Ich gebe es zu: In meiner Kindheit war ich ein Playmobil– und Barbie-Mädchen. LEGO war für mich das, womit mich meine Brüder nervten, wenn sie stundenlang in ihren Bausteinkisten kramten.

Durch meinem Sohn musste ich mich dann genauer mit LEGO auseinandersetzen und lernen, wie aus einzelnen Steinen beeindruckende Bauwerke werden. Bis heute bin ich stolz auf den Ninjago-Hubschrauber, für den ich einen ganzen Sonntag brauchte. Aber mein Lieblingshobby wurde es dennoch nicht.

“LEGOLAND birthday party survived” lautete damals der Titel meines Instagram-Bilds

LEGO-Steine als strategisches Tool

Anders war es, als ich vor einigen Jahren auf einem Barcamp in Leipzig zu Gast war und dort an einer Session zu LEGO® SERIOUS PLAY® teilnahm. Plötzlich merkte ich, welche Kraft die kleinen Steine als Kommunikationstool haben können.

Mein erstes Bauwerk mit LEGO® SERIOUS PLAY® auf einem Barcamp

Das Thema schwirrte immer in meinem Kopf herum, wurde aber nie konkret. Bis ich im Rahmen eines Netzwerk-Events wieder damit in Berührung kam und beschloss: Ich möchte unbedingt eine Facilitator-Ausbildung für LEGO® SERIOUS PLAY® absolvieren. Bei Hello Agile wurde ich fündig und durfte zwei lehrreiche und inspirierende Tage erleben. Mein erworbenes Wissen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Wer hat LEGO® SERIOUS PLAY® erfunden?

LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP) wurde Ende der 1990er-Jahre von den beiden Professoren Johan Roos und Bart Victor entwickelt. Ausgangspunkt war eine Initiative von Kjeld Kirk Kristiansen, dem damaligen Eigentümer der LEGO Group. Er stellte sich die Frage, warum in Strategie-Workshops oft nur wenige Personen aktiv ihre Ideen einbringen, während das Wissen und die Erfahrungen vieler anderer ungenutzt bleiben.

Gemeinsam mit Forschenden und Experten aus den Bereichen Management, Organisationsentwicklung, Psychologie und Lernen entstand daraus eine Methode, die einen völlig neuen Ansatz verfolgte: Statt ausschließlich zu diskutieren, sollten Menschen ihre Gedanken, Ideen und Perspektiven mit LEGO-Steinen sichtbar machen. Das Ziel war, die Kreativität aller Beteiligten zu aktivieren und die sogenannte „kollektive Intelligenz“ einer Gruppe besser nutzbar zu machen.

Was zunächst ungewöhnlich klingt, entwickelte sich schnell zu einer weltweit eingesetzten Methode für Strategieentwicklung, Teambuilding, Innovationsprozesse und Konfliktlösung.

Die Sprache der Steine: Innere und äußere Welt

Doch was haben bunte LEGO-Steine eigentlich mit Strategie, Kommunikation oder Organisationsentwicklung zu tun?

Im Alltag bewegen sich viele unserer Gedanken in der sogenannten „inneren Welt“: Erfahrungen, Überzeugungen, Ängste, Wünsche oder unausgesprochene Annahmen. Diese Inhalte sind oft schwer in Worte zu fassen und noch schwieriger für andere nachvollziehbar.

Beim LEGO® SERIOUS PLAY® werden diese inneren Bilder in die äußere Welt übersetzt. Aus abstrakten Gedanken entstehen greifbare Modelle, die als Metaphern für Ideen, Herausforderungen oder Beziehungen dienen. Ein Turm kann beispielsweise für Stabilität stehen, eine Brücke für Zusammenarbeit oder eine Mauer für ein Hindernis.

