Communications – PR, Content, Redaktion

Storytelling schlägt Prompting: Wie Corporate Influencer mit – und trotz – KI wirklich sichtbar werden

Vom Content-Überfluss zur Bedeutungsfrage

LinkedIn ist voll. Voll mit guten Texten. Voll mit klugen Gedanken. Voll mit Menschen, die offenbar alle die gleichen fünf Learnings aus der gleichen Woche hatten.

Und das ist kein Zufall. KI hat Content demokratisiert. Jeder kann heute schreiben. Schnell. Strukturiert. Fehlerfrei noch dazu. Was früher Stunden gedauert hat, erledigt jetzt ein Prompt in Sekunden.

Das Problem: Genau so fühlt es sich auch an. Der Feed ist effizient geworden, aber nicht relevanter. Er ist glatt, aber selten erinnerbar.

Content ist kein knappes Gut mehr, Aufmerksamkeit schon. So verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht mehr wer postet wie viel zu welchem Thema? sondern wer hat wirklich etwas zu erzählen? Oder anders gesagt – es geht nicht mehr nur um Inhalt. Es geht um Bedeutung.

Das eigentliche Problem: KI skaliert Content – aber auch Austauschbarkeit

“Was wir aktuell auf LinkedIn beobachten, ist kein Qualitätsproblem im klassischen Sinne. Im Gegenteil: Viele Inhalte sind heute besser formuliert als noch vor wenigen Jahren oder Monaten”,

sagt Jennifer Nürnberger, Senior-Beraterin für Storytelling auf Social Media und in der PR bei Mashup Communications.

Das eigentliche Problem liegt woanders. Denn KI kann Content zwar optimieren, strukturieren und Narrative reproduzieren, schafft jedoch keine neuen Ideen oder eigene Gedanken und Meinungen. Das führt zu einem Effekt, der im Feed spürbar wird: Inhalte sind korrekt, aber selten überraschend. Klar, aber selten prägnant. Und genau deshalb austauschbar. Wenn alles gut formuliert ist, wird das Persönliche zum entscheidenden Unterschied. Oder konkreter: die Perspektive, die Geschichte und die Emotionen, die wir beim Lesenden wecken.

Warum Corporate Influencer jetzt eine neue Rolle bekommen

Corporate Influencer waren lange ein Add-on zur klassischen Kommunikation. Persönlicher, nahbarer, ein bisschen weniger „Corporate“. Heute reicht das nicht mehr. Denn wenn Content jederzeit produziert werden kann, verändert sich die Erwartungshaltung. Reichweite entsteht nicht mehr durch Aktivität allein, sondern durch Relevanz. Corporate Influencer werden damit zu mehr als nur Absender:innen. Sie werden zu Übersetzer:innen. Sie ordnen Themen ein, geben ihnen Kontext und machen sie für andere anschlussfähig. Genau das ist es, was Storytelling leisten kann: Fachwissen in Geschichten übersetzen und ihnen Bedeutung verleihen.

Storytelling als Differenzierungsfaktor

Storytelling wird in diesem Kontext oft missverstanden.

„Es geht nicht darum, Inhalte „schöner“ zu erzählen oder künstlich emotional aufzuladen. Es geht darum, sie anschlussfähig zu machen”,

sagt Jennifer Nürnberger, Senior-Beraterin für Storytelling auf Social Media und in der PR bei Mashup Communications.

Gute Beiträge starten deshalb selten mit einer These. Sondern mit einer Beobachtung aus dem echten Leben, einer starken Hook. Dieser Unterschied ist klein, aber wirksam. Storytelling übersetzt hierbei abstrakte Themen in konkrete Situationen, Gedankenwege oder Erfahrungen und macht sie dadurch erinnerbar.

Die Rolle von KI im Storytelling: Werkzeug statt Ersatz

KI kann genau hier unterstützen – aber eben nicht ersetzen.

