Die interessantesten Storytelling-Kampagnen des Monats hatten wenig miteinander gemeinsam – und gerade deshalb umso mehr. Denn ob popkulturell aufgeladene Kooperation, gesellschaftlich relevantes Brand Statement oder selbstreferenzielle Markenerzählung: Die stärksten Arbeiten im März verbindet ein feines Gespür dafür, wie aus einer Botschaft eine Geschichte wird. Sie setzen auf klare Bilder, starke Setups und Inszenierungen, die dem Publikum etwas zutrauen. Das Ergebnis sind Kampagnen, die nicht nur funktionieren, sondern nachwirken.
Barbie feiert ihren 67. Geburtstag so, wie man es von ihr erwartet: mit einem 21-Dollar-Smoothie von Erewhon, instagrammable und nach Vanillekuchen schmeckend. Eine Kollaboration, die zwei Kultmarken zusammenbringt und dabei erzählerisch Nostalgie, Lifestyle und Purpose in einem Strohhalm vereint. Dass sie so stimmig wirkt, liegt an mehr als nur dem pinken Farbschema. Erewhon ist kein gewöhnlicher Supermarkt: Der Luxus-Grocerystore aus Los Angeles ist seit Jahren Hotspot für It-Girls und Celebrities – und hat den Smoothie aus dem Instagram-Archiv der 2010er zurück in die Gegenwart geholt.
Warum funktioniert das Storytelling?
Die Kooperation zeigt, wie wirksam Storytelling wird, wenn Produkt, Markenwelt und Zeitgeist nahtlos ineinandergreifen. Barbie x Erewhon verkauft eben nicht einfach einen Smoothie, sondern ein kulturell aufgeladenes Lebensgefühl.
Mit „Lessons of Worth“ rückt L’Oréal Paris ein Thema in den Fokus, das viele Frauen betrifft und trotzdem oft an den Rand gedrängt wird: Altersdiskriminierung. Im Zentrum steht Gillian Anderson, die nicht nur als prominentes Gesicht funktioniert, sondern der Botschaft auch Gravitas und Glaubwürdigkeit verleiht. Sie spricht darüber, wie Frauen mit zunehmendem Alter gesellschaftlich immer unsichtbarer werden – obwohl es sich um unsere Mütter, Schwestern, Freundinnen, Kolleginnen handelt. Um Menschen, die mitten im Leben stehen und dennoch oft aus dem öffentlichen Blick verschwinden.
Warum funktioniert das Storytelling?
L’Oréal Paris gelingt hier mehr als ein klassischer Empowerment-Claim: Die Kampagne übersetzt ein strukturelles Problem in eine klare, emotionale und sofort verständliche Bildsprache.
Hornbach verzichtet auf das übliche Werbeinventar und setzt stattdessen die Erinnerung an die Marke selbst ins Zentrum der Kampagne. Benjamin von Stuckrad-Barre, Mieze Katz, Heinz Strunk und Filiz Taşdan beginnen jeweils mit den Worten „Soweit ich mich erinnern kann“ und erzählen, was von Hornbach im Kopf geblieben ist. Genau darin liegt die Stärke der Idee: Sie knüpft an den Ruf an, den sich die Marke über Jahre mit legendären Kampagnen erarbeitet hat.
Warum funktioniert das Storytelling?
Hornbach gelingt hier etwas, das die wenigsten Marken können: Sie vertrauen darauf, dass ihre Arbeit der letzten Jahrzehnte gut genug war, um heute als Rohstoff zu dienen.
Zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März lanciert die italienische Organisation CoorDown eine internationale Kampagne gegen die Rückkehr eines Schimpfworts, das längst verschwunden sein sollte. Laut Daten der Montclair State University stieg die Nutzung des R-Worts auf X im November 2025 um 200 Prozent – befeuert durch Politiker, Comedians und Medienpersönlichkeiten, die es unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit verwenden. Der Schauspieler Noah Matthews Matofsky führt durch die Geschichte – Kleider waschen mit Urin, Tiere vor Gericht stellen, öffentliche Frauenverkäufe. Alles einmal normal, alles längst aufgegeben. Die Kampagne verdeutlicht, dass auch dieses Wort keinen Platz mehr in der Gegenwart haben sollte.
Warum funktioniert das Storytelling?
Die Stärke der Kampagne liegt darin, dass sie das Absurde sichtbar werden lässt: Wenn ganze gesellschaftliche Praktiken überwunden wurden, warum dann nicht auch ein entmenschlichendes Wort? Genau diese Logik verleiht dem Storytelling seine Wirkung.
Am Ende überzeugen diese Arbeiten nicht durch Größe, Lautstärke oder Prominenz, sondern durch Präzision. Sie wissen, was sie zeigen wollen – und vor allem, was sie weglassen können. Das sorgt nicht nur für erzählerische Stärke, sondern auch für eine bemerkenswerte Prägnanz.
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