Das Modell wird damit zu einer gemeinsamen Sprache. Statt über Konzepte zu diskutieren, sprechen die Teilnehmenden über etwas, das sichtbar vor ihnen steht. Das erleichtert nicht nur das Verständnis, sondern schafft auch Raum für Perspektiven, die in klassischen Meetings oft ungehört bleiben.

Warum funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY®?

1. Das Hand-Hirn-Prinzip

Ein zentraler Baustein der Methode ist das sogenannte Hand-Hirn-Prinzip. Während wir bauen, werden andere Denkprozesse aktiviert als beim reinen Sprechen oder Schreiben. Die Hände sind direkt mit verschiedenen Bereichen des Gehirns verbunden und unterstützen kreatives sowie assoziatives Denken.

Wer schon einmal beim Spazierengehen oder Zeichnen plötzlich eine gute Idee hatte, kennt diesen Effekt: Bewegung und aktives Gestalten fördern neue Perspektiven. Genau diesen Mechanismus macht sich LSP zunutze.

2. Radikale Simplifizierung

Komplexe Themen wirken oft überwältigend. Ein LEGO-Modell zwingt uns dazu, Gedanken auf das Wesentliche zu reduzieren. Welche Elemente sind wirklich wichtig? Welche Beziehungen bestehen zwischen ihnen? Welche Geschichte erzählt das Modell?

Durch diese Vereinfachung werden selbst schwierige Fragestellungen verständlicher und besser diskutierbar.

3. LEGO als Medium

Die Steine selbst sind dabei weit mehr als Spielzeug. Sie fungieren als neutrales Medium zwischen den Menschen und ihren Ideen. Kritik richtet sich nicht direkt an eine Person, sondern an ein Modell oder eine Interpretation. Dadurch entstehen häufig offenere Gespräche und konstruktivere Diskussionen.

Gleichzeitig senkt das Bauen die Hemmschwelle, ungewöhnliche Gedanken auszusprechen. Was als Metapher auf dem Tisch steht, lässt sich oft leichter teilen als eine unausgereifte Idee in einer klassischen Gesprächsrunde.

Was ist LEGO® SERIOUS PLAY®?

LSP ist eine moderierte Methode, mit der Vorstellungen, Erfahrungen und Ideen in Echtzeit visualisiert werden – zunächst individuell, später gemeinsam im Team.

Oder anders ausgedrückt:

„LSP schafft eine gemeinsame Sprache. Die Legomodelle sind dabei visuelle Anker: Vom Greifen zum Begreifen.“

Definition von LSP-Anbieter Hello Agile

So entstehen Gespräche auf einer anderen Ebene: abstrakte Gedanken werden sichtbar, komplexe Zusammenhänge verständlich und unterschiedliche Perspektiven für alle nachvollziehbar.

Wie funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY®?

Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, lernen die Teilnehmenden zunächst die Grundlagen der Methode kennen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand begeisterter LEGO-Fan oder – wie ich ursprünglich – eher LEGO-Verweigerer ist.

Die ersten Übungen dienen als Warm-up und zeigen, wie sich Metaphern durch einfache Modelle ausdrücken lassen. Schnell wird deutlich, dass es nicht darum geht, besonders schön oder technisch perfekt zu bauen. Entscheidend ist die Bedeutung hinter dem Modell.

“Spätestens beim Storytelling wird für viele der eigentliche Zauber der LEGO-Methode spürbar: Aus ein paar Steinen entstehen Geschichten, Gedanken und Erkenntnisse, die ohne das Modell oft verborgen geblieben wären.”

Nora Feist, Storytelling-Expertin und LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator bei Mashup Communications

Gewohnte Welt und Ruf zum Abenteuer: Mein Weg zu Mashup als LEGO-Bild

Vom Skill Building zum Bauprozess

Nach den ersten Übungen geht es an die eigentlichen Baustufen. Je nach Fragestellung entstehen zunächst Einzelmodelle, anschließend Gruppenmodelle und schließlich komplexe Systemmodelle, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen sichtbar machen.

