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April 27, 2015

“Ich habe hier etwas spannendes für Sie!” – Worum man beim Journalistenpitch besser einen Bogen macht

Im Zusammenspiel mit Redakteuren ist viel Feingefühl und Geschick angesagt. Überschreitet man die Grenze des guten Geschmacks, hat man sich jegliche weitere Kooperationsmöglichkeiten vermutlich erst einmal verbaut. Wer aber die folgenden   (An-)Sätze vermeidet, kann sich über einen erfolgreichen Journalistenpitch freuen:

Blogpost

1. Vom Thema abweichen

„Sie machen zwar normalerweise was zum Thema Mode – ich weiß, ich weiß, aber ich wollte fragen, ob Sie vielleicht Interesse an meinem neuesten Beitrag haben; es geht um eine neue App, mit der man seinen Umzug organisieren kann.“

Wird der Redakteur besagten Beitrag mit offenem Mausklick empfangen? Vielleicht…aber nur, um ihn direkt in den Papierkorb zu befördern.

Die Moral von der Geschicht‘: Um Themen stets an den richtigen Mann beziehungsweise die richtige Frau zu bringen, gilt es vor jedem Gespräch mit Journalisten zu klären, in welchem Themenfeld die Person sich überhaupt bewegt. Eine andere Möglichkeit, um beim favorisierten Ansprechpartner zu landen, ist natürlich die Anpassung des Themas. Lässt sich dem Beitrag vielleicht ein Dreh verpassen, der dem Traumkontakt gefallen könnte? Dann los! Aber spart euch und eurem Gegenüber am besten die ohnehin knappe Zeit, wenn etwas von vornherein keine Chance hat angenommen zu werden.

2. Das Blaue vom Himmel versprechen

„Ich habe hier eine total spannende Geschichte für Sie. Uns ist soeben zu Ohren gekommen, dass…“

Vorab ist zu empfehlen, dass überschwängliche Ansagen bezüglich des eigenen Materials  lieber sparsam zum Einsatz kommen sollten – Spannung liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Für die Information selbst gilt, dass sie der Wahrheit entsprechen sollte. Tut sie das nicht, wird der Redakteur eure zukünftigen Meldungen vermutlich ignorieren. Zu einem Verkäufer, der euch zu einem Kauf rät, weil das Objekt der Begierde ein Hit sei, aber wenig später seinen Geist aufgibt, würdet ihr ja auch nicht noch mal gehen, oder?

Die Moral von der Geschicht‘: Pflegt eure Kontakte auf lange Sicht! Aufrichtig und umsichtig. Es geht darum, gemeinsam mit dem Redakteur einen Themendreh zu finden, der für ihn und euch spannend ist. Protzen und Prahlen wird kaum einen Journalisten beeindrucken.

3. Zur Nervensäge werden

„Ich wollte mal hören, wie der aktuelle Stand der Dinge zu meinem letzten Beitrag ist? Hat er Ihnen etwa nicht gefallen? Sie haben sich ja auf meine letzten drei Emails noch gar nicht gemeldet!“

Wenn man ein tolles Feature unters Journalistenvolk gemischt hat und sehr gern Feedback dazu hätte, ist es natürlich legitim, vorsichtig nachzufragen. Wenn aber der Ball nicht zurückgeschossen wird, ist es ratsam, sich fürs Erste in sein Schneckenhaus zurückzuziehen und abzuwarten. Ist das Thema zeitkritisch, kann man dem Redakteur auch eine klare Deadline kommunizieren, bis wann man Feedback bräuchte.

Die Moral von der Geschicht‘: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Wenn es erst einmal keine Rückmeldung zu eurem Beitrag gibt, besteht für das Thema momentan wohl eher keine Verwendung. Wenn die Zeit reif und der Beitrag gut gemacht ist, wird der Redakteur darauf zurückgreifen. Wohl überlegtes, vorsichtiges und vor allem freundliches Nachhaken ist dennoch erlaubt, solange man sich mit einem Nein dann auch zufrieden gibt und nicht weiter nervt.

