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5 Jahre Vertrauensurlaub und Vertrauensarbeitszeit – ein (stolzes) Fazit
Agenturführung Backstage 8. September 2026

5 Jahre Vertrauensurlaub und Vertrauensarbeitszeit – ein (stolzes) Fazit

Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensurlaub - 5 Jahre Vertrauensurlaub und Vertrauensarbeitszeit – ein (stolzes) Fazit

45 – Das ist die Anzahl der jährlichen Urlaubstage, die ich bei der Gründung unserer GmbH im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag mit mir selbst ausgehandelt habe. Der Vertrag war zwar nur eine Formalie, die Urlaubsambitionen jedoch nicht.

Rückblickend bin ich nie auch nur ansatzweise an diese Zahl herangekommen. Selbst als ich sechs Wochen in Thailand war, fand ich es als Unternehmerin entspannter, vier Wochen davon einfach von dort aus zu arbeiten – ohne es zu übertreiben – und dann sowieso noch genug Zeit zu haben, am Strand an einer Kokosnuss zu schlürfen.

Ein bisschen schuldig gefühlt habe ich mich trotzdem immer, dass ich mir als Inhaberin so etwas theoretisch herausnehmen könnte, während meine Angestellten Brückentagsstrategien schmieden.

Aber warum sollten sie das eigentlich müssen? 2019 hatten wir das Arbeiten mit Meerblick – Workation – eingeführt. Für bis zu zwei Monate im Jahr kann somit jeder den Laptop auf einem Fleckchen Erde seiner Wahl öffnen. Schöner Benefit.

Doch mit Corona fanden wir uns in einer neuen Welt wieder, die uns herausforderte, das gelernte System endgültig abzuschütteln.

Corona als Kick-off

Angefangen hat das Ganze nicht mit dem Urlaub, sondern mit der Arbeitszeit. Die vertraglichen Stunden pro Woche blieben, fixe Projektzeiten für Kunden mussten weiter eingehalten werden – aber wie sich die Zeit über die Woche aufgeteilt wird, durfte jede und jeder selbst entscheiden. Das war die Geburtsstunde der Vertrauensarbeitszeit.

Ziemlich schnell merkten wir aber, dass sich damit eine ganz andere Grenze verwischte: die zwischen Arbeitszeit und Urlaub. Wenn sich jemand faktisch eine Vier-Tage-Woche baut, weil an vier Tagen mehr gearbeitet wird und der Freitag frei bleibt – ist das dann Urlaub? Oder einfach nur flexible Arbeitszeit? Diese Frage wurde für uns irgendwann zu kompliziert, um sie im Einzelfall zu klären. Also zogen wir eine klare Linie und führten daneben den Vertrauensurlaub ein.

Seitdem gilt bei uns: Vertrauensarbeitszeit regelt, wie der einzelne Arbeitstag aussieht. Vertrauensurlaub regelt, ob überhaupt gearbeitet wird. Zwei unterschiedliche Freiräume.

Intern gab es zuerst nicht nur Zustimmung. In regen Diskussionen erörterten wir auch mögliche Konfliktpotenziale. Verliert Urlaub seinen Wert, wenn niemand mehr darüber verhandelt? Nutzen das am Ende alle aus? Oder nutzt es am Ende niemand, weil sich alle insgeheim schlecht fühlen, sich freizunehmen?

Vertrauensurlaub – fünf Jahre später

Heute, fünf Jahre später, haben wir die Zahlen auf dem Tisch: Unsere Mitarbeitenden nehmen im Schnitt über zehn Tage mehr Urlaub als der deutschlandweite Durchschnitt. Rechnet man das in Geld um, entspricht das einem halben Monatsgehalt pro Jahr und Person, das wir als bezahlte Freizeit zusätzlich geben, ohne dass wir Urlaubstage zählen.

„Ich habe keine Angst mehr, dass die Urlaubstage nicht reichen”, so eine Mitarbeiterin im Rahmen einer internen Umfrage zu dem Modell. Für mich ist das der eigentliche Kern der Sache. Es geht gar nicht so sehr um die Tage selbst. Es geht darum, ob jemand das Gefühl hat, sich Erholung erlauben zu dürfen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Das eigentliche Ziel, die Gesundheit unseres Teams nach dem Corona-Weckruf als KPI in den Mittelpunkt zu stellen, haben wir dadurch erreicht: 2024 lag der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland bei 19,1 Tagen pro Person (Quelle). Bei uns waren es im selben Jahr 10,9 Tage, 2025 sogar nur noch 9. Mitarbeitende bei Mashup nehmen also im Schnitt zehn Tage mehr Urlaub – und sind dafür zehn Tage weniger krank. Der Unterschied liegt klar auf der Hand: Urlaub kann man planen, Krankheit nicht. Wer sich regelmäßig echte Erholung nimmt, kommt seltener in die Situation, in der Stress zu tatsächlicher Krankheit wird.

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Vertrauensarbeitszeit ist der eigentliche Flexibilitäts-Booster

„Ich kann mein Ehrenamt, meinen Nebenjob und meinen Beruf unter einen Hut bringen – weil ich mir meine Arbeitszeit selbst einteile.” Nicht weil sie sich mehr freie Tage nimmt, sondern weil sie ihren Tag anders strukturiert, jongliert unsere Mitarbeiterin Laurence all diese Abenteuer gleichzeitig.

Genau solche Rückmeldungen zeigen, dass es bei beiden Modellen nie um weniger Arbeit geht. Es geht immer um die Frage, wie Arbeit zu einem Leben passt, das aus mehr besteht als nur dem Job. Es geht darum ein Team zu haben, das gesünder, selbstbestimmter und – das merke ich in den Ergebnissen – auch motivierter arbeitet.

Läuft dabei immer alles glatt und herrscht höchste Team-Harmonie? Natürlich nicht. Die größte Herausforderung ist bis heute: das eigene Zeitmanagement. Gerade im Homeoffice oder hybriden Arbeiten fällt es vielen schwer, eine klare Grenze zu ziehen, wann wirklich Feierabend ist. Auch die Abstimmung im Team, wer wann weg ist und wie die Zusammenarbeit trotzdem funktioniert, ist ein Prozess, der mit neuen – teilweise peniblen – Routinen und einer Kultur des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung einhergeht. Das muss gepflegt werden.

45 Tage Urlaub, die ich mir damals frecherweise als Geschäftsführerin selbst zugestanden habe, wurden fünf Jahre nach der Einführung von Vertrauensurlaub sogar übertrumpft. Nun sitzt in meinem Team eine Senior-Beraterin, die im letzten Jahr 55 Tage genommen hat und in alle Richtungen Energie, Motivation und Engagement versprüht.



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