Von Liebeserklärungen bis Lärm: Die stärksten Kampagnen im August 2026
Der August neigt sich dem Ende zu, der Sommer gibt noch einmal alles und trotzdem liegt der Herbst langsam in der Luft. Dazwischen gab es Hitzewellen, Reisewellen und Mitte des Monats zog die Sonnenfinsternis den Blick nach oben. Zumindest bei all jenen, die eine der heiß begehrten Schutzbrillen ergattern konnten. Mehrere Stunden warteten manche in der Schlange, um eines der Pappschätze in den Händen zu halten – für einen Nachmittag vermutlich das wertvollste Stück Karton der Stadt. In der Kampagnenwelt gab es mindestens genauso viel zu sehen: von großen Gefühlen in Berlin, guten Manieren über den Wolken bis hin zu einer „iconically unbothered“ Paris Hilton und ziemlich viel Haar in New York.

BVG „Die echte Stadt der Liebe“ – Romantik auf Berlinerisch
Paris hat den Eiffelturm und den French Kiss. Berlin hat Mona, die Busfahrerin, die für einen Fahrgast besonders lächelt und den Bruderkuss von Breschnew und Honecker. Für die BVG ist die Sache damit klar. Mit der neuen Imagekampagne, entwickelt von Jung von Matt, erklärt diese augenzwinkernd und mit dem gewohnten Mut zur Selbstironie Berlin zur echten Stadt der Liebe. Der Claim „Weil wir dich lieben“ ist seit über zehn Jahren im Einsatz, aber diese Kampagne ist vielleicht das romantischste Kapitel der Markengeschichte. Statt auf den frechen Ton früherer Auftritte zu setzen, rückt diesmal die Menschlichkeit in den Vordergrund: kleine Gesten zwischen Fahrgäst:innen, echte Momente, authentische Berliner Liebe.
Warum funktioniert das Storytelling?
- Obwohl die Kampagne deutlich emotionaler ist, verliert die BVG ihren eigenen Ton nicht.
- Indem die BVG sich selbst in den Hintergrund stellt und die Fahrgäst:innen in den Vordergrund rückt, wirkt die Kampagne weniger wie Werbung.
- Statt die Stadt künstlich zu romantisieren, arbeitet die Kampagne mit ihren Eigenheiten und zaubert genau daraus ihren Charme.
Ausgespielt wird die Kampagne auf über 3.000 Plakatwänden, auf Instagram, TikTok, YouTube und Facebook sowie in der BVG-App. Ein Mitmach-Element gibt es ebenfalls: Berliner:innen können echte Liebesgeschichten aus Bus und Bahn einreichen.
Lufthansa „Travel Etiquette Collection“ – Anstand, jetzt auch zum Anziehen
Jeder kennt den Mitreisenden, der beim Boarding die Schlange überholt, oder den, der beim Aussteigen schon im Gang steht, während das Flugzeug noch rollt. Dazu kommen die kleinen Etikettefragen, die wohl fast jeder Flug aufwirft: Wer hat Anspruch auf die mittlere Armlehne? Wann ist der richtige Moment, die Lehne zurückzuklappen? Und gehört Applaus nach der Landung zum guten Ton oder ist er schlicht peinlich? Lufthansa hat beschlossen, diese Debatten nicht länger den Passagier:innen zu überlassen.
Die Antwort kommt in Form einer limitierten Merch-Kollektion, entwickelt von Serviceplan. Sieben Teile, englische Slogans, keine großen Erklärungen. „Middle seat gets the armrests“ auf einem Hoodie, „recline responsibly“ auf einem anderen. Fotografiert von Murat Aslan, erläutert von Knigge-Experte Clemens Graf von Hoyos in einem begleitenden Editorial auf der Lufthansa-Website. Beim Armlehnen-Streit bezieht die Airline klar Stellung: Der Mittelsitz gewinnt. Die Begründung: Fenster und Gang haben ohnehin mehr Platz.
Warum funktioniert das Storytelling?
- Die Kampagne greift kleine Konflikte auf, die fast jede Person schon einmal im Flugzeug erlebt hat. Dadurch ist der Zugang sofort da.
- Lufthansa tritt nicht als Airline, sondern als eine Art Schiedsrichter für gutes Benehmen an Bord auf.
- Die “Regeln” bleiben nicht bloß Werbebotschaften, sondern werden zu tragbaren Statements.
Kaufen kann man die Stücke nicht. Lufthansa verzichtet bewusst auf einen Shop und setzt stattdessen auf einen Social-Drop über Instagram, TikTok und Pinterest sowie ausgewählte Creator:innen. Dazu kommen Außenwerbeflächen an Flughäfen.
