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Dezember 4, 2020

Von Kabul nach Berlin und zurück: Mozamel Aman von Startupistan im Porträt

In Deutschland angekommen steht Mozamel Aman vor einer neuen Herausforderung – dem Ratschlag seiner Familie folgen oder eine ganz andere Lebensrichtung einschlagen? Wie ihn seine Neugier zum eigenen Startup führte und weshalb das Wohlergehen der afghanischen Flüchtlinge dem Gründer so am Herzen liegt, erzählt der junge Social Entrepreneur im gemeinsamen Gespräch. 

„Vor einigen Jahren rannte ich zum Bus, weil ich es eilig hatte zur Arbeit zu kommen. An der Haltestelle sah ich einen jungen Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Er sprach mich an: „Hey Mozamel, wie geht’s dir? Ich habe vor Jahren meine Ausbildung bei euch gemacht, weißt du noch?“. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Der junge Typ war damals Student an der Ausbildungsstätte, die ich mitgegründet habe.

Nach kurzem Smalltalk verriet er mir, dass er sich immer wieder gern an meine Worte erinnert: „Wenn ihr ausgebildet seid und die Erfahrung habt, werdet ihr euch in Zukunft nicht mehr für Jobs bewerben müssen, stattdessen werden die Unternehmen um euch werben!“. Mit Freuden erzählte er mir, dass genau das eingetreten war – er bekam zahlreiche Jobanfragen und einen festen Arbeitsplatz. Solche Geschichten sind für mich die beste Belohnung! Wenn ich alten Bekannten begegne, die nach ihrer Ausbildung zufrieden und selbstbewusst durch ihr Leben gehen.“

Back to the Roots: Die Mission von Startupistan

Die Geschichte von dem jungen Mann, der seinen Traumjob gefunden hat, erzählt der Social Entrepeneur Mozamel Aman. Der junge Unternehmer, der ursprünglich aus Afghanistan kommt, gründete innerhalb von zweieinhalb Jahren bereits drei Startups in Berlin und half damit vielen Flüchtlingen, eine Arbeitsstelle zu finden. Denn das Wohlergehen seiner Landsleute sowie die Verbesserung der Lebensumstände in seinem Heimatland stehen für ihn immer an erster Stelle und inspirieren ihn zu neuen Geschäftsideen. Auch Startupistan, das neue Projekt von Mozamel, bildet hier keine Ausnahme.

Die Mission von Startupistan ist es, junge Menschen in Afghanistan zu IT-ExpertInnen auszubilden, um ihre Arbeitschancen und somit Lebensverhältnisse zu verbessern. Da sie in einem von Instabilität und Gewalt geplagten Staat leben, sehen viele Jugendliche häufig keine Perspektiven für sich. Genau hier will Mozamel mit seinem neuen Startup ansetzen. In einem Rückblick erzählt der engagierte Unternehmer, wie aus ihm ein Social Enterpreneur wurde und welchen Ratschlag er jungen Gründern mit auf den Weg geben möchte.

Mozamel Aman CEO von Startupistan

Mozamel Aman, CEO von Startupistan Quelle: Startupistan

Neues Land, neues Glück: Vom Volontär zum Social Entrepreneur

Als Mozamel mit seiner Mutter und vier Geschwistern aus Afghanistan nach Deutschland auswanderte, war nicht klar, wie sein Leben im unbekannten Land nun weitergehen würde. Zunächst folgte er dem Ratschlag seiner Familie. Mozamel meldete sich an einer Sprachschule an und machte sich anschließend auf die Suche nach einem Informatikstudium. Jedoch ließ ihn der Gedanke, dass sein Leben auch in eine völlig andere Richtung gehen könnte, die ganze Zeit nicht los. Er vertraute auf sein Bauchgefühl und besuchte Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen. Vom Event-Alltag inspiriert, fing der zukünftige Unternehmer an, als Volontär proaktiv daran teilzunehmen.

Nicht für, sondern mit Flüchtlingen: Der Weg zum ersten Startup

Die Events zum Thema „Entrepreneurship“ haben es Mozamel besonders angetan. Als die Flüchtlingskrise in Europa ihren Höhepunkt erreicht hatte, besuchte er ein Meetup für Social Entrepreneurs. Dort fiel ihm auf, dass keine Flüchtlinge bei dieser Veranstaltung anwesend waren. Dabei ging es doch gerade darum, ihnen zu helfen! Das war aus seiner Sicht das fehlende Puzzleteil. Also meldete er sich spontan zu Wort und erzählte von seiner Vision: In Zukunft Events mit der aktiven Teilnahme von Flüchtlingen zu organisieren.

