Image
Top
Navigation
Oktober 8, 2013

Globale Pendler: Leben und Arbeiten im ständigen Sommer, und doch immer zu Hause

Von einer einsamen Insel aus Geld verdienen – Was vor 20 Jahren für 99,9 Prozent der Bevölkerung noch reine Utopie war, wird dank Internet und mobiler Technologie immer häufiger Realität. Vor allem kreative Freelancer, wie Texter, Grafiker, Fotografen, Blogger oder Social-Media-Berater, machen als „Digitale Nomaden“, „Solopreneure“ und „Mobile Worker“ mit nur dem wichtigstes Hab und Gut im Gepäck jeden Ort in der Welt zu ihrem Büro. Hauptsache iPad, Smartphone und/oder Laptop sind dabei und die W-Lan-Verbindung ist stabil.

Ich selbst würde mich als „Globaler Pendler“ bezeichnen. Als Geschäftsführerin meiner eigenen Firma, mit Verantwortung für insgesamt zehn Mitarbeiter, sowie ziemlich tiefen emotionalen und sozialen Wurzeln in meiner Heimatstadt, möchte ich nicht ständig dem Ruf des Windes folgen. Nichtsdestotrotz gelingt es mir seit zwei Jahren neben Berlin auch ca. 10.000 Kilometer weiter regelmäßig zu arbeiten und zu leben. Genau wie die Pendler im ursprünglichen Sinne zwischen Vorstadtidylle und Job in der City täglich hin und her reisen um das Beste von beiden Welten zu bekommen, habe ich meine zwei Lebensmittelpunkte auf globaler Ebene aufgeschlagen. Und so schwingt das Pendel zwischen Berlin und Kapstadt, eigenem Büro und Co-Working Office, Karriere und Liebe, Großstadtleben und Natur hin und her. Nebenbei befinde ich mich die meiste Zeit im Sommer und lasse mir ganz normal weiter Raum für Reisen außerhalb Deutschlands und Südafrikas.

Am Ende geht es um die perfekte Balance und die Tatsache, dass diese durch Technologie und Kommunikation heutzutage so viel besser erreicht werden kann. Ferne Länder und festes Einkommen, Verantwortung und Selbstverwirklichung, Heimatgefühl und Abenteuerlust, viele Begegnungen und Zeit für sich – das alles sind für Globale Pendler und Digitale Nomaden längst keine Gegensätze mehr. Und wenn ich einen Blick in die Glaskugel werfen darf, wird dieser Lebensstil in wenigen Jahren auch nicht mehr nur hauptsächlich Selbständigen und Freelancern vorbehalten bleiben.
Was im Januar 2011 nur als kleine Auszeit gedacht war, entpuppte sich als eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Kann mich die Liebe dazu bringen, alles was ich zusammen mit einem wunderbaren Team bei Mashup Communications aufgebaut habe, zurückzulassen? Kann mich meine berufliche Verantwortung und Leidenschaft davon abhalten, das private Glück zu finden? Die Antwort auf die Entweder-Oder-Frage wurde mit einem ambitionierten „Und“ beantwortet. Kurz vor dem anstehenden Abflug von der Muddastadt in die Mother City, möchte ich Unternehmen deshalb ein paar Beziehungstipps geben, damit Team und CEO trotz großer Distanz ein Herz und eine Seele bleiben:

Das Team in Berlin, der CEO in Kapstadt: 5 Tipps für eine glückliche Fernbeziehung

Kommunikation

Durch das Internet wird die Welt zwar immer kleiner. Bei den besagten 10.000 km wird es dennoch schwierig mit den kurzen Kommunikationswegen. Dank Skype, VoIP und einer funktionierenden Internetverbindung, für die man in Südafrika leider etwas mehr investieren muss, lässt sich der kurze Draht technisch einrichten. Das Wichtigste ist jedoch, aktiver als man es gewohnt ist auf allen Kanälen mit seiner besseren Hälfte zu sprechen. Auch wenn die Team-Mailadresse, Facebook und Skype bei uns intern sehr rege genutzt werden, bringen vor allem persönliche Gespräche operative Details und individuelle Befindlichkeiten ans Tageslicht. Der regelmäßige Kontakt per Telefon wird also zu einem der wichtigsten Rituale. Auch gehört es dazu, sich an den Gedanken zu gewöhnen, quasi in 2D – per Videokonferenz auf dem iPad – an Team-Meetings teilzunehmen.

Vertrauen

Fremdgehen wird in den wenigsten Fällen ein Thema sein. Aber auch in anderen Belangen des Arbeitsalltags ist Vertrauen die wichtigste Basis für eine gut funktionierende Beziehung. Genießen die Mitarbeiter dieses bereits in allen Belangen, wird sich die Abwesenheit des CEOs in dieser Hinsicht weniger bemerkbar machen. Die wichtigste Voraussetzung für das gesamte Unterfangen ist jedoch vor allem eine über Jahre gewachsene vertrauensvolle Geschäftsbeziehung wie ich sie mit meiner Partnerin Nora Feist aufgebaut habe. Durch ihre Präsenz als Geschäftsführerin hält sie den Laden in Berlin zusammen.

Perspektivenwechsel

Das Gute an einer Fernbeziehung ist, dass die Distanz einen immer wieder neuen Blick auf das vermeintlich Selbstverständliche ermöglicht. Indem sich beide Partner individuell neu inspirieren und frei entfalten können, wird es also nie langweilig. So sehr ich Berlin liebe, freue ich mich zum Beispiel auch darauf, dem Treibhaus der hiesigen Online-Branche zumindest geographisch gelegentlich zu entkommen und mit einem Blick von Außen neue Perspektiven zu gewinnen und einzubringen.

Chancen

Neue Leute außerhalb des gemeinsamen Freundeskreises kennenzulernen, heißt auch, neue Türen für die gemeinsame Entwicklung zu öffnen. Auch die Startup-Branche in Südafrika hat spannende Menschen, Ideen und Events zu bieten. Wer weiß, wohin der Zufall und ein paar offene Augen das Unternehmen führen könnte. Und so steht für pendelnde CEOs neben Wine Tasting, Surf Sessions und Road Trips auch eifriges Networking nach Feierabend auf der Tagesordnung.

Gemeinsame Zeit

Trotz der weiten Entfernung und aller Tipps, wie sich diese positiv gestalten lässt, ist das Wichtigste doch immer noch die Zeit, die man wieder gemeinsam im trauten Heim verbringt. Ohne dass es zum Zwang wird, bringen Vorfreude und die begrenzten Phasen in beiden Welten eine neue Qualität in die Beziehung, bei der die Zeit intensiver, ereignisreicher und bewusster erlebt und gestaltet wird.

Posted By

Categories

Backstage, Culture