Paris Hilton x Loop Earplugs – Grenzen setzen, aber make it pink
Es ist laut um Paris Hilton. Eigentlich war es das schon immer: Blitzlichtgewitter, Reality-TV, Partys, DJ-Sets, Kameras. Ob auf der Bühne oder mitten im Familienchaos: Hilton kennt das Leben im Dauertrubel. Doch während der Lärm um sie herum zum festen Bestandteil ihrer Karriere geworden ist, hat Hilton etwas anderes perfektioniert: sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Iconically unbothered“ bringt diese Haltung auf den Punkt und bildet die Idee hinter ihrer neuen Kollaboration mit Loop Earplugs. „Paris Pink“ heißen die limitierten Loop Engage Ohrstöpsel, die seit dem 18. August weltweit erhältlich sind. Co-designed von Hilton selbst, mit ihrem Namenszug auf dem Etui. Funktional filtern sie Umgebungslärm um bis zu 16 Dezibel, lassen Gespräche aber durch. Es geht also nicht darum, die Welt stummzuschalten, sondern ihr in den überwältigenden Momenten die Lautstärke zu nehmen.
Warum funktioniert das Storytelling?
- Paris Hilton muss nicht erklären, warum sie Ohrstöpsel trägt.
- Auch wenn man mit Paris Hilton nichts anfangen kann, kennt man das Gefühl, dass eine Situation einfach zu laut, voll oder überwältigend wird.
- „Paris Pink“ gibt der gesamten Kampagne ein konkretes visuelles Erkennungsmerkmal, das direkt mit der Person verbunden ist.
Loop Earplugs hat in den letzten Jahren Kollaborationen zu einem festen Teil seiner Markenstrategie gemacht. Die Paris-Hilton-Kampagne ist die bislang konsequenteste davon, weil die Verbindung zwischen Figur und Produkt keine Brücke braucht.
K18 „The Tumblehair” – Haarige Zeiten für New York
New York hat schon einiges gesehen. Ein drei Meter großer Haarball aus echtem Menschenhaar gehört trotzdem eher nicht zum gewohnten Stadtbild. Diesen Monat rollte „The Tumblehair“ durch Midtown, das West Village und Chinatown und sorgte für Bilder, die viele zunächst für KI hielten. Tatsächlich steckt hinter dem absurden Anblick eine ziemlich konkrete Zahl: 167 Milliarden Haare. So viel verlieren die New Yorker:innen zusammengenommen täglich durch Haarausfall. K18 und Uncommon Creative Studio haben diese Zahl für den Launch des neuen FutureIQ Hair Longevity Serum kurzerhand in eine physische Installation übersetzt.
Warum funktioniert das Storytelling?
- 167 Milliarden Haare sind kaum vorstellbar. Als drei Meter großer Haarball werden sie plötzlich greifbar.
- In einer Zeit, in der fast jeder spektakuläre Inhalt sofort als KI-generiert verdächtigt wird, ist ein echter Stunt auf der Straße eine Seltenheit.
- Ein riesiger rollender Haarball ist absurd genug, um zunächst zu unterhalten. Dadurch nähert sich die Kampagne einem sensiblen Thema, ohne sofort belehrend zu wirken.
Was auf dem Papier abstrakt bleibt, bekommt auf der Straße plötzlich eine ziemlich eindrückliche Form. Und genau das ist der Punkt: K18 rückt ein Thema in den Fokus, das sonst eher hinter verschlossenen Badezimmertüren stattfindet. Statt Haarausfall zu verstecken, rollt das Problem mitten durch die Stadt.
Fazit
Ob große Gefühle, kleine Benimmregeln, prominente Persönlichkeiten oder ein drei Meter großer Haarball: Die vier Kampagnen zeigen, wie unterschiedlich sich eine starke Geschichte entwickeln lässt. Sie nehmen Situationen, die eigentlich vertraut sind, und drehen sie so weit, bis etwas Unerwartetes entsteht. Genau darin liegt ihre Stärke: Die Marke muss nicht immer im Mittelpunkt stehen, sondern schafft einen Moment, der erst einmal für sich funktioniert und sich dadurch umso leichter weitererzählen lässt.
Trends & Learnings aus diesen Kampagnen
- Alltag als Markenbühne (BVG) – Situationen aus dem Berliner Alltag schaffen Nähe und lassen die Marke organisch Teil der Geschichte werden.
- Markenpositionierung durch Haltung (Lufthansa) – Alltägliche Streitfragen werden zur Gelegenheit, klar Position zu beziehen.
- Bestehende Persona statt erfundener Markenstory (Loop Earplugs) – Die Kollaboration knüpft an eine bereits etablierte Persönlichkeit an.
- Absurdität als Übersetzungshilfe (K18) – Eine abstrakte Zahl wird durch die überdimensionierte Inszenierung unmittelbar greifbar.
Lust auf noch mehr gutes Brand Storytelling? Wirf einen Blick auf die besten Storytelling Kampagnen im Juli
Share this article