Am 8. Februar ist es wieder so weit: Der Super Bowl LX übernimmt die Bildschirme. In diesem Jahr findet das Spektakel vor einer Kulisse statt, die politisch und gesellschaftlich durchaus angespannt ist, in der selbst die Wahl der Musik-Acts (von Bad Bunny bis Green Day) zur Zielscheibe präsidialer Kritik wird. Ein Umstand, der auch an der Werbewelt nicht spurlos vorbeigeht. Doch während die Schlagzeilen oft schwer wiegen, setzen viele Marken bewusst auf den „Escape“-Faktor: Reines Entertainment, schriller Humor und ganz viel Star-Power sollen für einen Moment für Ablenkung sorgen.
Obwohl die ganz großen 60-Sekünder meist bis zum Spieltag unter Verschluss bleiben, brodelt die Gerüchteküche bereits gewaltig. Die ersten Teaser sind gelandet und zeigen deutlich: Von tiefgründiger Schwarz-Weiß-Ästhetik bis hin zu völlig absurdem Slapstick ist alles dabei. Wir haben für euch die ersten Highlights (und die ersten Fragezeichen) unter die Lupe genommen.
Hinweis: Die Werbewelt schläft nicht! Wir aktualisieren diese alphabetische Übersicht laufend, sobald neue Clips eintrudeln
Nach einem unbranded Teaser auf Social Media ist das Geheimnis gelüftet: Starkoch Guy Fieri kehrt für Bosch zum Super Bowl zurück. In einem radikalen Clip verabschiedet sich Fieri von seinem Markenzeichen, den blondierten Stachelhaaren und dem ikonischen Ziegenbart. Wenn es denn nicht nur beim Teaser bleibt: Die Reduzierung eines so schrillen Charakters auf das Gewöhnliche passt perfekt zum bodenständigen Markenimage von Bosch.
In seinem mittlerweile vierten Jahr als inoffizielles Gesicht von Dunkin’ setzt Oscar-Preisträger Ben Affleck auf eine neue Geheimwaffe: Cringe. Unter dem Motto „Golden Cringe“ pitcht Affleck in den aktuellen Teasern eine mysteriöse VHS-Kassette aus dem Jahr 1995. Das Highlight? Seine Testzuschauer sind keine Geringeren als die Friends-Legenden Jennifer Aniston und Matt LeBlanc sowie Seinfeld-Star Jason Alexander. Aniston fleht ihn an, das Material niemals zu zeigen, während Affleck stolz verkündet, dass „Cringe“ das neue Gold sei. Dunkin’ beweist hier erneut ein perfektes Händchen für serielles Storytelling: Nach dem „DunKings“-Boyband-Hype der Vorjahre nutzt die Marke nun die geballte Ladung 90er-Nostalgie und Afflecks unnachahmliche Fähigkeit zur Selbstironie. Ein genialer Tease, der die Erwartungen für den 8. Februar extrem hochschraubt, ohne auch nur ein Detail der eigentlichen Werbung zu verraten.
Kendall Jenner deutet an, dass ihr luxuriöses Leben mit Privatjets und Oldtimern eigentlich durch gewonnene Wetten gegen ihre Vergangenen finanziert wurde – natürlich platziert über das Fanatics Sportsbook. Durch den spielerischen Umgang mit Klatsch-Themen und Social-Media-Memes schafft es die Marke, das oft trocken präsentierte Thema Sportwetten in lockeres Mainstream-Entertainment zu verwandeln.
Hellmann’s setzt bei seinem sechsten Super-Bowl-Auftritt in Folge voll auf musikalischen Wahnsinn. In einer lebhaften Deli-Kulisse schlüpft Comedy-Star Andy Samberg in die Rolle von „Meal Diamond“ – einer Neil-Diamond-Parodie –, um mit dem Ohrwurm „Sweet Sandwich Time“ eine leidenschaftliche Ode an die Mayonnaise zu schmettern. Nach dem nostalgischen Erfolg des Vorjahres schlägt Hellmann’s dieses Mal einen lauteren, alberneren Weg ein. Das Ziel ist klar: Ein Song, der hängen bleibt, und ein Clip, der Appetit auf den nächsten Halbzeit-Snack macht.
