KI

KI im Mittelstand: Zwischen Zukunftschance und Kommunikationsaufgabe

Künstliche Intelligenz ist überall. In Nachrichten, auf Konferenzen, in LinkedIn-Posts. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Tools, bahnbrechende Entwicklungen oder warnende Stimmen. Für viele mittelständische Unternehmen wirkt dieser Hype wie eine ferne Realität – spannend, aber ungreifbar. Die tatsächliche Frage, die sich in Werkhallen, Büros und Produktionsstätten stellt, lautet: Was hat das mit uns zu tun?

Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Denn der Mittelstand denkt in Lösungen, nicht in Schlagzeilen. Hier zählen Verlässlichkeit, Prozesse, Qualität – statt Visionen von humanoiden Robotern oder vollautomatisierten Geschäftsmodellen. Gleichzeitig ist klar: Wer heute wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich mit neuen Technologien auseinandersetzen. Aber nicht kopflos, sondern mit dem richtigen Maß an Pragmatismus, Sinnhaftigkeit – und Kommunikation.

Bild: Canva

Brauche ich als Mittelständler KI?

„Künstliche Intelligenz ist weder Spielerei noch Science-Fiction. Was im Konzern als „Innovation Lab“ mit großem Budget angestoßen wird, muss im Mittelstand oft neben dem Tagesgeschäft stattfinden. Da bleibt wenig Raum für Experimente. Genau deshalb ist es wichtig, verständlich und realistisch über KI zu sprechen – nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck.“

– sagt Laurence Stroedter, PR-Expertin mit Fokus auf strategischer Kommunikation und Employer Branding für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Wenn ein Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz effizienter wird, Kund:innen besser betreuen kann oder Fachkräfte entlastet, dann ist das kein reines Technologie-, sondern auch ein Organisationsprojekt. Und jede dieser Veränderungen braucht Kommunikation. Nicht nur nach außen, um Kund:innen und Partner:innen zu zeigen, dass hier zukunftsfähig gedacht wird. Sondern vor allem nach innen – denn hier entscheidet sich, ob die Einführung von KI gelingt oder scheitert.

Welche Fehler sollten KMUs bei der Einführung von KI vermeiden?

Die technischen Möglichkeiten sind oft nicht das Problem. Die wahren Herausforderungen liegen in den Köpfen. Wer sich noch nie mit KI beschäftigt hat, fürchtet, von Maschinen ersetzt zu werden. Wer wenig Berührungspunkte mit digitalen Tools hat, fühlt sich schnell überfordert. Diese Sorgen sind nicht irrational – sie sind menschlich. Und genau hier braucht es Kommunikationsarbeit, die ernst nimmt, erklärt, beteiligt und Orientierung gibt.

Ein häufiger Fehler: Veränderungen werden zu spät oder gar nicht kommuniziert. Entscheidungen über neue Systeme werden im Management getroffen, ohne den Dialog mit denjenigen, die später damit arbeiten sollen. Das führt zu Ablehnung – nicht, weil die Technologie schlecht ist, sondern weil sie nicht richtig eingeführt wurde. Es geht also nicht nur darum, die Nutzung von KI anzufangen, sondern sie auch im Alltag sinnvoll nutzen zu können – mit der richtigen Geschichte, dem passenden Ton und einem offenen Ohr für Fragen und Zweifel.

Kommunikation als Schlüssel zur Akzeptanz – und zur Zukunftsfähigkeit

In unserer Arbeit mit mittelständischen Unternehmen erleben wir oft, wie groß der Unterschied ist, den gute Kommunikation machen kann. Wenn Mitarbeitende frühzeitig eingebunden werden; wenn verständlich erklärt wird, was eine KI leisten kann und was nicht; wenn klar wird, wie die Technologie konkret im Arbeitsalltag hilft – dann wird aus Skepsis Neugier. Aus Widerstand Beteiligung.

Und auch nach außen hat das Thema Relevanz. Denn wer sich mit KI auseinandersetzt, sendet ein Signal: Wir sind offen für Neues. Wir gestalten aktiv, statt nur zu reagieren. Das ist nicht nur für Kund:innen spannend, sondern auch für potenzielle Fachkräfte, die auf der Suche nach modernen, zukunftsfähigen Arbeitgebern sind. Dabei muss nicht jedes Unternehmen zum KI-Pionier werden. Es reicht, die eigene Haltung zu zeigen: Was bedeutet Fortschritt für uns? Wo setzen wir KI sinnvoll ein? Wie stellen wir sicher, dass Mensch und Maschine gut zusammenarbeiten? Genau diese Haltung lässt sich sichtbar machen – mit Content Marketing, PR, und im Employer Branding.

