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Eine Jacke, die 20 Jahre hält, ist nur ein Produkt. Eine Jacke, die 20 Jahre lang Geschichten sammelt, ist eine Marke. Genau darin liegt das Geheimnis, warum The North Face seit sechs Jahrzehnten nicht nur Outdoor-Ausrüstung verkauft, sondern eine der stärksten Brand Stories der Branche erzählt.
Es gibt an fast jedem Berg eine Seite, die als die härteste gilt: kälter, steiler, unberechenbarer. Im Bergsteiger-Jargon heißt sie „the north face“ – die Nordwand. 1966 entschied sich ein kleines Unternehmen aus San Francisco, genau diesen Namen zu tragen. Dass dies kein Zufall ist, zeigt sich bereits in ihrer Kernbotschaft:
“The North Face, benannt nach der anspruchsvollsten Flanke eines Berges, rüstet seit 1966 Entdecker aus, um ihre Träume zu verwirklichen. Angetrieben vom Mantra „Never Stop Exploring™“ inspirieren unsere Expeditionen, die Grenzen von Leistung und Möglichkeiten zu verschieben.”
60 Jahre später steht The North Face für eine der konsequentesten Markenerzählungen überhaupt. Grund genug für uns, das Storytelling der Brand genauer zu beleuchten. Denn kaum eine Marke zeigt so klar, wie aus einem Produktversprechen eine jahrzehntelange Geschichte wird.
Der Claim „Never Stop Exploring“ ist mehr als ein Slogan. Er funktioniert wie eine narrative Klammer, die sich durch alle Kampagnen der letzten Jahrzehnte zieht. Dabei wird nie das Produkt ins Zentrum der Erzählung gestellt, sondern immer die Menschen, die mit ihm die Grenzen des Möglichen austesten. The North Face hat sich damit bereits früh für eine Storytelling-Strategie entschieden, die viele Marken erst heute für sich entdecken: Die Kund:innen sind die eigentlichen Held:innen der Unternehmensgeschichte.
Mit der Kampagne „It’s More Than a Jacket“ stellte The North Face 2022 eine ungewöhnliche Frage: Was haben die Träger:innen mit ihrem Kleidungsstück erlebt? Athlet:innen wie Alex Honnold, Jimmy Chin oder Ingrid Backstrom, aber auch ganz normale Kund:innen erzählten unter dem Hashtag #MoreThanAJacket persönliche Geschichten über ihre Abenteuer, Reisen, aber auch ihre Verluste und besonderen Erinnerungen.
Gemeinsam mit dem San Francisco Museum of Modern Art entstand daraus sogar ein Archiv, mehr als 6.200 Social Posts wurden gezählt. Das Prinzip dahinter: Aus Langlebigkeit wird Erinnerung, aus einem Kleidungsstück ein Stück eigener Biografie. Und aus Brand Storytelling wurde Community Storytelling. Die Marke gab nur noch den Rahmen vor, erzählt haben die Menschen selbst.
2018 launchte The North Face mit „Move Mountains“ seine erste globale Kampagne für Frauen, mit Protagonistinnen wie der Kletterin Ashima Shiraishi, der Bergsteigerin Hilaree Nelson oder der Musikerin M.I.A. Das eigentlich Interessante daran ist eine stille Neudefinition: Exploration bedeutet nicht länger nur Gipfel und Extremsport. Vielmehr geht es um das Verschieben von Grenzen – ob am Berg, gesellschaftlich oder kreativ. Eine Marke muss ihren Purpose also nicht ständig neu erfinden. Sie kann stattdessen immer wieder bestimmen, wer innerhalb dieser Geschichte Heldin oder Held sein darf.
Die Reihe „Never Stop Her“ erzählt die Athletinnen-Geschichten bewusst aus einer anderen Perspektive. Die britische Kletterin Molly Thompson-Smith wird mit ihren Verletzungen und Rückschlägen gezeigt statt nur mit ihren Siegen. Das Narrativ lautet: Scheitern ist Teil des Weges. Häufig folgt The North Face dabei einer kleinen Heldenreise: Ambition, Hindernis, Rückschlag, Erkenntnis, neues Ziel. Ganz in Storytelling-Logik tritt die Marke selbst kaum als Produkt auf, sondern als Begleiterin auf dieser Reise.
2017 machte die Kampagne „Walls Are Meant For Climbing“ aus einem einfachen Bild ein weltweites Community-Ereignis. Die Doppeldeutigkeit macht den Reiz aus: Eine Wand ist ein physisches Hindernis, und zugleich eine Metapher für Grenzen, die überwunden werden wollen. So wird aus einer Nischensportart eine universelle Geschichte, die auch Menschen verstehen, die nie an einem Fels gehangen haben.
Vielleicht am wichtigsten für 60 Jahre Markengeschichte: The North Face baut wiederkehrende Charaktere auf. Alex Honnolds freie Solobesteigung des El Capitan, Kit DesLauriers‘ Skiabfahrten von den Seven Summits oder Dean Karnazes‘ 50 Marathons in 50 US-Bundesstaaten sind fester Bestandteil der eigenen Unternehmensgeschichte. Auch hier arbeitet The North Face mit einem Perspektivwechsel. Die Botschaft lautet stets: “Außergewöhnliche Menschen tun außergewöhnliche Dinge – und The North Face begleitet sie dabei.” Konsistent tritt die Marke dabei als Mentorin der Geschichte auf, nicht als Heldin.
Sechzig Jahre nach der Gründung lässt sich die Geschichte von The North Face auf einen Satz verdichten: Die Marke verkauft keine Abenteuer – sie erzählt von Menschen, die eines erleben. Genau darin liegt der eigentliche Unterschied zwischen klassischer Produktwerbung und echtem Brand Storytelling. Die funktionalen Eigenschaften sind immer präsent, aber sie werden übersetzt: Aus Wetterschutz wird Begleitung, aus Haltbarkeit wird Erinnerung, aus einer Jacke ein Stück der eigenen Geschichte.
Zum 60. Jubiläum zeigt The North Face damit vor allem eines: Eine Marke, die ihre Geschichte konsequent über Jahrzehnte weiterspinnt, statt sie in einzelnen Kampagnen neu zu erfinden, gewinnt echte Relevanz. Vielleicht ist das der beste Glückwunsch, den man der Brand zum Geburtstag machen kann: Never Stop Exploring – wir sind gespannt, welche Geschichten in den nächsten Jahren noch erzählt werden.
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