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Was verrät uns die KI-Debatte über Kreativität im Storytelling?
Communications – PR, Content, Redaktion KI 3. September 2026

Was verrät uns die KI-Debatte über Kreativität im Storytelling?

Wer heute nach einer Idee sucht, fragt oft zuerst die KI seines Vertrauens. Wenige Sekunden später liegen zehn Vorschläge vor. Neun davon sind ziemlich langweilig. Aber manchmal bringt uns einer auf einen Gedanken, den wir vorher nicht hatten.

Dann stellt sich fast automatisch die Frage: Ist das überhaupt kreativ? Die KI kombiniert ja schließlich ‚nur‘ bestehende Inhalte neu. Doch was, wenn uns genau diese Beobachtung etwas ganz Grundsätzliches über Kreativität selbst verrät?

Wer heute nach einer Idee sucht, fragt oft zuerst die KI seines Vertrauens. Wenige Sekunden später liegen zehn Vorschläge vor. Neun davon sind ziemlich langweilig. Aber manchmal bringt uns einer auf einen Gedanken, den wir vorher nicht hatten.

Dann stellt sich fast automatisch die Frage: Ist das überhaupt kreativ? Die KI kombiniert ja schließlich ‚nur‘ bestehende Inhalte neu. Doch was, wenn uns genau diese Beobachtung etwas ganz Grundsätzliches über Kreativität selbst verrät?
Quelle: KI-generiert

Der Mythos vom Geistesblitz

Wir stellen uns Kreativität gern als eine Art Geistesblitz vor. Als einen Gedanken, der plötzlich auftaucht und vorher noch nie gedacht wurde. Schön wäre es.

Wer schon einmal an einer Kampagne, einem Text oder einer Geschichte gearbeitet hat, weiß, dass es fast nie so läuft. Meist ist längst etwas da: ein Entwurf, ein Satz, der hängen geblieben ist, eine Beobachtung oder ein Gedanke aus einem Gespräch. Was zunächst nebensächlich erscheint, kann später in einem ganz anderen Zusammenhang zur Idee werden.

Selbst einer der bekanntesten Werbeslogans der Welt hat eine solche Vorgeschichte. Als Dan Wieden 1988 nach einem verbindenden Claim für eine Nike-Kampagne suchte, erinnerte er sich an die letzten Worte des zum Tode verurteilten Gary Gilmore: „Let’s do it.“ Wieden machte daraus „Just Do It“ und verwandelte die düsteren Worte in einen motivierenden Aufruf.

Kreativität beginnt also selten bei null. Wir greifen Bestehendes auf, setzen es in neue Beziehungen, überarbeiten und entwickeln es weiter. Originalität bedeutet dann häufig, Bekanntes auf neue Weise miteinander zu verbinden.

Alles schon mal dagewesen?

Neu ist dieses Prinzip nicht. In der Kunst ist die Auseinandersetzung mit den Werken anderer selten die Ausnahme, sondern eher die Regel. Komponisten wie Bach, Haydn oder Beethoven beispielsweise unterhielten umfangreiche Sammlungen mit Werken anderer Komponisten, aus denen sie für ihre eigene Arbeit schöpften. Dabei griffen sie musikalische Formen, Kompositionstechniken und Ideen auf, veränderten sie und entwickelten sie weiter.

Im Film lassen sich solche Einflüsse oft noch deutlicher beobachten. Quentin Tarantino etwa macht kein Geheimnis daraus, dass seine Filme von zahlreichen anderen Werken beeinflusst sind. In Kill Bill greift er Motive, Bildsprache und Inszenierungsweisen des japanischen Rachefilms Lady Snowblood von 1973 auf und verbindet sie mit Western und Martial-Arts-Kino zu etwas Eigenem. Gerade daraus ist eine Filmsprache entstanden, die heute unverkennbar mit seinem Namen verbunden ist.

Dasselbe gilt aber auch für ganze Erzählmuster. Der König der Löwen zum Beispiel weist auffällige Parallelen zu Shakespeares Hamlet auf: Ein Prinz verliert seinen Vater, dessen Bruder die Herrschaft übernimmt, und muss sich schließlich seiner Vergangenheit stellen. Trotzdem erleben wir Simba nicht einfach als Hamlet mit Fell.

Überall finden sich solche Spuren: Motive werden aufgegriffen, Stile verändert, Techniken weiterentwickelt. Selbst wer bewusst mit bestehenden Konventionen bricht, baut noch auf ihnen auf. Mit einer Erwartung lässt sich schließlich nur spielen, wenn sie vorher existiert.

Ist KI dann auch kreativ?

Und genau hier wird die KI-Debatte interessant. Denn auch KI folgt in einem entscheidenden Punkt dieser Logik: Sie greift auf vorhandene Muster und Zusammenhänge zurück und erzeugt daraus neue Kombinationen. Damit ähnelt ihre Arbeitsweise ausgerechnet dort menschlicher Kreativität, wo ihr häufig vorgeworfen wird, eben „nur“ zu kombinieren.

Aber reicht das schon, um von Kreativität zu sprechen? Eine KI kann neue Kombinationen erzeugen, aber sie hat keine eigene Erfahrung, aus der heraus sie beurteilt, ob eine Idee interessant, relevant oder überhaupt erzählenswert ist.

Gerade im Storytelling zeigt sich dieser Unterschied. Eine Unternehmensgründung kann als Erfolgsgeschichte erzählt werden. Oder als Geschichte über die drei Fehlversuche, die ihr vorausgingen. Entscheidend ist, welche Elemente wir auswählen oder weglassen und welche Perspektive wir einnehmen. Welche Idee ist es wert, weiterverfolgt zu werden? Welche funktioniert für ein bestimmtes Publikum, einen bestimmten Moment und einen bestimmten Kontext?

