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Dezember 7, 2020

Wissen, wie es funktioniert: Mahsa Nedams Weg in die IT

Mahsa Nedam von Tech Storm im Porträt

Mahsa Nedam ist gerade einmal 20 Jahre alt, als sie ihr eigenes IT-Startup gründet. Als junge afghanische Frau scheint dies keine Selbstverständlichkeit zu sein. Ihr Heimatland ist gezeichnet von Kriegen und Krisen, vielen jungen Menschen fehlt die Perspektive. Wie Mahsa dennoch eine erfolgreiche Gründerin wurde und wie sie nun ihrer Gesellschaft helfen möchte, sich zu empowern, erzählt die Entrepreneurin im gemeinsamen Gespräch.

Doch fangen wir am Anfang an. Mahsa kommt aus Ghazni in Zentralafghanistan und ist von klein auf begeistert von Computern. Die Begeisterung hört jedoch nicht bei der Nutzung auf – vielmehr wird sie getrieben von dem Wunsch zu verstehen, wie sie funktionieren. Die Faszination für jede Art von neuen Technologien begleitet das junge Mädchen sowohl durch ihre Kindheit als auch durch die Schulzeit und schlägt sich nicht zuletzt in ihren Noten nieder. Wo ihr das Interesse für Kunst und Geschichte fehlten, kam jenes für Mathematik und Algorithmen umso mehr zum Vorschein. Schnell war also klar: Ihre Zukunft liegt in der Informatik!

Wissen ist Macht – und das eigene Startup der nächste logische Schritt?

Also lernte Mahsa. Schon während der High School lernte sie das Codieren in Online Kursen, verschlang Bücher und übte viele Stunden an ihrem Computer. Die Schulzeit ging zu Ende und was folgte war die Frage, die alle jungen Menschen in dieser Zeit umtreibt: Was hält die Zukunft für mich bereit? Sie entschied sich den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und Informatik zu studieren. Das Ziel: Eine gute App- und Software-Entwicklerin werden. Das wünschte sie sich für sich persönlich, aber auch für die Menschen in ihrem Land. Ihr Wissen und Talent wollte sie gerade ihnen zur Verfügung stellen und dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich davon profitieren würden. Hier begann der Wunsch nach einem eigenen Unternehmen zu reifen: Nur so, entschied sie, konnte sie sicherstellen, dass ihr Know-how und ihr Service öffentlich zugänglich sind und ihre Landsleute unterstützen können. Aus diesem Bedürfnis heraus entstand schließlich ihr Unternehmen Tech Storm, das sich mit Informations- und Kommunikationstechnik (ITK), besonders aber mit Webentwicklung, Programmierung und Networking beschäftigt.

Mahsa Nedam von Tech Storm

Quelle: Mahsa Nedam

„I can handle it!“ – Von Zweifeln und Empowerment

Natürlich drängt sich auch die Frage auf, wie der Fakt, dass Mahsa eine Frau ist, die eigene Unternehmensgründung beeinflusst hat. Denn das hat er, nur anders, als man es vielleicht erwartet. Zunächst sind da die Erinnerungen an die Kommilitonen, die selbst bereits ein Start-up gegründet haben. Und an manch einen männlichen Freund, der die junge Entrepreneurin gewarnt hat – vor der anstrengenden Arbeit und dem zusätzlichen Druck, dem sie als Frau ausgesetzt sein wird, wenn sie an ihrem Traum festhält. „Bist du sicher, dass du damit umgehen kannst?“. Mahsa war sich sicher. Sie sah die jungen Männer in der Uni, die Unternehmer, und wusste, dass sie es ihnen gleichtun konnte. Denn trotz der Zweifel: Nie hat die junge Afghanin geglaubt etwas nicht zu schaffen, nur, weil sie eine Frau ist. Das ist auch nicht, was ihre Eltern ihr beibrachten. Nämlich, dass sie alles schaffen kann. Und so verbannte sie die Negativität einiger Bekannter und ehemaliger Freunde aus ihrem Leben und suchte sich weitere Unterstützer. Diese fand sie im Founders Institute, in staatlicher Unterstützung für junge Frauen in der IT, guten Freunden und nicht zuletzt natürlich in ihrer Familie. Und das in vielen Fällen gerade weil sie eine weibliche Gründerin ist.