Mozamel Aman bei der Inforveranstaltung von Startupistan

Mozamel Aman bei einer Inforveranstaltung von Startupistan Quelle: Startupistan

Gesagt, getan! Die Event-Abende mit Geflüchteten waren ein Erfolg und das häufigste Gesprächsthema dabei die Jobsuche. Obwohl es in Berlin Arbeitsstellen gibt, herrscht Ungewissheit in Bezug auf die Arbeitserlaubnis und die Anerkennung von Schul- sowie Studienabschlüssen. So kam Mozamel und seinen Kollegen die Idee ein Online-Portal zu gründen, das zwischen Migranten und Unternehmen vermittelt. Innerhalb von drei Tagen meldeten sich hier 800 Arbeitssuchende an.

Meistens waren es Menschen mit IT-Kenntnissen, die dank seines Vermittlungsportals eine Jobzusage bekamen. So war der nächste Schritt für Mozamel klar – Geflüchtete im Bereich IT auszubilden. Von der Idee überzeugt, brach er sein Informatikstudium in Potsdam endgültig ab und widmete sich komplett seinem neuen Projekt, dem Digital Career Institute. In 90 Prozent der Fälle bekamen die AbsolventInnen dank der gegründeten Ausbildungsstätte eine Arbeitsstelle. Eine Erfolgsquote, die für sich sprach.

Die Geburtsstunde von Startupistan: “With privilege comes great responsibility”

Nach all den Jahren in Deutschland hat der junge Unternehmer viel über Entrepreneurship gelernt und schätzt sich selbst als jemanden ein, der viel Glück im Leben hatte. Er kam mit seiner Familie nach Deutschland, als sein Vater sich hier bereits fest etabliert hatte. Er hatte ein Apartment, ein Visum und konnte ohne Probleme einen Sprachkurs besuchen. Dafür ist Mozamel dankbar. Gleichzeitig sieht er sich um so mehr in der Verantwortung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Der Ort, an dem er mit seinen Kenntnissen direkte Hilfe leisten kann, ist Afghanistan. Dort will er junge Menschen im IT-Bereich ausbilden, um so das Land Schritt für Schritt digitaler zu machen. Die in Afghanistan herrschende Korruption ist ein großes Problem, das unter anderem der mangelnden Transparenz geschuldet ist. Mit der Digitalisierung von Gesetzen, den Prozessen sowie einem besseren Informationszugang würde es, laut Mozamel, mehr Ordnung geben. Das klingt zwar nach einer großen Vision, jedoch können bereits kleine Veränderungen, die in die richtige Richtung gehen, vieles nachhaltig verbessern.

Mut zu Neuem: Mit kleinen Schritten Großes bewirken

Im Dezember 2019 flog der Entrepreneur dann also endlich mit 20 Laptops im Gepäck von Berlin nach Kabul. Zurück in sein Heimatland, da wo alles begann. Dank seiner erfolgreichen Facebook-Gruppe gewann er bereits im Vorfeld 600 InteressentInnen für Startupistan. Verbündete, die sein Schicksal teilten und mit Bildung nachhaltig an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten wollen. Sie alle konnten es kaum erwarten, mit ihrer Schulung zu starten, um sich zu IT-ExpertInnen ausbilden zu lassen.

Im Frühjahr 2020 sammeln Mozamel und sein Team mithilfe einer Crowdfunding Kampagne Spenden, um das Projekt finanziell zu unterstützen und wissbegierige junge Menschen auszubilden. Für seine AbsolventInnen wünscht sich der Social Entrepreneur, dass sie dank der gewonnenen Kenntnisse und kreativen Ideen auch eigene Unternehmen gründen, um die Situation in Afghanistan damit nachhaltig zu verändern. Sein Ratschlag an alle, die von einem eigenen Startup träumen: „Geht raus, redet mit Menschen und probiert es einfach! Am Ende habt ihr Erfolg oder ihr scheitert, aber eine Antwort bekommt ihr mit Sicherheit. Nur so findet ihr heraus, was ihr im Leben wirklich machen wollt.“

Startupistan Summit in Kabul

Startupistan Summit in Kabul Quelle: Startupistan

Wenn ihr Startupistan unterstützen wollt, dann schaut mal bei GoFundMe vorbei! Im Rahmen einer Spendenkampagne könnt ihr dem Team bei der Umsetzung ihrer wichtigen Projekte für junge Menschen in Afghanistan unter die Arme greifen.

Kristina Lauer
Als motivierte Sportskanone startet Kristina ihre Reise in die Welt der PR. Mit Spitzen-Ausdauer meistert sie die Strecke von einer Idee bis zur guten Geschichte.
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