Storytellingkampagnen Januar 2026: Vier Best Cases von Rügenwalder, mobile.de, IKEA und toom – mit kurzen Learnings, warum die Geschichten im Alltag hängen bleiben.
Januar ist selten der Monat für große Gesten. Eher für die kleinen Dinge, die hängen bleiben: ein Satz, den man sofort wiedererkennt, ein Bild, das ein Gefühl auslöst, ein Moment, der mehr erzählt, als er erklärt. Genau dort wird gutes Storytelling sichtbar. Vier Kampagnen aus dem Januar 2026, die zeigen, wie viel Wirkung im Alltag steckt.
Ein Wort reicht und man ist sofort wieder drin. „ALLE!“ ist einer dieser Werbesätze, die im Kopf noch funktionieren, bevor man überhaupt nachdenken kann. Rügenwalder holt den Reiter-Spot zurück, aber nicht als Retro-Nummer, sondern als klare Neuauflage: E-Schwalbe statt Pferd, Feierabendkneipe statt Feld, Kiosk statt Fleischtheke. Das Original läuft im Kopf mit und genau daraus entsteht der Reiz.
Mit Wilson Gonzalez Ochsenknecht (@willywonkaweinhaus), Nura (@nura) und einem Creator-Umfeld (u. a. Carlo Sommer @casacarlo) ist der Spot klar für Social Media gemacht. Nostalgie ist hier kein Zurückschauen, sondern Wiedererkennung im Hier und Heute. Und unter dem Kultsatz liegt ein Motiv, das größer ist als das Produkt: Feierabend als Gemeinschaftsgefühl.
Warum funktioniert das Storytelling?
Rügenwalder zeigt, wie ein alter Code wieder frisch wird, wenn man ihn nicht nachspielt, sondern konsequent ins Heute holt.
Man nimmt eine Insel, die für Ruhe steht, und zieht die Stimmung erst einmal ins Dramatische. mobile.de nutzt Langeoog als Bühne und erzählt das Leben ohne Auto zunächst als Mangel, bis zur Auflösung: „Aber zum Glück lebst du nicht auf Langeoog.“ Dahinter steckt eine simple Alltagswahrheit: Für viele ist das Auto weniger Lifestyle als praktische Notwendigkeit.
Und dann passiert das, was die Geschichte wirklich rund macht: Langeoog spielt mit. Trocken, freundlich, ohne Empörung. Im Antwort-Video sitzen zwei Männer im Strandkorb, schauen aufs Meer, trinken Tee und reagieren so gelassen, dass die ganze Aufregung plötzlich klein wirkt. Nebenbei läuft die Botschaft mit, ganz unaufgeregt: Koffer bringt man hier ins Rollen, hupen würden höchstens Möwen und Stau gibt es, wenn überhaupt, in der Schlange fürs Fischbrötchen. Am Ende bleibt ein Satz hängen, so schlicht wie selbstbewusst: „Auto brauchen wir nicht.“ Statt Grau und Mangel sieht man Fahrräder, Inselbahn, Pferdekutsche, Weite, Ruhe. Aus einem Spot wird ein kurzes Hin und Her über Mobilität und Lebensgefühl. Und man merkt plötzlich, wie lange man noch darüber nachdenkt.
Warum funktioniert das Storytelling?
Der Film wäre auch allein stark. Durch Langeoogs Antwort wird daraus ein Dialog.
Was, wenn der IKEA-Stuhl nicht nur ins Wohnzimmer gehört, sondern eigentlich schon immer „Ausstellungsstück“ war? Genau mit diesem Gedanken spielt „Affordable Masterpieces“. IKEA (in Saudi-Arabien und Bahrain) dreht die alte Unterstellung „günstig gleich billig“ nicht mit Argumenten, sondern mit einer Idee, die sofort sitzt: Vertraute IKEA-Formen tauchen in berühmten Gemälden wieder auf und plötzlich wirkt das Ganze nicht mehr „billig“, sondern einfach zeitlos.
Der Ton ist fast wie im Museum: ruhig, leicht augenzwinkernd, sehr elegant. Und die Pointe ist angenehm simpel: Wenn es im Meisterwerk funktioniert, funktioniert es auch zuhause.
Warum funktioniert das Storytelling?
IKEA macht aus dem Preis kein Argument, sondern einen kleinen Moment von Stolz: Das hier gehört nicht nur in die Wohnung, sondern in die Geschichte von gutem Design.
Ein Schaber, eine Bürste, eine Bushaltestelle, und plötzlich wirkt ein Claim anders. toom zeigt, wie stark „Respekt, wer’s selber macht“ wird, wenn es nicht nur gesagt, sondern gelebt wird. Im Mittelpunkt steht Irmela Mensah-Schramm, 80 Jahre alt und seit Jahrzehnten bekannt dafür, rassistische und rechtsextreme Symbole aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Schaber, Bürste, Konsequenz. Der Spot bleibt ruhig und lässt „Respekt“ nicht groß klingen, sondern konkret wirken.
Der Ton ist bewusst unaufgeregt: kein Hochglanz, keine Show. Einfach eine Person, die handelt, und eine Marke, die ihren Claim daran misst, was „selber machen“ auch heißen kann.
Warum funktioniert das Storytelling?
toom macht aus einem bekannten Claim etwas Greifbares. Respekt wirkt hier nicht wie Haltung zum Anziehen, sondern wie etwas, das man wirklich tut.
Januar-Storytelling muss nicht laut sein, um zu wirken. Rügenwalder nutzt einen Kultcode als Abkürzung, mobile.de bekommt eine zweite Erzählung direkt von der Insel, IKEA macht Design über Kultur spürbar und toom zeigt, wie stark ein Claim wird, wenn er im echten Leben verankert ist.
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