienen als eine Art Checkliste, um die Wünsche der Mitglieder mit der positivsten möglichen Wirkung umzusetzen. Die Ergebnisse sprechen für sich selbst: Seit 2016 ist die GLS Bank im Fair Finance Guide vertreten und belegt dort die obersten Plätze. Sowohl extern als auch intern wird das Miteinander kontinuierlich gestärkt. Jan Köpper, Leiter der Abteilung Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit, berichtet von Futopolis. In der Community können sich Kunden, Mitglieder und Mitarbeiter verbinden, austauschen und gegenseitig unterstützen. Sozial-ökologische Bedürfnisse sowie Ideen sollen die Teilnehmer hier in Kontakt bringen, damit sie gemeinsam an einem Strang ziehen.

Bauckhöfe in der Lüneburger Heide

Mit dem Pferd zur Arbeit? Werte, die Kunden und Mitarbeiter verbinden

Während eines Montagstreffens in der Bank wurden z.B. Ansätze zur Einsparung von CO2 unter den Kollegen besprochen. Das Team diskutierte stark über Transportwege, über Ernährung und Büromaterialien. Was ist besser: Geschäftsreisen mit Bus oder Bahn? „Oder doch lieber mit dem Pferd?“, ruft ein Kollege Jan zu. Nicht nur der Umwelt, sondern auch den Tieren zuliebe macht die Ernährung in der Masse einen großen Unterschied. Letztlich berichtet Jan, dass es den Mitarbeitern am wichtigsten ist, die Routinen im Arbeitsalltag zu optimieren und das Bewusstsein zu schärfen. Hierfür müssen natürlich auch die Abteilungsleiter eingebunden werden. Darüber hinaus gilt wieder: Es werden aktiv alle Mitarbeiter einbezogen. Jeder kann sich einbringen.

Ein Lotse für die Hilfswerft – mit der nachhaltigen Bank die Wirtschaft voranbringen

Dass sich jeder einbringen kann, zeigt die GLS Bank auch durch ihre Unterstützung der Hilfswerft. Die soziale Organisation brachte das Poster „Die Nachhaltigen 222“ heraus, auf dem die effektvollsten Unternehmen in Deutschland aufgeführt sind. Das Plakat wird auf den sozialen Medien der Bank verbreitet. Im internen Kommunikationstool Lotse werden solche Projekte auch verkündet, und auch im Büro der GLS wurde es aufgehängt. Durch die Verbreitung und dem Multiplikator-Effekt verstärkt sich so im besten Fall das Bewusstsein für verantwortlichen Konsum in der Gesellschaft. Nähere Informationen zu dem Plakat, sowie Verkaufsstellen gibt die Hilfswerft hier. Somit können wir alle mit etwas Kleingeld zu einer sozial verträglichen Wirtschaft beisteuern und daran gewinnen.

Workshop

Storytelling Workshop Berlin

Beratung

Christina Schoof
Christina hat bereits mehrere Erfahrungen im Marketing sowohl im In- als auch im Ausland gemacht. Nach ihrer Zeit bei einem Startup erfüllt sie sich nun den langjährigen Wunsch, in das Agenturleben hinein zu schnuppern.