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Juni 29, 2020

Planet Storytelling: Nicaragua

Unsere kulturelle Inspirationsreise führt uns heute nach Nicaragua – in das Land der tausend Vulkane – vorbei am zweitgrößten Süßwasser-See Lateinamerikas, an Städten mit pittoresk anmutenden Häuserfassaden, durch eine Kultur voller mystischer Kolonialgeschichte. In der neuesten Ausgabe unserer Reihe Planet Storytelling tauchen wir ein in das satirische Theater und die traumhafte Natur des 120.254 Quadratkilometer kleinen Landes zwischen Pazifik, Karibik, Honduras und Costa Rica.

Bunter Papagei

© Unsplash / Nery Montenegro

Satirisches Straßentheater: El Güegüense rechnet mit vergangener Herrschaft ab

Auf zwei Dinge ist man in Nicaragua besonders stolz: auf den berühmten Schriftsteller Rubén Darío und auf El Güegüence: Ein Meisterwerk der Ironie, das von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe ausgeschrieben wurde. Dabei handelt es sich um ein Volkstheaterstück, das in der Stadt Diriamba zu Ehren des heiligen Sebastian, dem Schutzpatron der Stadt, aufgeführt wird.

Schaut man genau hin, ist es jedoch eine Parodie auf die spanische Kolonialherrschaft. Zu Zeiten haben diese in ihrer Überheblichkeit so gar nichts mitbekommen. El Güegüence ist ein satirisches Bühnenstück, in dem sich die ProtagonistInnen Dank ihrer Schlagfertigkeit aus jeder Situation befreien können. So geben sie sich bemüht, machen sich in Wahrheit aber eigentlich über ihre Herren lustig, indem sie sich nie direkt widersetzen, aber heimlich mit ihrer Macht spielen. Das Volk hat dabei enormen Spaß – trotz der Bemühungen der spanischen Herrschaft, ihm Glauben, Sprache, und Denken aufzuzwingen. In einer Szene will der Held seine Tochter mit einem Spanier verheiraten, um seine Steuern zu bezahlen. Indes sehen die Kolonialherren in ihm einen geldgierigen Dümmling. Einheimische hingegen einen Retter, der sich geschickt unter das feindliche Volk mischt.

Das Wort Güegüesch stammt aus dem Náuhatl, der Sprache der indigenen Bevölkerung. Der Text des Stücks ist aus dem späten 17. Jahrhundert und eine Mischung aus Náuhatl und katalanischem Spanisch. Über die Musik kommen nicaraguanische Instrumente und spanische Gitarren zum Einsatz. Mit raffiniertem Storytelling wie El Gügüense wird es möglich indigene Kultur am Leben zu erhalten.

Straße in Léon mit bunten Häusern

© Unsplash / Hermes Rivera

Tragische Liebesgeschichte: Poesie des Nicaragua-Sees

Unser Blick geht in der zweiten Geschichte der Reihe Planet Storytelling in den Norden des Landes. Der zweitgrößte Süßwasser-See Lateinamerikas und die darin liegenden Inseln Ometepe und Zapatera sind der Sage nach aus einer herzzerreißenden Liebesgeschichte entstanden. So berichteten zumindest die indigenen Ureinwohner Nicaraguas.

Den Erzählungen zu Folge lebten in dem kleinen Land zwei verfeindete Indianerstämme. So trug es sich zu, dass sich die Häuptlingstochter und der Häuptlingssohn der jeweiligen Stämme verliebten und ergriffen die Flucht – ihrem Glück zuliebe! Doch auf ihrem Weg wurde der junge Häuptling von Pfeil und Bogen getötet. Des Lebensmutes beraubt, erdolcht sich die junge Frau. Das Blut des jungen Liebespaares, bildet fortan den Nicaragua-See. Sein Körper formt die Insel Zapatera und aus ihren Brüsten wachsen die zwei Vulkane Madera und Concepción auf der Insel Ometepe.  Zudem ertrinken beide Stämme in dem Blut des Liebespaares. Von da an bildeten ihre Körper die kleinen Inseln – nahe der Stadt Granada und das Solentiname-Archipel.

Auf den Fährten poetischer Geschichten wie dieser sind heute viele entdeckungslustige Reisende. Zwar ist das Land touristisch immer noch nicht so entdeckt wie andere Teile Zentralamerikas, aber der 164 Kilometer lange und 72 Kilometer breite Nicaragua-See und die Kolonialstadt Granada sind Ziele, die heute immer mehr erkundet werden. Mythisches Storytelling par excellence welches die vergangene Kultur schützt und gleichzeitig zu der touristischen Entwicklung des eigenen Landes beiträgt.

Die letzte Ausgabe unserer Reihe Planet Storytelling führte uns in die USA. Erfahrt hier, wie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten Geschichte verarbeitet.

Lisa de Haardt
Mit einer studierten Mischung aus BWL, Kultur- und Sozialwissenschaft sammelte Lisa erste Arbeitserfahrungen beim Westdeutschen Rundfunk. Nach Jahren im Marketing diverser Theater im Herzen des Ruhrpotts fand sie dann den Weg in die Berliner Agenturbranche. Heute ist sie Teil der Mashies und froh über die berufliche Veränderung.