Sie hilft dabei,

  • Gedanken zu strukturieren
  • Argumente zu schärfen
  • unterschiedliche Perspektiven durchzuspielen

Was sie nicht leisten kann:

  • Erfahrungen erzeugen
  • Erlebnisse erinnern
  • eigene Gedanken und Meinungen bilden

Doch genau diese Elemente sind es, die aus einem beliebigen Inhalt eine Geschichte machen. KI ist damit kein Ersatz für Storytelling, sondern ein Werkzeug dafür. Sogar ein gutes – solange klar ist, wo ihre Grenzen liegen.

Ein sinnvoller Workflow mit KI im Storytelling könnte so aussehen:

  • Eigene Erfahrung notieren (roh, unstrukturiert)
  • KI nutzen, um Struktur oder Dramaturgie vorzuschlagen
  • Text wieder personalisieren und zuspitzen

Best Practices: Corporate Influencer auf LinkedIn

Ein Blick auf erfolgreiche Profile zeigt, dass Reichweite selten zufällig entsteht, sondern aus wiederkehrenden Erzählmustern sowie Posts und Storys mit Persönlichkeit.

Teresa Bücker: Relevanz durch Meinung

Teresa Bücker verbindet wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen mit einer klaren feministischen Perspektive. Ihre Beiträge funktionieren nicht, weil sie versuchen, allen zu gefallen, sondern weil sie bewusst Position bezieht – etwa zu Care-Arbeit, Gleichberechtigung oder neuen Arbeitsmodellen. Das schafft Reibung – und genau dadurch Relevanz, weil ihre Inhalte nicht nur informieren, sondern Debatten anstoßen.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.linkedin.com zu laden.

Inhalt laden

Caroline Renée Kroll: Relevanz durch persönliche Einblicke

Caroline Kroll vereint unternehmerische Themen mit persönlichen Perspektiven. Ihre Beiträge kommen besonders gut an, weil sie mehrere Ebenen gleichzeitig ansprechen: Business, Alltag, Verantwortung. Das erzeugt Verbundenheit – ohne an Relevanz zu verlieren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.linkedin.com zu laden.

Inhalt laden

Verena Pausder: Relevanz durch Einordnung größerer Zusammenhänge

Verena Pausder steht für Unternehmertum, Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung. Auf LinkedIn nutzt sie ihre Perspektive nicht nur, um eigene Erfahrungen zu teilen, sondern um Debatten einzuordnen: Was braucht Bildung? Wie bleibt Wirtschaft zukunftsfähig? Welche Rolle spielen Gründer:innen in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen? Genau darin liegt ihre Stärke. Ihre Inhalte bleiben nicht beim persönlichen Erlebnis stehen, sondern schlagen die Brücke zu größeren Fragen. So entsteht Relevanz, weil Storytelling hier nicht nur authentisch wirkt, sondern Orientierung gibt.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.linkedin.com zu laden.

Inhalt laden

Corporate Influencer im B2B-Alltag

Gerade im B2B entsteht Relevanz oft nicht durch große Geschichten, sondern durch kleine Einblicke. Vor allem auf LinkedIn teilen Menschen Insights in Projekte, Entscheidungsprozesse oder auch in Dinge, die nicht funktioniert haben.

Dabei sind die erfolgreichsten Beiträge keine perfekt inszenierten Geschichten, sondern ehrliche Einblicke. Das stellt sofort eine Verbindung her, da sich die Leserschaft mit unperfekten Momentaufnahmen oder ehrlichen Learnings besser identifizieren kann als mit makellosen Werbepostings.

Wie ihr auf LinkedIn mit Storytelling punkten könnt, erfahrt ihr in diesem Beitrag:

Was Unternehmen daraus lernen können

Corporate Influencing ist mittlerweile einer der stärksten Owned-Media-Kanäle, die ein Unternehmen bedienen kann. Doch es bedarf Fingerspitzengefühl und Vertrauen, denn wer versucht, Inhalte vollständig zu kontrollieren, verhindert genau das, was sie wirksam macht: individuelle Perspektiven und Authentizität.