Zwei Worte: Planung und Mut

Nach fast drei Jahren Erfahrung in der Vorbereitung und Gründung eines eigenen Unternehmens, weiß Mahsa Nedam, worauf es ankommt. Anderen UnternehmerInnen rät sie daher besonders dazu, mutig zu sein. Denn die wichtigste Grundlage für ein eigenes Business ist eine gute Idee. Ist die da, geht es darum anzufangen! Denn es gibt immer Gründe zu warten, auf bessere Zeiten oder noch mehr Ideen, dass weiß die junge Frau aus eigener Erfahrung. Aber auch, dass die beste Zeit jetzt ist! Je länger ein Projekt aufgeschoben wird, umso größer ist die Gefahr, dass man das Interesse verliert. Außerdem sollten angehende GründerInnen sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen: Groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ähnliche Ideen hat. Da heißt es ganz einfach schneller zu sein. Das ersetzt natürlich nicht die ausführliche Planung. Doch wenn der Business-Plan steht und unterschiedliche Szenarien berücksichtigt wurden, hat Mahsa nur noch einen Rat: „Just go for it!“.

Ein Kind steht am Anfang einer großen Treppe

Quelle: Unsplash / Jukan Tateisi

Einfraubetrieb? – Vom Suchen und Finden der Mitarbeitenden

Jede und jeder von uns wird täglich durch unsere Umgebung und besonders durch uns nahestehenden Menschen beeinflusst. Wie sehr, das merken viele erst in Extremsituationen. Zum Beispiel während der Gründungsphase eines eigenen Unternehmens. Auch Mahsa hat das festgestellt und vom Beginn ihrer Reise zur Selbstständigkeit an großen Wert darauf gelegt, sich mit positiven und unterstützenden Menschen zu umgeben. Besonders bei der Auswahl ihres Teams waren Engagement, Motivation und eine positive Energie die Wichtigsten Kriterien. Denn: Nur, wenn alle die gleiche Vision haben und mit Begeisterung an die Arbeit gehen, kann ein echtes Team entstehen. Eines, dass nicht nur zusammen Erfolge feiert, sondern gerade auch die schwersten Zeiten gemeinsam meistert. Die Wahl hat sich die junge Unternehmerin daher nicht leicht gemacht. Doch unter ihren KommilitonInnen fand sie schließlich zwei zuverlässige Mitarbeitende, die sie seit Jahren kannte und deren Arbeit sie schätzte. Für Mahsa der Schlüssel für ein vertrauensvolles Miteinander.

Die Zukunft ist jetzt: Ein Aufruf an ihre Landsleute

Die Nachfrage nach InformatikerInnen und Menschen, die mit neuen Technologien umgehen können, steigt stetig. In naher Zukunft werden die meisten Berufsfelder digitalisiert sein und ComputerspezialistInnen gefragter denn je. Daher lohnt es sich schon heute, das Wissen in diesem Bereich zu vertiefen, um die eigene Zukunft, aber auch die der Gesellschaft, nachhaltig und positiv zu beeinflussen, weiß Mahsa Nedam. Ihren Landsleuten rät sie daher offizielle Angebote und Unterstützungen für junge GründerInnen anzunehmen. Durch einen guten Freund an der Uni wurde sich auf die Kurse von Startupistan aufmerksam und entschloss sich, selbst dieses Projekt zu unterstützen. Hier bekommen EntrepreneurInnen eine kostenlose und umfängliche Ausbildung in allen Feldern der IT und sind so bestens gerüstet für ihr eigenes Start-up. Mahsa möchte das besonders den Frauen ihrer Gesellschaft ans Herz legen: Noch immer ist die öffentliche Meinung in Afghanistan geprägt von der Vorstellung Männer könnten besser mit Computern umgehen, als Frauen. Bei der Vergabe von Projekten werden männliche IT-Spezialisten gegenüber ihren weiblichen Kolleginnen oft bevorzugt. Das soll sich nun ändern! Nicht nur für die Ermächtigung der Frau, sondern auch für die Entwicklung des ganzen Landes.

Wenn ihr Startupistan unterstützen wollt, dann schaut mal bei GoFundMe vorbei! Im Rahmen einer Spendenkampagne könnt ihr dem Team bei der Umsetzung ihrer wichtigen Projekte für junge Menschen in Afghanistan unter die Arme greifen.

Anna-Lina Pyrskalla
Wenn der Kopf raucht, findet Anna-Lina als begeisterte Geschichtenerzählerin und Yogini Ruhe und Kraft bei einem entspannenden Flow.

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Social Business, Tech