Im Spot für den neuen PALISADE Hybrid schlüpft John Krasinski (passend zu seinen Rollen als Jack Ryan) in die Rolle des Action-Helden, der sich souverän durch ein Chaos aus Motorrad-Gangs, Schurken auf Speedbooten und bedrohlichen Hubschraubern manövriert. Die Botschaft: Wer in diesem SUV mit drei Sitzreihen und Nappa-Leder am Steuer sitzt, ist automatisch der „Main Character“ – selbst wenn die einzige Gefahr eigentlich nur der Berufsverkehr ist. Hyundai setzt hier auf die klassische Super-Bowl-Formel: Ein sympathischer A-Lister, High-End-Special-Effects und eine Prise Selbstironie. Ein technisch beeindruckender Spot, der beweist, dass Familienkutschen alles andere als langweilig sein müssen.
Instacart setzt dieses Jahr auf eine Paarung, die man so wohl nicht auf dem Zettel hatte: Comedy-Legende Ben Stiller trifft auf Pop-Sensation Benson Boone. Der Lebensmittel-Lieferdienst hat zwei 30-sekündige Teaser veröffentlicht, die vor allem eines sind: herrlich albern. In bester Slapstick-Manier und mit einem Look, der sofort Erinnerungen an Stillers Kultrollen in Voll auf die Nüsse (Dodgeball) weckt, präsentieren sich die beiden in offenherzigen Satin-Anzügen und mit gewöhnungsbedürftigen Akzenten. Ein amüsanter Vorgeschmack, der zeigt, dass Instacart beim diesjährigen Super Bowl voll auf den Retro-Faktor und eine ordentliche Portion Selbstironie setzt.
Pepsi lässt die Katze – oder besser gesagt: den Bären – aus dem Sack. Was im Teaser als frecher Diebstahl eines Maskottchens begann, entpuppt sich im fertigen Spot als waschechte Identitätskrise. Wir sehen den ikonischen Polarbären (eine unmissverständliche Spitze gegen Coca-Cola), wie er im Geschmackstest zur Pepsi-Dose greift und dadurch in eine Identitätskrise rutscht. Der Verrat am Erzrivalen gerät in eine ähnlich überdrehte Situation, die den Zuschauer direkt in die aktuelle Meme-Kultur katapultiert.
Dass Humor und Gesundheit kein Widerspruch sein müssen, beweist Pharma-Riese Novartis mit einem der wohl cleversten Wortspiele des diesjährigen Super Bowls. In „Relax your tight end“ nutzt die Marke die Football-Terminologie für eine charmante, aber messerscharfe Botschaft zur Prostatakrebs-Vorsorge. Die Entwarnung folgt sofort: Screening beginnt heute mit einem einfachen PSA-Bluttest. Novartis schafft es hier, die typische Super-Bowl-Macho-Atmosphäre aufzubrechen und ein Tabuthema mit einem Augenzwinkern mitten in die Wohnzimmer zu bringen. Im Gegensatz zu flachen Kalauern hat dieses Wortspiel eine echte Funktion: Es nimmt die Spannung aus einem ernsten Thema und liefert einen echten Mehrwert für die (männliche) Zielgruppe.
Für ihren allerersten Super-Bowl-Spot hat sich Sabrina Carpenter mit Pringles zusammengetan und beweist, dass man auch mit salzigen Snacks Romantik versprühen kann. In einem ersten Clip sehen wir die Pop-Ikone beim wohl knusprigsten Orakel der Welt: Statt an einer Blume zupft sie an einer Rose aus Pringles-Chips. „Er liebt mich, er liebt mich nicht…“ – eine charmante, augenzwinkernde Performance, die perfekt zu Sabrinas aktuellem „It-Girl“-Status passt.
Es ist das erste Mal, dass der Immobilien-Riese Redfin beim Big Game auftritt und dabei die Brücke vom Hauskauf zum echten „Zuhause“-Gefühl schlägt. Mit Lady Gagas stimmlicher Wucht und einer ordentlichen Portion Nostalgie positioniert sich der Spot als emotionales Herzstück der diesjährigen Werbepause – ein starker Kontrast zu den sonst eher schrillen Clips und dem Subtext der aktuellen Geschehnisse in den USA.