Das bedeutet nicht, auf Strategie zu verzichten. Im Gegenteil. Storytelling ist oft der sichtbarste Ausdruck einer klaren Positionierung. Für Unternehmen heißt das vor allem, den Rahmen zu schaffen, in dem relevante Geschichten entstehen können.

“Das kann konkret bedeuten, keine fertigen Post-Vorlagen vorzugeben, sondern stattdessen Themenräume zu definieren und Mitarbeitenden zuzutrauen, ihre eigene Perspektive zu entwickeln”,

empfiehlt Jennifer Nürnberger, Senior-Beraterin für Storytelling auf Social Media und in der PR bei Mashup Communications.

Oder einfach: Nicht mehr entscheiden, was gesagt wird. Sondern ermöglichen, dass etwas gesagt wird.

Fazit: Sichtbarkeit entsteht dort, wo Geschichten Bedeutung schaffen

KI wird bleiben. Und sie wird die Contenterstellung vereinfachen. Genau deshalb verschiebt sich der Wettbewerb, weg von hauptsache posten zu authentische Einblicke teilen. Wenn alle veröffentlichen können, gewinnt nicht mehr der oder die Schnellste, sondern der oder die Relevanteste. Und Relevanz entsteht nicht durch bessere Formulierungen, sondern durch gute Geschichten! Die eigentliche Herausforderung ist nicht mehr, sichtbar zu werden, sondern erinnerbar zu bleiben.

Welche Geschichte erzählt ihr – und wer erzählt sie bei euch?

FAQ

Welche Rolle spielt KI im LinkedIn-Storytelling?

KI unterstützt bei Struktur und Formulierung, kann aber keine eigenen Erfahrungen oder Meinungen ersetzen.

Was macht einen LinkedIn-Post heute erfolgreich?

Erfolgreiche Posts basieren auf klarer Haltung, persönlichen Einblicken und relevanten Perspektiven.

Warum ist Storytelling im B2B wichtiger denn je?

Weil es komplexe Inhalte greifbar macht und für echte Wiedererkennbarkeit sorgt.

Wie bleiben Inhalte im überfüllten Feed sichtbar?

Durch authentische Geschichten statt generischer, perfektionierter Standard-Posts.

Jennifer Nürnberger

Jennifer Nürnberger ist Expertin für PR und Social Media mit einem Fokus auf Brand Storytelling und digitale Kommunikationsstrategien. In der PR-Beratung wie auch in Webinaren und Workshops entwickelt sie gemeinsam mit Unternehmen Inhalte, die ihre Botschaften authentisch sichtbar machen und Zielgruppen mit Leichtigkeit erreichen.

Recent Posts

LinkedIn in der Baubranche: Wie CEOs mit Storytelling Führung sichtbar machen

Die Baubranche steht unter Spannung. Projekte werden größer, Anforderungen komplexer, Erwartungen öffentlicher. Gleichzeitig wächst der…

1 Woche ago

Synthetische Krisenkommunikation – Wenn Haltung für die KI zum Reputationsrisiko wird

Stellt euch vor, ihr investiert jahrelang in eine Unternehmenskultur, die sich radikal vom Branchenstandard abhebt.…

2 Wochen ago

Top 5 Medien für Digital B2B – Orientierung in einer komplexen digitalen Wirtschaft

Wir stellen euch fünf Medien vor, die im Digital B2B Kosmos nicht fehlen dürfen. Ob…

2 Wochen ago

Von Jobsuche bis Jonze: Die stärksten Storytelling-Kampagnen im April

Die besten Storytelling-Kampagnen im April verbindet weniger ihr Thema als ihr klarer Perspektivwechsel: Missing People,…

3 Wochen ago

Zwischen Beratung und Berufung: Laurence Mashie-Story

In ihrer Mashie-Story gibt Laurence persönliche Einblicke über ihren Job bei Mashup und ihr Engagement…

3 Wochen ago

Die Heldenreise von Karls: Vom Erdbeerhof zum Erlebnisdorf

Die 105-jährige Unternehmensgeschichte von Karls ist eine echte Familiensaga, mit zahlreichen Kapiteln voller Krisen, Neuanfängen…

4 Wochen ago