Linus’ Story: Zwischen 80 Bewerbungen und der Suche nach echter Chance
Wenn man aktuell LinkedIn oder Instagram öffnet und ein bisschen scrollt, findet man schnell junge Menschen, die sich beklagen, dass sie trotz unzähliger Bewerbungen keinen Job finden. Was zunächst wie individuelles Jammern wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als strukturelles Problem. Es geht nicht um Unqualifizierte. Es geht um hervorragend ausgebildete Absolventinnen und Absolventen mit Praxiserfahrung, Engagement und Motivation.
Vom Mythos des Arbeitnehmermarkts zur Realität des Berufseinstiegs
In diesem Beitrag reihe ich mich in die Reihe der gut ausgebildeten Absolvent:innen ein und mache der Bedeutung meines Namens alle Ehre: Linus – der Klagende.
Anfang März 2025 habe ich meinen Master in Kommunikationsmanagement abgeschlossen. Frisch aus dem Studium, mit reichlich Erfahrung in der Tasche, wollte ich den Arbeitsmarkt erobern. Rückblickend würde ich sagen: Der Arbeitsmarkt hatte andere Pläne.

“War for Talents“ – nur ohne Talente
Im Studium hörte ich immer wieder Begriffe wie „War for Talents“ oder die These vom Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt. Vielleicht war das damals zutreffend. Doch als ich selbst als Absolvent auf den Markt kam, fühlte sich davon erstaunlich wenig real an.
Ich hatte bewusst während meines Studiums so viel Praxiserfahrung wie möglich gesammelt – sogar auf Kosten der Studiendauer. Meine Masterarbeit schrieb ich bei Volkswagen und arbeitete dort parallel in der Strategischen Kommunikation. Zuvor war ich beim Fraunhofer IST in der Marketing- und Kommunikationsabteilung tätig, als studentische Hilfskraft im Videoteam der Universität und absolvierte ein Praktikum bei einem Verein für Videoprojekte im Kulturbereich.
In Summe: über dreieinhalb Jahre Berufserfahrung.
Aber offenbar relativiert ein Studentenstatus alles.
Freunde aus ganz anderen Fachbereichen machten ähnliche Erfahrungen. Teilweise dauerte die Suche über ein Jahr.
Ein Reel, welches das Gefühl ziemlich gut auf den Punkt bringt, zeigt einen jungen Mann, der sich über die Rekord-Arbeitslosigkeit unter Akademikern beklagt. Genau diese Diskrepanz zwischen Qualifikation und Realität beschreibt die aktuelle Situation treffend:
80 Bewerbungen und die Hoffnung auf eine Antwort
Über 80 Bewerbungen habe ich geschrieben. Über 50 Absagen erhalten. Und genau eine davon war wertschätzend, individuell und mit echtem Feedback versehen.
Eine.
Noch gravierender als die Absagen selbst war das Ghosting. Wochenlang keine Rückmeldung. Teilweise überhaupt keine Antwort. Automatisierte Standardtexte ohne Bezug zur Bewerbung.
Ich frage mich ernsthaft, ob Unternehmen bewusst ist, was das mit ihrer Reputation macht. Ob ihnen egal ist, dass dadurch ihre Arbeitgebermarke, zumindest in meinen Augen, deutlich an Wert verliert. Bei manchen Unternehmen weiß ich heute schon: Dort würde ich mich kein zweites Mal bewerben. Nicht aus Trotz, sondern aus Prinzip. Denn eine Bewerbung ist keine Einbahnstraße.

Ein weiteres Reel bringt diese Entwicklung überspitzt, aber treffend auf den Punkt: „Bewerben 2015 vs. 2025“. 2015: Sieben Bewerbungen, ein Job. 2025: 500 Bewerbungen und man freut sich, überhaupt eine Absage zu bekommen. Humoristisch inszeniert, aber erschreckend nah an der Realität.
Mit einem Freund, der zeitgleich auf der Suche war, entwickelte ich irgendwann ein makabres Spiel: „Wer bekommt mehr Absagen?“ An “guten” Tagen stand es 4:3. Was als Witz begann, war in Wahrheit ein Bewältigungsmechanismus.