Die Kommunikation entscheidet, wie wir KI erleben

Technologischer Fortschritt löst oft zuerst Debatten aus, nicht gleich Lösungen. Gerade bei einem so weitreichenden Thema wie Künstlicher Intelligenz entstehen Spannungsfelder: zwischen Tempo und Verantwortung, zwischen Automatisierung und Menschlichkeit, zwischen Chancen und Ängsten. Kommunikation spielt dabei eine entscheidende Rolle – nicht als Begleiterscheinung, sondern als aktive Gestaltungskraft. Wie wir über KI sprechen, prägt, wie wir sie einsetzen. Sprache kann Barriere stärken – oder verbinden. Sie kann blenden – oder Orientierung geben. Sie kann Unsicherheit verstärken – oder Vertrauen schaffen. Deshalb braucht es nicht nur Regeln für den Umgang mit Technologie, sondern auch Prinzipien für ihre kommunikative Vermittlung.

In unserem KI-Manifest formulieren wir genau solche Prinzipien: Dass KI nicht verklärt, sondern verständlich gemacht werden sollte. Dass Verantwortung vor Effizienz geht. Und dass wir Narrative schaffen müssen, die Menschen nicht aufgrund von Biases ausschließen, sondern einladen, den Wandel mitzugestalten. Denn ob KI im Mittelstand zu einer Erfolgsgeschichte wird, hängt nicht allein vom Einsatz kluger Software ab – sondern auch davon, wie wir ihre Geschichte erzählen.

FAQ: KI im Mittelstand

1. Wie kann der Mittelstand Künstliche Intelligenz einsetzen?

KI unterstützt bei klaren Anwendungsfällen wie automatisierter Dokumentenverarbeitung, Kundenservice, Produktionsoptimierung oder Recruiting. Entscheidend ist ein konkreter Nutzen: effizientere Prozesse, Entlastung von Fachkräften und bessere Datenanalysen.

2. Was sind die größten Herausforderungen bei KI-Projekten?

Meist geht es nicht um Technik, sondern um Akzeptanz. Unsicherheit, Datenschutzfragen und fehlende Einbindung der Mitarbeitenden bremsen Projekte. Transparente Kommunikation ist daher zentral.

3. Warum ist Kommunikation bei der Einführung von KI so wichtig?

KI verändert Arbeitsabläufe. Wer frühzeitig erklärt, beteiligt und Fragen ernst nimmt, schafft Vertrauen. Ohne Dialog entstehen Widerstände – nicht wegen der Technologie, sondern wegen fehlender Orientierung.

4. Ist KI auch für kleine und mittlere Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll

Ja, wenn sie strategisch eingesetzt wird. Viele KI-Lösungen sind skalierbar und bezahlbar. Wichtig sind klare Ziele, ein realistisches Budget und ein schrittweises Vorgehen.

5. Wie sollten mittelständische Unternehmen KI nach außen darstellen?

Authentisch und praxisnah. Statt Buzzwords zählen konkrete Beispiele: Wo hilft KI im Alltag? Welchen Mehrwert bietet sie Kund:innen und Mitarbeitenden? Transparenz stärkt Vertrauen und Arbeitgebermarke

Fazit: KI im Mittelstand beginnt mit Sprache

Am Ende ist KI kein rein technologisches Thema. Es ist ein kulturelles, ein menschliches, ein kommunikatives. Die beste KI nützt nichts, wenn sie nicht verstanden, akzeptiert und mitgetragen wird. Und genau da liegt die Chance: Wenn mittelständische Unternehmen ihre Nähe zu den Menschen, ihre Bodenständigkeit und ihren Fokus auf das Konkrete in den Vordergrund stellen, können sie damit ihre Zukunftsgeschichte authentisch vermitteln. Denn echte Innovation entsteht nicht im Rechenzentrum, sondern im Dialog. 

Interessiert an weiteren Tipps über Kommunikation für mittelständische Unternehmen? Unsere Senior-Beraterin und Teamlead Manja erklärt in diesem Blogpost, wie Storytelling für KMUs funktioniert.

Laurence Stroedter

Laurence Stroedter ist PR-Expertin mit einem Fokus auf strategischer Kommunikation und Employer Branding für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Ob Sichtbarkeit in Fachmedien oder die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber: Sie entwickelt Konzepte, die authentisch sind, Orientierung geben und nachhaltig wirken.

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