Image
Top
Navigation
Februar 29, 2016

Die neue Ära FinTech – auf dem Siegeszug oder in der Vollbremsung?

Disruptive Konzepte von Startups machen auch vorm Finanzsektor nicht Halt. Unternehmen wie numbrs, finanzpilot, m8 und viele weitere rütteln an den Grundmauern der Banken. Sie pusten den Staub von den Anzügen der Nadelstreifenträgern und der Wolfs of Wallstreet. FinTech Startups sind ein Katalysator für das Bankgeschäft und sind gleichzeitig ihr Weckruf. Immerhin würden laut einer Studie von YouGov und Transferwise 72 Prozent der Deutschen FinTech-Unternehmen für Geschäfte nutzen. Doch formen die Innovationskonzepte die Zukunft der Finanzwelt, oder gewinnt in diesem Fall Goliath gegen David?

Wer braucht eine Bankfiliale, wenn es das Internet gibt?

Der „Bezahlfreund“ PayPal ebnete den Weg für die digitale Bewegung und wickelt heute weltweit 11,5 Millionen Zahlungen pro Tag ab. Das im Jahre 1998 gegründete Unternehmen erlangte seinen Siegeszug mit der kleinen Unterstützung des Internetgiganten eBay. Dieser integrierte PayPal als festes Online-Bezahlsystem auf seiner Seite – die Geburt der FinTech-Welle. Neue Konzepte wie Apple Pay, Google Wallet oder Squarel stehen bereits in den Startlöchern. Die Zeiten, in denen Bankkunden in der heimischen Filiale Überweisungen tätigten, gehören dank Online-Banking bereits der Steinzeit an. Die Jungstars trumpfen allerdings mit noch innovativeren Tools, wie Ausgabeanalysen, einem Konto-Alarm oder einer schnelleren Überweisungsabwicklung auf. Insgesamt punkten FinTechs in Sachen Kunden-Service: Sie sind bequemer, nutzerfreundlicher und häufig flexibler, da sie oft kürzere Entscheidungswege und weniger Prozesse haben, kurzum sie füllen eine Lücke und verfügen über ein hohes Wachstumspotenzial.

Schufa war gestern – die neuen Bonitätsprüfungsverfahren

Digitale Unternehmen revolutionieren die Kreditvergabeprozesse. Auf dem deutschen Markt ist der erste etablierte Anbieter Kreditech. Mithilfe eines selbstlernenden komplexen Algorithmus und Big Data vergibt das Hamburger Startup Kredite an private Konsumenten, unabhängig von ihrer Kredithistorie, da sie ein alternatives Scoring zur Vergabe nutzen. Unternehmen wie Auxmoney, Lendico oder Bondora ziehen nach. Trotz solcher alternativen Geschäftsmodelle könnten traditionelle Banken eigentlich mit einem Vorteil aufwarten – der direkten und persönlichen Beratung. Die kommt allerdings in Zeiten von Onlinetransaktionen nicht mehr zu tragen – Sofortüberweisung, beim Onlineshopping, E-Mail und Chat-Kontakt und der Bankberater sitzt allein und verlassen an seinem Schalter. Banken verwandeln sich in ein Hintergrundrauschen und die Kundenbindung wird durch die FinTech Drittanbieter gestärkt – sie treffen den schnellen und individuellen Service, den die Kunden in der digitalisierten Welt wollen.

Sie können nicht ohne einander – oder doch?

Doch eines ist und bleibt das Steckenpferd der traditionellen Player – die Bankenlizenz. Das Vergaberecht von Privat- und Geschäftskonten ist durch viele bürokratische Regularitäten limitiert und ausschließlich den etablierten Banken vorbehalten. Zudem sind und bleiben Institute wie die Sparkasse eine große Marke. Die Großmutter eröffnete bereits ein Konto dort und nutzt das Sparbuch für den Enkel, damit dieser seinen ersten Führerschein finanzieren kann. Aus diesem Grund bleibt den FinTech-Startups nur eine Möglichkeit: Sie müssen mit den Banken kooperieren. So eine Zusammenarbeit existiert bereits, wie Vexcash oder number26 beweisen. Erstere beispielsweise launchten in diesem Jahr erstmalig ihre eigenen Girokontos samt Mastercard und Banking-App. Umbrüche hin oder her, wenn die jungen Finanzgründer die Banken benötigen, brauchen diese dann überhaupt die Startups? Die Antwort darauf lautet, jein. Sie bleiben in einer prädestinierten Position, da die FinTech-Regie bestimmte Angebote nicht bieten könne – Wer Bankgeschäfte betreiben möchte oder eine Vollbank gründet, benötigt eine Banklizenz, mindestens zwei Geschäftsführer und vor allem: fünf Millionen Euro Anfangskapital. Die Deutsche Bank verkündete außerdem, dass sie bis 2020 eine Milliarde Euro in die Digitalisierung ihrer Aktivitäten stecken wird. In den “Deutsche Bank Labs” in Berlin, London und Palo Alto arbeiten auch einzelne Startups an dem Ziel, das Kundenerlebnis zu verbessern. Eine klare Kampfansage an die FinTecher.  Sie haben die Traditionsunternehmen wachgerüttelt, aber der große Showdown beginnt erst jetzt.

Posted By

Categories

Branchen, Finanzen, Tech