Dabei folgt LEGO® SERIOUS PLAY® immer demselben Zyklus:

Bauen → Teilen → Reflektieren

Das Teilen ist dabei ein zentraler Bestandteil. Jede Person erläutert ihr Modell und wird gehört. Dadurch kommen unterschiedliche Sichtweisen auf den Tisch, die sonst möglicherweise verborgen geblieben wären. Erst auf dieser Grundlage kann die Gruppe gemeinsam reflektieren, Muster erkennen und neue Lösungsansätze entwickeln.

Fiktives Gruppenmodell einer Zusammenarbeit im Team

Genau darin liegt für mich die besondere Stärke der Methode: Sie verbindet Kreativität mit Struktur und macht selbst komplexe Themen greifbar. Ob Strategie, Teamzusammenarbeit, Veränderungsprozesse oder persönliche Fragestellungen – im Grunde lässt sich nahezu jedes Thema mit LSP bearbeiten.

Und manchmal entstehen dabei Erkenntnisse, auf die man mit klassischen Workshop-Methoden vermutlich nie gekommen wäre.

Mir juckt es jedenfalls schon in den Fingern und ich kann es kaum erwarten, bei uns im Team einen LSP-Tag durchzuführen und vielleicht in Zukunft auch im Rahmen eines Kunden-Workshops.

FAQ: LEGO® SERIOUS PLAY®

Was ist LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP)?

Eine Workshop-Methode, bei der Ideen und Gedanken mit LEGO-Steinen sichtbar gemacht werden.

Wofür eignet sich die LSP-Methode?

LSP eignet sich für Strategie, Teamentwicklung, Innovation oder die Lösung komplexer Herausforderungen.

Warum funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY®?

Weil das Bauen kreatives Denken fördert und abstrakte Themen greifbar macht.

Wie läuft ein LSP-Workshop ab?

Nach einem kurzen Warm-up folgt immer derselbe Zyklus: Bauen → Teilen → Reflektieren.

Mehr Artikel zu Workshops:

nora

Nora Feist ist Storytelling-Enthusiastin, PR-Expertin und gemeinsam mit Miriam Schwellnus Geschäftsführerin von Mashup Communications. Seit 2010 begleitet sie Unternehmen dabei, ihre Geschichten zu entdecken und zu erzählen. In Workshops, Webinaren und Online-Kursen gibt sie gern ihr Wissen rund um Storytelling und Employer Branding weiter.

Recent Posts

The Best of Both Worlds: Was das Hannah-Montana-Comeback über Nostalgie im Storytelling lehrt

Am 24. März 2026 streamte Disney+ das Hannah Montana 20th Anniversary Special. Innerhalb einer Woche…

6 Tagen ago

Warum gute Inhalte nicht reichen: Was wirklich über die Wirkung von Videos entscheidet

Videos funktionieren nicht allein als Informationsmedien. Sie verbinden Inhalte mit Bild, Ton, Rhythmus und Inszenierung…

2 Wochen ago

Reddit im B2B: Zwischen KI-Hype, Kontrollverlust und echter Relevanz

Reddit im B2B ist eines der meist diskutierten Themen, wenn es um KI, Sichtbarkeit und…

3 Wochen ago

Von Bolzplatz bis Wohnzimmer: Die stärksten Kampagnen zur Fußball-WM 2026

Die besten Kampagnen zur Fußball WM 2026 – von purer Nostalgie über reihenweise Stars bis…

3 Wochen ago

Briefe für Menschenrechte: Was wir von Amnesty International über Storytelling lernen können

Amnesty International gilt als eine der weltweit größten Menschenrechtsorganisationen. Storytelling spielt dabei eine wichtige Rolle.…

4 Wochen ago

Storytelling schlägt Prompting: Wie Corporate Influencer mit – und trotz – KI wirklich sichtbar werden

Content ist kein knappes Gut mehr, Aufmerksamkeit schon. So verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht…

1 Monat ago