Was passiert, wenn Alltagssorgen mit ins Bett kommen, Make-up plötzlich magische Kräfte entfaltet und selbst der Tod eine Marke nicht stoppen kann? Passend zu Halloween spielen die Storytelling-Kampagnen im Oktober mit schrägen Charakteren, düsteren Wendungen und nostalgischen Motiven. Banana Republic erzählt eine Bürokomödie, die AOK macht Stress sichtbar, e.l.f. Cosmetics verbindet Hexenzauber mit 90er-Nostalgie und Pringles treibt die eigene Markengeschichte bis ins Grab.
Ein Abenteuerexperte mit Angst vor Gefahren und ein Frankreichfan, der die USA seit 1998 nicht verlassen hat: Im fiktiven Reisebüro „Travel & Tours“ arbeitet ein ziemlich eigenwilliges Team. Die US-Modemarke Banana Republic, die zum Gap-Konzern gehört, macht die schrägen Charaktere zum Mittelpunkt ihrer am 14. Oktober gestarteten Kurzserie „The Agency“. Die fünfteilige Produktion ist vor allem für TikTok konzipiert und erzählt von einer Beraterin, die den angestaubten Laden modernisieren soll. Schauspieler Jack Innanen übernimmt dabei gleich vier Rollen.
Warum funktioniert das Storytelling?
Mit dem Reisebüro knüpft Banana Republic zugleich an seine Wurzeln rund um Reisen und Entdecken an. Die Marke übersetzt diese Herkunft in eine schräge Bürokomödie für den Social-Media-Feed. So entsteht eine Erzählwelt, deren Verbindung zur Marke über die getragenen Outfits hinausreicht.
Der Chef, die fordernde Mutter und eine bedrohlich wirkende KI: Was tagsüber stresst, liegt bei der AOK abends mit im Bett. Die Gemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen in Deutschland macht in ihrer im Oktober gestarteten Kampagne „Nimm den Stress nicht mit ins Bett“ das nächtliche Gedankenkarussell sichtbar. Gemeinsam mit Scholz & Friends übersetzt die AOK Alltagssorgen in aufdringliche Figuren, die den Protagonist:innen in zwei Spots die Nachtruhe rauben.
Warum funktioniert das Storytelling?
Die AOK erzählt von der Schwierigkeit, zwischen Alltag und Erholung eine Grenze zu ziehen und findet dafür ein einprägsames Bild. Wie Michael Winterhagen, Executive Creative Director bei Scholz & Friends, erklärt: „Statt uns in den üblichen, abstrakten Key-Visuals der Gesundheitskommunikation zu verlieren, machen wir den Stress als größte Ursache von Schlafproblemen physisch greifbar und setzen ihn als ungebetenen Gast direkt mit ins Bett.“
Drei Schwestern entdecken plötzlich ungeahnte Kräfte, zumindest glauben sie das. Denn hinter dem vermeintlichen Zauber stecken die Soft-Glam-Produkte von e.l.f. Cosmetics. Für seine Halloween-Kampagne „The e.l.f.ing Magical Sisters“ holt die US-Make-up-Marke die Hexenästhetik der 90er- und frühen 2000er-Jahre zurück und verbindet Anspielungen auf Kultserien wie „Charmed“ und „Practical Magic“ mit selbstironischem Humor. Priah Ferguson, Keyla Monterroso Mejia und Bebe Wood übernehmen die Rollen des magischen Trios.
Warum funktioniert das Storytelling?
e.l.f. nutzt Nostalgie als Ausgangspunkt für eine neue Geschichte: Vertraute Hexenmotive treffen auf Gen-Z-Sprache und eine spielerische Beauty-Routine. Das bietet sowohl Fans der damaligen Popkultur als auch neugierigen jüngeren Zuschauer Anknüpfungspunkte, während die Produkte das Zentrum der Handlung bleiben.
Ein Leben lang Pringles-Fan, aber warum eigentlich danach aufhören? Für Halloween nimmt die für ihre stapelbaren Chips und die ikonische Dose bekannte Snackmarke ihr Motto „Once You Pop, the Pop Don’t Stop“ ziemlich wörtlich. In der am 13. Oktober gestarteten Kampagne „Once You Drop“ können Fans ein digitales „Last Will and Taste-Ament“ unterzeichnen und damit die Chance auf eine Pringles-Urne sowie einen Vorrat für 200 Jahre gewinnen. Das Absurde daran: Die Idee basiert auf einer wahren Geschichte. Fredric Baur, der Erfinder der Pringles-Dose, ließ nach seinem Tod 2008 einen Teil seiner Asche in einer solchen Dose beisetzen.
Warum funktioniert das Storytelling?
Pringles macht aus einem kuriosen Kapitel der eigenen Vergangenheit eine Halloween-Geschichte, die kaum eine andere Marke erzählen könnte. Gerade die Mischung aus echter Markenhistorie, schwarzem Humor und einem konsequent weitergedachten Claim sorgt dafür, dass „Once You Drop“ nicht wie ein saisonaler Gag wirkt, sondern wie eine Erzählung für die Ewigkeit.
Gute Kampagnen brauchen keine komplett neue Geschichte, wenn sie Bekanntes überraschend weitererzählen. Banana Republic macht aus dem Reisebüro eine serielle Comedy-Welt, die AOK gibt unsichtbare Alltagssorgen eine Gestalt, e.l.f. Cosmetics übersetzt nostalgischen Hexenzauber in die Gegenwart und Pringles verwandelt eine kuriose Episode der eigenen Markengeschichte in schwarzen Humor. Dabei entsteht die Wirkung durch einen einfachen Twist: Etwas Vertrautes bekommt eine unerwartete neue Bedeutung.
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