Squarespace inszeniert die Kampagne wie den Start eines Arthouse-Blockbusters, inklusive passender Filmplakate und einem orchestralen Soundtrack. Damit setzt die Marke ein deutliches Zeichen gegen das übliche bunte Werbe-Spektakel und setzt stattdessen auf filmische Gravitas. Es ist das erste Mal, dass Stone in einem Super-Bowl-Spot zu sehen ist, und die Kombination aus ihrem schauspielerischen Talent und Lanthimos’ unverwechselbarem Stil verspricht eines der visuell beeindruckendsten Highlights am 8. Februar zu werden.
Bud Light versucht es dieses Jahr mit der Brechstange: Man nehme NFL-Legende Peyton Manning, Chart-Stürmer Post Malone und Comedian Shane Gillis, werfe sie in ein Auto und hoffe, dass die Chemie allein den Spot rettet. Die Handlung? Es wird getrommelt, über Hochzeitsreden philosophiert und zu Limp Bizkit gegrölt. Was als hilfloses Chaos charmant gemeint ist, wirkt am Ende leider genau so: planlos.
Nach Jahren des Experimentierens kehrt Budweiser zu einer bewährten Formel zurück: Emotionen durch Tiere, große orchestrale Bilder und ein Fokus auf Tradition. Ein Paradebeispiel für „Comfort Marketing“ – Die YouTube-Kommentare quellen mit USA-Flaggen und verdächtig ähnlich klingenden Gefühlsbekundungen über. Es mag der kulturellen Außenansicht geschuldet sein, aber amerikanische Kitsch-Symbolik zieht bei uns dieses Mal nicht.
Kellogg’s setzt alles auf eine Karte: den Namen von Sci-Fi-Legende William Shatner. In „Will Shat“ wird der 94-jährige Star zum „Bran Ambassador“. Die Mission? Amerika nach dem sündigen Game-Day-Food mit Ballaststoffen zu retten. Als Mutter eines sechsjährigen Sohnes bin ich Toilettenhumor nicht abgeneigt. Aber – ob Shatner im Raumschiff, an der Bar oder auf einem Autodach – der Gag bleibt immer derselbe. Sicher, Shatner spielt das mit seiner typischen Deadpan-Eleganz und einer bewundernswerten Selbstironie, doch am Ende bleibt die Frage: Reicht ein einziger „Bathroom-Pun“ wirklich aus, um zwischen all den kreativen Giganten zu bestehen?
Starbucks setzt für den Super Bowl LX auf die ganz großen Gefühle und lässt die Beatles den Soundtrack für eine herzerwärmende Montage liefern. Unter dem Motto „All Together Now“ inszeniert sich die Kette als der ultimative Ort der Begegnung, an dem Gemeinschaft und das gemütliche Miteinander im Mittelpunkt stehen. Ein visuelles Wohlfühlpaket, das uns glauben lassen will, das Café um die Ecke sei noch immer das gemütliche „Wohnzimmer“ der Nachbarschaft. Doch hinter der nostalgischen Fassade und den fröhlichen Gesichtern verbirgt sich eine bittere Ironie. Während die Werbung das „Zusammensein“ zelebriert, erinnert die Realität in den Filialen immer häufiger an optimierte Logistikzentren. Zwischen Mobile-Ordering-Hektik, anonymen Abholstationen und dem Fokus auf maximalen Durchsatz bleibt von der besungenen Community-Atmosphäre wenig übrig.
Lies auf Meedia Miriams Beitrag zum Super Bowl 2024 oder hier eine kurze Zusammenfassung, wenn du keinen Plus-Zugang hast.
Januar ist selten der Monat für große Gesten. Eher für die kleinen Dinge, die hängen…
Wie funktioniert Employer Branding bei TikTok? Aktuelle Beispiele und Tipps, wie ein erfolgreicher Auftritt als…
Wir befinden uns in einer Ära des Umbruchs. Für die Trends 2026 kristallisiert sich eine…
Beim Tourismustag Schleswig-Holstein 2025 war Storytelling-Beraterin Julia Beyer eingeladen, einen Einblick in die Welt von…
Ob Symptome, Nebenwirkungen oder Therapieformen – viele Menschen suchen medizinische Informationen heute nicht mehr über…
Die stärksten Storytelling-Kampagnen im November 2025: Von der emotionalen Telekom-Story „The Message“ über nostalgische Weihnachtsmomente…