Mein Bewerbungsprozess: Zwischen Selbstzweifel und Systemfrage
Mit jeder weiteren Bewerbung verschiebt sich der Fokus. Anfangs optimiert man Unterlagen. Irgendwann optimiert man sein Selbstbild.
Bin ich doch nicht so gut?
Hätte ich etwas anderes studieren sollen?
Parallel dazu häufen sich Berichte, dass die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademiker:innen das dritte Jahr in Folge steigt, wie etwa in einem Artikel von Capital, der diese Entwicklung analysiert.
Man hört von Einstellungsstopps, Budgetkürzungen oder davon, dass Aufgaben zunehmend von KI-Systemen übernommen oder durch Werkstudierenden-Modelle abgefedert werden. Auch das ZDF hat in einem Beitrag aus Februar auf die Entwicklung aufmerksam gemacht:
Vielleicht ist es kein individuelles Versagen. Vielleicht ist es ein Markt, der auf Effizienz optimiert ist und nicht auf Einstieg.
Der Berufseinstieg fühlt sich stellenweise an wie eine Jobfabrik: standardisierte Prozesse, automatisierte Kommunikation, minimale Interaktion. Effizienz schlägt Beziehung.
Warum sich Mut trotzdem lohnt: Mein Weg zu Mashup
Nach insgesamt fünf Bewerbungsgesprächen in sechs Monaten habe ich glücklicherweise bei Mashup Communications einen Einstieg über ein Traineeship gefunden und bin seit Kurzem als Junior Berater tätig.
Und rückblickend kann ich sagen: Es war nicht nur der Job, den ich gesucht habe – es war die Art und Weise, wie man mir dort begegnet ist.
Schon im Bewerbungsprozess war der Unterschied spürbar. Wertschätzend, transparent, auf Augenhöhe. Gespräche, in denen nicht nur geprüft wurde, ob ich ins Unternehmen passe – sondern in denen auch ehrlich darüber gesprochen wurde, ob das Unternehmen zu mir passt. Kein standardisiertes Abfragen von Lebenslauf-Stationen, sondern echtes Interesse an der Person hinter der Bewerbung.
Meine persönliche Heldenreise bei Mashup: Echtes Interesse und Vertrauen
Nach dem Start folgte eine schnelle und gleichzeitig strukturierte Eingliederung ins Team. Kein „Hier ist dein Laptop, viel Erfolg“, sondern ein praxisnahes Onboarding, das einem vom ersten Tag an das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Man wird nicht verwaltet, man wird eingebunden.
„Was ich besonders schätze: Man darf früh Verantwortung übernehmen. Nicht als Test, sondern als Vertrauensvorschuss. Eigene Projekte, direkter Kundenkontakt, Raum für Ideen. Man darf sich zeigen, seine Stärken einbringen und auch mal ausprobieren. Genau dadurch entwickelt man sich weiter.“
Linus Burkel über seine Erfahrung als Trainee bei Mashup Communications
Und vielleicht ist das der entscheidende Punkt:
Hier wird nicht nur die Stelle besetzt, hier wird die Person entwickelt.
Je nach individuellen Stärken und Interessen kann man sich fachlich profilieren und Schritt für Schritt Expertise aufbauen. Nicht nach einem starren Schema, sondern entlang der eigenen Kompetenzen. Aus der Bewerbung wird so eine berufliche Identität.
Für mich war das der Beweis: Es lag nie an fehlender Kompetenz. Es fehlte die Gelegenheit, sie unter den richtigen Rahmenbedingungen zu zeigen.
Junge Talente sind eine Investition in die Zukunft von Unternehmen
Deshalb mein Appell an Unternehmen:
Wenn wir über Fachkräftemangel sprechen, sollten wir auch über Einstiegschancen sprechen. Über Vertrauen. Über Entwicklung. Über langfristige Perspektiven.
Es lohnt sich, jungen Talenten eine Chance zu geben. Nicht als Risiko, sondern als Investition.
Passend zur Thematik, könnt ihr im PR-Journal ein Interview von unserer Geschäftsführerin Nora und unserer ehemaligen Junior-Beraterin Laura lesen:
Außerdem beschreibt Manja im Blog ihren Weg vom Praktikum über ihr Traineeship bis hin zur Teamleiterin:
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