Diese Entscheidungen treffen nach wie vor Menschen mit allem, was sie an Erfahrung, Verantwortung und Urteilsvermögen mitbringen.

Warum KI zum Sparringspartner wird

Interessant wird KI deshalb gerade im Zusammenspiel mit uns. Nicht, weil sie uns die Arbeit abnimmt, sondern weil sie immer wieder Material liefert, auf das wir reagieren können. Entscheidend ist also, was im Prozess entsteht.

In der Praxis kann das so aussehen: Wir lassen uns fünf mögliche Aufhänger für eine Geschichte vorschlagen. Vier sind erwartbar. Einer passt eigentlich nicht – zu plakativ, zu bemüht, am Thema vorbei. Genau er bringt uns aber weiter. Manchmal, weil sofort klar wird, was wir nicht erzählen wollen. Manchmal aber auch, weil er uns auf eine ganz neue Spur bringt, an die wir nicht gedacht haben.

Deshalb kann KI im kreativen Prozess vor allem dort interessant werden, wo wir ihren Output nicht als fertige Lösung behandeln:

  • wenn ein Vorschlag Widerspruch auslöst und dadurch die eigene Position klarer wird,
  • wenn eine unerwartete Kombination eine neue Perspektive eröffnet,
  • wenn mehrere Varianten sichtbar machen, welche Richtung nicht funktioniert,
  • oder wenn eine Idee zum Ausgangspunkt für etwas wird, das mit dem ursprünglichen Vorschlag kaum noch etwas zu tun hat.


Genau darin liegt der eigentliche Wert der KI als Sparringspartner. Nicht als Quelle fertiger Ideen, sondern als Reibungsfläche.

Wo wird aus Inspiration Kopie?

Es gibt aber noch einen anderen Grund, die Vorschläge der KI nicht einfach zu übernehmen. Denn die Grenze zwischen neuer Kombination und bloßer Reproduktion ist bei KI nicht immer eindeutig. Was wie ein neuer Vorschlag wirkt, kann sich im Einzelfall als erstaunlich nah an einer bestehenden Vorlage erweisen.

Im aktuellen Streit um das NEINhorn wirft beispielsweise der Carlsen Verlag OpenAI vor, dass ChatGPT auf entsprechende Anfragen hin zentrale Elemente der Bücher bis hin zu nahezu originalgetreuen Illustrationen reproduziert. Der Fall zeigt, dass KI eben nicht immer Neues aus Bekanntem zusammensetzt, sondern mitunter sehr nah am Vorhandenen bleiben kann.

Umso wichtiger ist es, den Output der KI als Ausgangspunkt und nicht als fertiges Ergebnis zu verstehen. Auswahl, Einordnung und Weiterentwicklung bleiben unsere Aufgabe.

Ein neuer Blick auf Kreativität

Vielleicht verändert KI nicht nur, was wir erschaffen, sondern vor allem auch, wie wir über Kreativität selbst nachdenken. Wenn Originalität ohnehin selten aus dem Nichts entsteht, verschiebt sich auch die Frage, was an Kreativität eigentlich zählt. Nicht allein der erste Einfall, sondern das, was wir aus dem machen, was schon da ist.

„Vielleicht verändert KI nicht nur, was wir erschaffen, sondern vor allem auch, wie wir über Kreativität selbst nachdenken.“

Gregor Krüger-Pammin – Trainee bei Mashup Communications

Gerade im Zusammenspiel mit KI wird das besonders sichtbar. Entscheidend ist nicht, sie einfach machen zu lassen, sondern was passiert, wenn ihre Vorschläge auf unsere eigenen Gedanken treffen. Das Neue entsteht dann weniger auf einer Seite als vielmehr im Prozess dazwischen.

Und genau darin liegt vielleicht die spannendste Erkenntnis der KI-Debatte: nicht, dass Maschinen plötzlich kreativ geworden sind, sondern dass sie uns dazu bringen, genauer hinzusehen, wie Kreativität überhaupt entsteht.

Mini-FAQ: KI und Kreativität im Storytelling

Was verrät uns KI über Kreativität?
KI macht sichtbar, dass Neues häufig aus bereits Vorhandenem entsteht, das verbunden, verändert und weiterentwickelt wird. 

Wie kann KI beim Storytelling konkret helfen?
Oft schon, indem sie unser eigenes Denken anstößt. Ein Vorschlag kann eine neue Perspektive eröffnen, Widerspruch auslösen oder uns auf eine Idee bringen, auf die wir allein vielleicht nicht gekommen wären. 

Wie nutze ich KI, ohne ihre Ideen einfach zu übernehmen?
Indem der Output der Anfang ist, nicht das Ende. Fragen, die dabei helfen: Was funktioniert daran? Was stört? Was fehlt? Was passiert, wenn man zwei Vorschläge kombiniert oder einen bewusst ins Gegenteil verkehrt? So wird aus einer Antwort Material für die eigene Arbeit und nicht das fertige Ergebnis.

Wo ist die Grenze zwischen Inspiration und Kopie?
Die lässt sich nicht immer eindeutig ziehen. Für den kreativen Prozess lohnt sich deshalb die Frage: Was ist durch die eigene Bearbeitung hinzugekommen? Eine neue Perspektive, ein anderer Kontext, eine überraschende Verbindung? 

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