4. In der Versenkung verschwinden

Nach einem erfolgreichen Telefonat empfiehlt es sich auf jeden Fall, in der nachfolgenden E-Mail rhetorisch noch einen drauf zu setzen – sei es durch eine ausgeklügelte Bezugnahme auf das Gespräch oder einen Themen-Teaser, der den Redakteur neugierig macht. Schade wäre es, wenn man sich plötzlich doch nicht mehr meldet oder nach einem gelungenen Startschuss lediglich eine langweilige Standard-Mail schickt.

Die Moral von der Geschicht‘: Mit einem ordentlichen Follow-Up seid ihr auf dem besten Weg, eine stabile Arbeitsbeziehung zum jeweiligen Journalisten aufzubauen. Ist der Ansprechpartner eures Vertrauens euch wohlgesonnen, könnt ihr vielleicht auch mal mit einem nicht ganz so aufregenden Beitrag punkten. Die Qualität sollte natürlich immer noch stimmen, damit die Redakteure nicht mehr Arbeit in die Bearbeitung eures Beitrags stecken muss, als wenn sie ihn selbst geschrieben hätten.

5. Sich jenseits des guten Geschmacks bewegen

„Sie können den Service selbstverständlich auch selber testen, ist klar. Alles gratis für Sie! Ich lade Sie auch gern erst mal zum Essen ein, dann können wir in Ruhe über alles reden.“

Wenn man einen Journalisten schon länger kennt, dürfte einem gemeinsamen Essen nichts im Wege stehen. Aber richtet euch darauf ein, dass er selbst bezahlen möchte, weil das bei dem Medium, für das er arbeitet, aus professionellen Gründen so gehandhabt wird. Lässt er sich einladen oder macht von dem oben erwähnten Gratis-Test Gebrauch, sollte man sich davon nicht zu viel versprechen oder gar Druck ausüben. Im schlimmsten Fall wäre von Bestechung die Rede und damit der eigene Ruf gefährdet.

Die Moral von der Geschicht‘: Sich seine Freunde mit Keksen erkaufen zu wollen, hat schon in der Grundschule nur suboptimal funktioniert. Moral ist hier im wahrsten Sinne des Wortes das Stichwort.

6. Dem Puls der Zeit hinterherhecheln

„Ach, Sie haben dazu schon vor zwei Monaten was gebracht?“

Zu guter Letzt: Bei aller Arbeit, die einen tagtäglich im Büro erwartet, solltet ihr trotzdem versuchen up to date zu bleiben, was das allgemeine Weltgeschehen angeht. So entgehen euch auf keinen Fall die wichtigsten Trends. Vielleicht schafft ihr es ja sogar, selbst welche zu setzen.

Die Moral von der Geschicht‘: Mit der Zeit gehen oder ihr sogar ein Stück voraus sein – Talent zum Trend quasi. Somit etabliert ihr euch als Go-to-Quelle bei euren „verbündeten“ Journalisten und habt dort auch in Zukunft mit euren gesellschaftsrelevanten Beiträgen immer einen Fuß in der Tür.

Fazit

Seht in Journalisten Verbündete, aber dennoch Personen, die teilweise nach anderen Regeln und Gesetzen wirken und schaffen, als man es vielleicht aus dem Marketing kennt. Und wenn ihr bei gewissen Herangehensweisen ein komisches Gefühl habt, hört auf eure Intuition. When in doubt, leave it out, heißt es doch so schön. Im Zweifelsfall kann man sich letzten Endes vielleicht auch immer fragen, wie man sich anstelle des Redakteurs fühlen würde, wenn er so an euch herantreten würde. Habt ihr eine relevante und spannende Geschichte erzählt, könnt ihr sicher sein, dass sie euch die Redakteure auch liebend gern abnehmen.

Foto von stallio unter CC BY-SA 2.0

 

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Stefanie Dankert